Sketche für zwei Personen
Sketche für drei oder mehr Personen
Sketche für zwei Personen
Sketch für zwei Personen: Anni,
Ewald
Ein Paar in den Flitterwochen:
| Anni: |
Ewald, Ewald, komm' doch schon, die Sonne
scheint so herrlich. Wo hast du denn die
Liegestühle? |
| Ewald: |
Ja, Anni, ich bring sie schon! |
| Anni: |
Kannst du ihn mir ganz flach machen, weil es
doch ein Liegestuhl ist. |
| Ewald: |
Ja, selbstverständlich liebe Anni,
bitte! |
| Anni: |
Ach, Ewald, bitte, bringe mir doch noch ein
Kissen. (Ach, wie ungeschickt diese Männer doch
sind!) Ewald! |
| Ewald: |
Ich bin ja schon da! |
| Anni: |
Danke! Ach, Ewald, bevor du dich setzt, guck
doch bitte nach, ob der Koffer zugesperrt
ist! |
| Ewald: |
Mach ich! |
| Anni: |
Aahh, diese herrliche Sonne. Ewald, Ewald, wo
bleibst du denn, Ewald? |
| Ewald: |
Ich bin ja schon da, der Koffer ist
zugesperrt! |
| Anni: |
Ach, Ewald, das beruhigt mich aber. Ewald,
warte einen Augenblick, bevor du dich setzt.
Kannst du mir nicht meine Zeitschrift bringen?
Ich muss den Artikel über gesunde Haarpflege noch
einmal lesen, er war ja so interessant. Wo
steckst du denn, Ewald? |
| Ewald: |
Hier bin ich schon, hier ist die Zeitschrift
und für mich habe ich ein Buch mitgebracht. |
| Anni: |
Ach, das solltest du doch nicht, du könntest
dir noch die Augen verderben. Bring es doch
lieber wieder fort, zurück ins Zimmer. |
| Ewald: |
Ach, Anni, du bist so besorgt um mich, ich
bring's wieder fort. |
| Anni: |
Ja, wirklich, die Männer sind wie Kinder,
immer muss man für sie denken. Ewald, komm, setz
dich doch endlich nieder und entspanne dich, aber
hole dir noch vorher noch eine Decke aus dem
Zimmer. Ewald, Ewald, ach, bitte bring mir doch
auch eine für die Füße! |
| Ewald: |
Ja, ach ja. Entschuldige, dass ich auch nicht
gleich daran gedacht habe. |
| Anni: |
Ja, wo ist denn dieser Artikel nur, ich kann
ihn gar nicht finden, ah, da ist er ja... |
| Ewald: |
Ja, da bin ich schon! |
| Anni: |
Ach, immer denkst du nur an dich, ich suche
den Artikel. Hast du die Decke? |
| Ewald: |
Ja! |
| Anni: |
So lege sie mir über die Füße und leg dich
endlich hin, du machst mich ganz nervös. |
| Ewald: |
Ja, natürlich! |
| Anni: |
Ach, einen Moment, Ewald, bevor du dich
hinlegst, mach mir den Liegestuhl etwas höher,
ich kann so gar nichts lesen! |
| Ewald: |
Aber natürlich, liebe Anni, mach ich das
so. |
| Anni: |
Du hättest gleich daran denken können! Danke!
Ewald, Ewald! |
| Ewald: |
Ja, was ist denn? |
| Anni: |
Guck doch nur, eine Fliege! |
| Ewald: |
Ja, wo? |
| Anni: |
Die stört mich, bitte fang sie! |
| Ewald: |
Ja, natürlich! |
| Anni: |
Nicht zerquetschen, Ewald, nein, ach, das ist
zu grausam. Trag sie ins Zimmer und spül sie im
Ausguss herunter! |
| Ewald: |
Aber natürlich, liebe Anni! |
| Anni: |
Ist das ein Unruhegeist! Ewald! Komm, leg
dich nieder! |
| Ewald: |
Ja! |
| Anni: |
Ewald? |
| Ewald: |
Ja? |
| Anni: |
Hast du Fliege auch wirklich
heruntergespült? |
| Ewald: |
Ja, natürlich, Anni, wieso? |
| Anni: |
Da brummt sie wieder! |
| Ewald: |
Das muss eine andere sein! |
| Anni: |
Ach, die sieht der ersten aber so ähnlich!
(Ewald springt auf und will sie fangen) |
| Anni: |
Ewald, Ewald, was machst du denn? |
| Ewald: |
Ich will sie fangen! |
| Anni: |
Ach, weißt du, sie stört mich eigentlich gar
nicht, leg dich nur wieder hin! |
| Ewald: |
Gern, Anni! (Glockengeläut im
Hintergrund) |
| Anni: |
Die Glocke in der Ferne, Kaffeezeit. Räum
bitte die Liegestühle wieder fort! |
| Ewald: |
Ja! |
| Anni: |
Diese Ruhepause war herrlich! |
| Ewald: |
Und wie! |
| Anni: |
Fühlst du dich nicht auch neu gekräftigt,
lieber Ewald? |
| Ewald: |
Sicher liebe Anni, wie nach dem
Frühsport! |
| Anni: |
Ach ja, du kannst ja auch nicht einen Moment
still sitzen bleiben und das nennst du dann
erholen! |
Sketch für zwei Personen:
ER - ein Herr mittleren Jahrgangs
SIE - das entsprechende Gegenstück
(Zimmer mit Frühstückstisch, sie sitzt bereits da
und liest die Zeitung).
| ER: |
(kommt verschlafen herein, sein rechtes Auge
ist blau): Morjen ! |
| SIE: |
Guten Morgen! Dass du überhaupt schon
kommst? |
| ER: |
Schlimme Sitzung gewesen gestern Abend! Ging
heiß her! |
| SIE: |
Kann man wohl sagen! Du warst ja auch völlig
betrunken, als du nach Hause gekommen bist! |
| ER: |
Bist du böse, weil ich mit diesem kleinen
Schwips und einem blauen Auge nach Hause gekommen
bin? |
| SIE: |
Waaas? Kleiner Schwips nennst du das? |
| ER: |
Willst du etwa behaupten, ich hätte einen
zuviel getrunken? |
| SIE: |
So ist es! Du warst voll wie eine Haubitze!
Wenn du nämlich nicht restlos besoffen gewesen
wärest, müsstest du wissen, dass du das blaue Auge
noch gar nicht hattest, als du nach Hause
kamst! |
| ER: |
(entsetzt) Du hast mich doch nicht etwa
geschlagen? |
| SIE: |
Nein, nein mein Liebling! Ich habe dir nur
ein paar Bohnen an den Kopf geworfen, die da
herumstanden ! |
| ER: |
Aber von Bohnen hätte ich doch kein blaues
Auge bekommen! |
| SIE: |
Doch, die Dose war noch darum herum! |
| ER: |
(hat sich mittlerweile einen Handspiegel
genommen und betrachtet intensiv seine Zunge)
Ahhhh! Hmmm! Hör mal, Friedchen, kannst du mir
sagen, wo ich mir die Brandblasen auf der Zunge
geholt habe? |
| SIE: |
Jawohl, das kann ich! Du hast gestern Abend
in deinem kleinen Schwips, wie du es nennst, die
Wärmflasche auf das Wohl aller Witwen und Waisen
geleert! |
| ER: |
(lacht verlegen) Hahaha! Kleiner Irrtum
meinerseits! |
| SIE: |
Schöner Irrtum! Ach Karl! Ich kann mich ja an
manches gewöhnen! Ich will es dulden, dass du
deine Zigarettenasche auf den Boden streust, dass
du morgens im Badezimmer alles voll planschst.
Auch daran, daß du öfters sehr, sehr spät nach
Hause kommst, habe ich mich inzwischen gewöhnt!
Aber dass du dann Pfannkuchen, die ich dir
bereitgelegt habe, auf dem Plattenspieler zu
spielen versuchst, das ist einfach zuviel! |
| ER: |
Ach, jetzt sei doch wieder gut,
Friedchen! |
| SIE: |
Na ja! Ich will mal nicht so sein! Aber dafür
möchte ich mir ein neues Kleid machen lassen!
Gibst du mir etwas dazu! |
| ER: |
Natürlich - gern ! Ich schenke dir die Löcher
aus meinen Strümpfen als Knopflöcher! |
| SIE: |
Du altes Ekel! |
| ER: |
War doch nur ein Spaß! Bist du jetzt wieder
gut? (Er gibt ihr einen Kuss) |
| SIE: |
Sag mal, wer ist eigentlich Betty? Du hast
die ganze Nacht von ihr phantasiert! |
| ER: |
Betty? |
| SIE: |
Ja, Betty! |
| ER: |
(verlegen) Ach so - Betty! Och weißt du,
Betty ist das Rennpferd, auf das ich sonntags
immer setze (es klingelt) |
| Sie: |
Das wird der Briefträger sein. Ich mach auf.
(Sie geht ab. Als sie wieder kommt hält sie einen
geöffneten Brief in den Händen, wütend) Nun
langt es aber! Karl! Dein Rennpferd hat dir
geschrieben! (Sie wirft ihm den Brief an den
Kopf.) |
Sketch für 2 Personen: Oma und Opa
| Oma: |
Komm einmal her, du alter Tropf
an deiner Jacke fehlt ein Knopf.
Ich weiß nicht, wie du das immer machst,
dass du laufend die Knöpfe abkrachst. |
| Opa: |
Fängst du schon wieder zu meckern an.
Ist an deinem Mundwerk nichts anderes dran
als dauernd zu schelten und zu schimpfen? |
| Oma: |
Du brauchst gerade noch die Nase rümpfen,
ausgerechnet du!!
Bei dir hat man ja keine Ruh,
dauernd stellst du was an,
und so was ist ein erwachsener Mann?! |
| Opa: |
Jetzt sei bitte einen Moment still,
weil ich auch was sagen will.
Du mit deinem ewigen Flicken, Putzen und
Abstauben
wirst mir meinen letzten Nerv noch rauben.
Du bringst mich vorzeitig ins Grab hinein
ich könnte noch viel rüstiger sein
ohne dein albernes Gekeife. |
| Oma: |
Meinst du etwa, ich tanz nach deiner
Pfeife?
Das wirst du bei mir nicht erleben. |
| Opa: |
Das ist das Elend eben
Welcher Friede würde bei uns herrschen,
könntest Du dich ein bißchen beherrschen. |
| Oma: |
Das würde dir so passen
Ich soll mir von dir etwas sagen lassen.
Das wäre das erste Mal in meinem Leben |
| Opa: |
Aber ich soll wohl nachgeben,
das kommt nicht in die Tüte -
das wäre - ach du meine Güte... |
| Oma: |
45 Jahr sind wir jetzt ein Paar,
wie ich das überlebt hab, fürwahr,
das weiß ich nicht, bei diesem Tyrannen. |
| Opa: |
Oho, weißt du noch, wie wir begannen
damals als wir noch hübsch und jung,
lebensfreudig, frisch und sehr in Schwung.
Ich bin wenigstens noch hübsch, oder nicht?
Aber dir schaut nur noch das "und" aus dem
Gesicht! |
| Oma: |
Tust du schon wieder hetzen?
Dir sollte man den Kopf zwischen die Ohren
setzen.
Weißt du noch, als wir uns das erste Mal
gegenüberstanden?
Wie die Stimme uns versagte und die Knie
wankten.
Damals wurde ich noch rot bis an die Ohren
Und du hast mir damals Treue geschworen. |
| Opa: |
Ja, das sind die Jugendsünden,
ein ganzes Leben lang sie ihre Strafe finden.
Wie hat mich das alles schon geschlaucht. |
| Oma: |
Und was hast du mir damals ins Ohr
gehaucht?
Am liebsten hättest du mich ganz und gar
aufgefressen vor Liebe mit Haut und Haar. |
| Opa: |
Warum habe ich das nicht getan?
Aber das ist eben der Liebe Wahn,
sie sei die Herrlichkeit auf Erden. |
| Oma: |
Wie soll das bloß noch mit uns werden?
Dieser 45-jährige Krieg, der hält uns munter. |
| Opa: |
Aber unter den Tisch kriegst du mich nicht
runter. |
| Oma: |
Trotzdem behaupte ich noch:
das letzte Wort behalte ich doch! |
Gespräch eines Ehepaares vor einer Bergwanderung
–
Sketch für 2 Personen: Er und Sie
| Er: |
Du, Inge, was meinst du, könnte ich den
Regenschirm mitnehmen? |
| Sie: |
Wie du willst, mein lieber Hans. |
| Er: |
Ja, mir ist es so, als wenn es Regen gibt; und
dann ohne Schirm? |
| Sie: |
Dann nimm ihn mit, lieber Hans. |
| Er: |
Es ist auch so schwül und die Fliegen stechen
so. |
| Sie: |
Nimm ihn mit, den Schirm! |
| Er: |
Wird sicher nicht schlecht sein, wenn ich den
Schirm mitnehme? |
| Sie: |
Nimm ihn mit! |
| Er: |
Wenn es aber doch schön bleibt, dann ist der
Schirm beim Wandern doch hinderlich, da wäre der
Stock beim Gehen schon bequemer. Soll ich den
Schirm hierlassen? |
| Sie: |
Laß ihn da! |
| Er: |
Man vergißt ihn und läßt ihn irgendwo auf der
Bank liegen. |
| Sie: |
Laß ihn da! |
| Er: |
Ich glaube, es ist besser, ich nehme nur den
Stock mit und lasse den Schirm zu Hause. |
| Sie: |
So laß ihn da! |
| Er: |
Aber, wenn es nun doch regnet? |
| Sie: |
Nimm ihn mit! |
| Er: |
Auf dem ganzen Weg über der Alm kein Dach über
dem Kopf. Da wird man patsche-naß. |
| Sie: |
Nimm ihn mit! |
| Er: |
Vorsichtshalber könnte ich den Schirm doch
mitnehmen! |
| Sie: |
Dann nimm ihn mit, lieber Hans. |
| Er: |
(dreht sich um und schaut nach rechts und
links) - Ach schau mal, Inge, ich glaube, die Luft
wird schon klarer. Es gibt wohl keinen Regen.
Vielleicht hält sich das Wetter. Ich laß den Schirm
hier. |
| Sie: |
Laß ihn da! |
| Er: |
Leichter ist's beim bergsteigen, man hat nur
den Stock. Ich möcht es wagen und den Schirm
hierlassen. |
| Sie: |
So laß ihn halt da! |
| Er: |
Wenn ich ins Gebirge schaue, sehe ich
milchigweißes Gewölk, und ein Gewitter steigt
schnell herauf. Es gibt bestimmt noch Regen heute.
Ob ich den Schirm doch lieber mitnehme? |
| Sie: |
So nimm ihn mit. |
| Er: |
Und wenn die Sonne so auf meinen Kopf scheint,
kann ich ihn als Sonnenschirm benutzen. Was meinst
Du Inge, soll ich doch?! |
| Sie: |
Aber ja, meinetwegen nimm ihn doch mit! |
| Er: |
Was heißt das: Nimm ihn mit - laß ihn da! -
nimm ihn mit - laß ihn da! Immer dieses Hin und
Her! mal so, andermal so! Wie kannst Du mich nur so
reizen?. So was Wankelmütiges und Unbeständiges,
wie ihr Weibsleut seid, kann ich nun ganz und
garnicht leiden. Merk Dir das! - Aber so seid ihr,
nie wißt ihr, was ihr wollt! Raus aus den
Kartoffeln, rin in die Kartoffeln! Habt ihr denn
gar keine eigene Meinung? |
| F: |
Du Heinerich, hörst du die Vögel zwitschern?
(liest Zeitung) |
| M: |
Ja, Hubertine. |
| F: |
Du, Heinerich, riechst du auch die schöne
Frühlingsluft? |
| M: |
Ja, Hubertine. |
| F: |
Du Heinerich, sind wir nicht ein glückliches,
altes Ehepaar? |
| M: |
Ja, Hubertine, aber ich wäre noch glücklicher,
wenn ich endlich die Zeitung lesen könnte. |
| F: |
Du, Heinerich, siehst du dahinten das junge
Paar? |
| M: |
Jo. Jo! (ungehalten) |
| F: |
Du, Heinerich, die umarmen sich. |
| M: |
Mein Gott, no loot se doch. |
| F: |
Du Heinerich, ich denk so oft an die schönen
Zeiten wie es früher war. |
| M: |
Ja, ich auch. |
| F: |
Du Heinerich, weißt du noch was wir früher gern
gemacht haben? |
| M: |
Ja, sicher doch, Hubertine, we häbben os
geküsst. |
| F: |
Im Garten, erinnerst du dich? |
| M: |
Dat is all lang her. |
| F: |
Du Heinerich und was taten wir sonst noch? |
| M: |
Ach, Hubertine, stör mich doch nicht immer, ja,
ja gut, wir haben uns umarmt. |
| F: |
Du Heinerich, wir haben uns aber auch noch
anderweitig beschäftigt. |
| M: |
Ma Hubertine, modde we os jetz dor dröfer
onderhalde? |
| F: |
Ja, Heinerich, ich denke so gerne daran zurück.
Las uns das doch noch einmal machen. |
| M: |
Aber Hubertine, doch nicht hier vor den
Leuten! |
| F: |
Ach Heinerich vor 40 Jahren hast du nie nein
gesagt, da konntest du nie genug haben. Manchmal
wolltest du sogar zweimal hintereinander. |
| M: |
Ja, ja ich weiß, da stand ich auch noch im vollen
Saft. |
| F: |
Du Heinerich, es hat dir ja auch immer oder
meistens Freude gemacht. |
| M: |
Got jo, et wor ganz schön. Ma wenn eck van den
Ärbet kom, wor et ock ganz schön anstrengend. Ma do
liets ja ken Ruh, döcks noch föür et äte. |
| F: |
Du Heinerich, möchtest du nicht auch noch
mal? |
| M: |
Ach Hubertine, denk doch an die alten Knochen und
wir haben es doch erst vor einem halben Jahr noch
gemacht. On ek wiet nie, of eck et noch so richtig
kann. |
| F: |
Ach Heinerich, so was verlernt man nicht und ich
helf dir auch ein bisschen. |
| M: |
Mein Gott, Hubertine doch nicht vor all den
Leuten hier und wenn dann musst du dich aber
umdrehen. |
| F: |
Nein Heinerich ich will dich dabei ansehen, dann
macht es mir mehr Spaß. Und die Leute waren ja
schließlich auch mal jung. |
| M: |
Na gut, du alter Quälgeist. |
Beide singen, stehen sich gegenüber und klatschen sich
gegenseitig in die Hände:
„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, ...“
Ein ganz normales Gespräch am Frühstückstisch:
| Sie: |
Was würdest Du machen, wenn ich sterben
würde? |
| Er: |
Um dich trauern. |
| Sie: |
Lange? |
| Er: |
Sehr lange! |
| Sie: |
Warum? |
| Er: |
(mit ernstem Gesicht) Weil ich dich
liebe und dein Verlust sehr schmerzlich für mich
wäre. Warum! |
| Sie: |
(mit einem Lächeln) Das ist lieb.
– Würdest du wieder heiraten? |
| Er: |
Nein. |
| Sie: |
(mit gekränktem Gesichtsausdruck)
Warum nicht? Bist Du nicht gerne
verheiratet? |
| Er: |
Doch, bin ich. |
| Sie: |
Also würdest Du wieder heiraten? |
| Er: |
(räuspert sich) Ich denke, wenn ich
lange genug Getrauert habe und mein Leben wieder
einen Sinn ergibt, ja. |
| Sie: |
Würdest du mit ihr auch in unserem Bett
schlafen? |
| Er: |
Wäre doch angebracht, oder? |
| Sie: |
Würdest Du mein Bild durch ihres auf deinem
Nachttisch ersetzen? |
| Er: |
Ich würde beide Bilder aufstellen |
| Sie: |
Du würdest auch Sex mit ihr machen? In
unserem Bett? |
| Er |
(trinkt einen Schluck Kaffee): Würde
sich sicherlich so ergeben. Ja. |
| Sie: |
Würdest du auch mit ihr Golf spielen? |
| Er: |
Ja, würde ich. |
| Sie: |
Würdest Du ihr meine Schläger geben? |
| Er: |
Nein, sie ist Linkshänderin. |
| Sie: |
??? |
| Er: |
Scheiße! |
| Er : |
Ich bestelle Pizza. Willst du auch was? |
| Sie: |
Nein. |
| Er : |
Okay. |
| Sie: |
...oder doch? |
| Er : |
Was denn nun? |
| Sie: |
Ich weiss nicht. |
| Er : |
Du weisst nicht, ob du was willst? |
| Sie: |
Nein. |
| Er : |
Hast du Hunger? |
| Sie: |
Keine Ahnung, irgendwie schon. |
| Er : |
Was heisst „irgendwie“ ...? |
| Sie: |
Das heisst, dass ich mir nicht sicher
bin. |
| Er : |
Wenn ich Hunger hab, dann merk ich das. |
| Sie: |
Vielleicht hab ich ja nachher Hunger. |
| Er : |
Also bestell ich dir was. |
| Sie: |
Und wenn ich später doch nichts mehr
will...? |
| Er : |
Dann isst du es halt nicht. |
| Sie: |
Das ist doch Verschwendung. |
| Er : |
Dann heb's dir eben für morgen auf. |
| Sie: |
Und wenn ich morgen gar keinen Appetit auf
Pizza habe? |
| Er : |
Pizza kann man immer essen. |
| Sie: |
Ich nicht. |
| Er : |
Dann such dir was anderes aus. |
| Sie: |
Ich will aber gar nichts anderes. |
| Er : |
Also doch Pizza. |
| Sie: |
Nein. |
| Er : |
Also gar nichts. |
| Sie: |
Doch. |
| Er : |
Du machst mich verrückt. |
| Sie: |
Warum bestellst du dir nicht schon mal
was...? |
| Er : |
Wie du meinst... |
| Sie: |
Aber nimm die Pizza mit Schinken. |
| Er : |
Ich mag aber gar keinen Schinken. |
| Sie: |
Ich schon. |
| Er : |
Ich dachte ich sollte MIR was
bestellen...?! |
| Sie: |
Sollst du ja auch. |
| Er : |
Und warum dann Schinken...? |
| Sie: |
Falls ich Hunger kriege, wenn dein Essen da
ist. |
| Er : |
Und? |
| Sie: |
Glaubst du, ich will was essen, was mir nicht
schmeckt? |
| Er : |
Wieso du? |
| Sie: |
Wieso nicht? |
| Er : |
Moment... ich soll also MIR was bestellen,
was DU dann essen kannst, falls du eventuell doch
Hunger bekommen solltest...? |
| Sie: |
Genau. |
| Er : |
Und was bitte soll ICH dann essen? |
| Sie: |
Na, vielleicht hab ich ja nachher gar keinen
Hunger... |
Anmerkung: Das Landgericht Frankfurt sprach IHN
vom Vorwurf des Todschlages im Affekt frei und
erkannte auf Notwehr.
| Emma: |
Du – Otto – brauchst du nicht ein
Taschentuch? |
| Otto: |
Nein! Ich brauche Nichts. |
| Emma: |
Du Otto – willst du ein Bonbon? |
| Otto: |
Nein! Sag mal, wir sind doch hier im Theater!
Und jetzt ist es besser, du bist ruhig. |
| Emma: |
Du Otto, meinst du nicht es ist besser, wenn
du die Theaterkarten an dich nimmst? |
| Otto: |
Jetzt mach aber mal halblang und hör
auf! |
| Emma: |
Du – Otto – |
| Otto: |
Was ist denn jetzt schon wieder? |
| Emma: |
Du Otto, hier riecht es so komisch! Du
Otto, ich glaube, hier stinkt es! |
| Otto: |
Was du nicht sagst! Ich rieche nichts. |
| Emma: |
Du Otto, hast du auch wirklich frische
Kleider angezogen? |
| Otto: |
Von oben bis unten frisch! |
| Emma: |
Auch frische Socken? |
| Otto: |
Natürlich. |
| Emma: |
Hast du dich auch gewaschen? |
| Otto: |
Ich habe sogar gebadet! Du blamierst mich ja
vor allen Leuten! Da vorne dreht sich sogar schon
nach uns um! |
| Emma: |
Oh, wo sitzt sie denn? (steht auf und schaut
im Raum umher) Ach ja, da vorne! (ruft zu) Guten
Abend! Sind sie auch da? |
| Otto: |
Sag einmal, mach doch nicht so ein Aufsehen!
Ich gehe nie mehr mit dir ins Theater, wenn du
nicht sofort ruhig bist. Da nimm das Programm,
das lenkt dich vielleicht ein bisschen ab. |
| Emma: |
(schaut) Ach! Hier spielt ja sogar der
Gottschalk mit. Da freu' ich mich aber auf seine
schönen blauen Augen. |
| Otto: |
Du bist aber heute mit mir da und nicht mit
Thomas Gottschalk. Und jetzt bist du endlich
ruhig! |
| Emma: |
Du Otto, da stinkt es immer noch! |
| Otto: |
Sei doch endlich still. Siehst du nicht, der
Vorhang wackelt schon. |
| Emma: |
Otto – der Gestank – der kommt
doch von dir. |
| Otto: |
Das wird dein blödes Parfüm sein, welches du
immer so massiv aufsprühst! |
| Emma: |
Das ist allerhöchstens dein After-Shave. Mein
Parfüm riecht anders. Du – Otto, jetzt
halt' ich es bald nicht mehr aus. Jetzt werd' ich
bald ohnmächtig! Hier stinkt es wie zuhause,
schon seit wir beide verheiratet sind. |
| Otto: |
Nun reicht es mir aber! Willst du jetzt einen
Ehekrach beginnen, hier vor allen Leuten. |
| Emma: |
Nein, Otto. Das reicht auch zuhause noch. Du
Otto – aber jetzt frage ich dich zum allerletzten
Mal: Hast du auch wirklich frische Socken
angezogen? |
| Otto: |
Jetzt ist es endgültig genug. Sicher habe ich
frische Socken angezogen! Hier schau her: Die
Alten habe ich sogar noch in meiner
Jackentasche! |
Sketche für drei oder mehr Personen
Sketch für drei Personen: Photograph, Braut und
Bräutigam
Im Photoatelier: Ein Photographenapparat
(vorsintflutlich), ein altes Adressbuch und ein
Korbsessel. Braut und Bräutigam treten ein. Der
Photograph begrüßt sie katzbuckelnd.
| Bräutigam: |
Wir möchten ein eindrucksvolles Bild, Herr
Photograph, ein Bild, dass uns persönlich
zeitlebens an den schönen Augenblick unserer soeben
getätigten Verehelichung erinnern wird, und das
zwotens unsere Nachkommen für alle Zeiten als ein
lebendiges Zeugnis von Liebe und Verbundenheit zu
dienen vermag. Nicht wahr, Antonie? |
| Braut: |
(tiefe sonore Stimme) Gewiss, mein
Süßer. |
| Photograph: |
Darf ich bitten. |
| Bräutigam: |
Gemach. Ich bin noch nicht zu Ende. Das Bild
soll zum Ausdruck bringen: a) unser tiefempfundenes
Glücksgefühl und b) den Ernst der Stunde. Nicht
wahr, Antonie? |
| Braut: |
Gewiss, mein Schnuckiputzi. |
| Bräutigam: |
Und somit schreiten wir zur Aufnahme. halten
Sie es für besser, Herr Photograph, wenn ich den
Zylinder aufbehalte? |
| Photograph: |
Es wird sich wohl empfehlen, ihn
abzunehmen. |
| Bräutigam: |
Er steht mir aber so gut. |
| Photograph: |
Dennoch. |
| Bräutigam: |
Was meinst Du, Antonie? |
| Braut: |
Nimm ihn ab, Liebling. |
| Bräutigam: |
Gut, ich füge mich der Stimmenmehrheit;
nichtsdestotrotz wünsche ich aber, dass die
Exaktheit meines Wesens wie meiner Kleidung
gleichermaßen sichtbar zum Ausdruck kommt. Beachten
Sie bitte die Bügelfalten, die richtige Lage des
Schlipses und nicht zuletzt die Symmetrie des
hochgezwirbelten Schnurrbarts. |
| Photograph: |
Ja natürlich, aber … |
| Braut: |
Was wollen Sie dann? |
| Photograph: |
Ich glaube, das Bild wird so nicht wirken. |
| Braut: |
Warum? |
| Photograph: |
Es wird sich nicht gut ausnehmen, wenn Sie
neben der Braut stehen, Herr Bräutigam. |
| Bräutigam: |
Weshalb? Hier ist mein Platz, – hier an
ihrer Seite, – fürs Leben. "So nimm denn
meine Hände!" etc … |
| Photograph: |
Zugegeben, aber dennoch. |
| Bräutigam: |
Was? |
| Photograph: |
Ich weiß nicht, ob Sie es schon bemerkt haben,
dass das Fräulein Braut gut einen Kopf größer ist
als Sie, Herr Bräutigam. |
| Bräutigam: |
Das ist übertrieben. Sprich du zu diesem
Problem, Antonie. |
| Braut: |
Der Mann überhöht etwas, mein
Herzblättchen. |
| Photograph: |
Das Bild würde wirken wie Mutter und Kind. |
| Bräutigam: |
Das ist zuviel. Ich verbiete Ihnen solche
Scherze. |
| Photograph: |
Ich muss Sie dennoch darauf aufmerksam machen.
hernach kommen Sie mir schließlich mit
Vorwürfen. |
| Bräutigam: |
Halten Sie mich für kleinlich? |
| Photograph: |
Nein, aber für klein. |
| Bräutigam: |
Nur körperlich, mein Herr, nicht etwa
geistig. |
| Photograph: |
Natürlich nur körperlich. |
| Bräutigam: |
Was haben Sie in Vorschlag zu bringen? |
| Photograph: |
Es gilt eine geeignete Unterlage zu
schaffen. |
| Braut: |
Eine Unterlage? Wie meinen Sie das? |
| Photograph: |
(bringt ein Adressbuch) Vielleicht
haben Sie die Güte, sich hier einmal auf das
Adressbuch zu stellen. |
| Bräutigam: |
Auf dieses Adressbuch? |
| Photograph: |
Ich pflege es bei Kinderaufnahmen mit Vorliebe
und Erfolg zu verwenden. |
| Bräutigam: |
Aber dieses Adressbuch ist ja gar nicht der
neueste Jahrgang. Es datiert unsere heute getätigte
Vermählung um 6 Jahre zurück, mein Herr. |
| Photograph: |
Aber was glauben Sie denn? Das Adressbuch kommt
natürlich nicht mit auf das Bild. Ich werde Sie
beide bloß bis zu den Knien photographieren. |
| Braut: |
Beide? |
| Photograph: |
Natürlich beide. |
| Bräutigam: |
Aber das erweckt doch beim Betrachter falsche
Vorstellungen. |
| Photograph: |
Inwiefern? |
| Bräutigam: |
Man wird vermuten, wir hätten überhaupt keine
Füße. Meinst Du nicht auch, Antonie? |
| Braut: |
Gewiss, mein Tausendsassa. |
| Photograph: |
Vielleicht möchten Sie sich doch wenigstens mal
versuchsweise auf das Adressbuch stellen? |
| Bräutigam: |
Wenn es unbedingt sein muss. (Er tut
es) |
| Photograph: |
Ich danke sehr für Ihre Bemühung. |
| Bräutigam: |
Hoppla (er droht zu fallen) |
| Braut: |
(schreit auf) |
| Photograph: |
Ich bitte um Entschuldigung, aber … |
| Bräutigam: |
Ich fange an, aufgeregt zu werden, du nicht
auch, Antonie? |
| Braut: |
(seelenruhig) Doch, ich fange auch an, mein
Goldkäferchen. |
| Bräutigam: |
Nie und nimmer bringen Sie mich auf dieses
Piedestal – nie und nimmer. |
| Photograph: |
Das ist auch nicht nötig. Ich habe den Gedanken
ohnehin aufgegeben. Sie sind nämlich trotzdem noch
viel zu klein. |
| Bräutigam: |
Größenverhältnisse sind Äußerlichkeiten. Sie
wissen: Es ist der Geist, der sich den Körper baut:
"Wallensteins Tod, 3. Aufzug, 13. Szene". |
| Photograph: |
Aber jetzt habe ich einen Ausweg gefunden. |
| Bräutigam: |
Welchen? |
| Photograph: |
Das Fräulein Braut setzt sich auf einen Stuhl
und Sie, Herr Bräutigam, stellen sich
dahinter. |
| Bräutigam: |
Das kommt gar nicht in Frage. |
| Photograph: |
Warum, weshalb? |
| Bräutigam: |
Weil sich das mit meiner Ansicht von der Ehe
nicht vereint. "Er soll dein Herr sein" heißt es.
Wenn also jemand sitzt, dann sitze ich. Das ist
doch auch deine Ansicht, Antonie? (Er hat den
Korbsessel herbeigeholt und sich
hingesetzt) |
| Braut: |
Gewiss mein Pusselchen. (Sie stellt sich
ihm zur Seite). |
| Bräutigam: |
Gut, ich sitze. Beeilen Sie sich Herr
Photograph. |
| Photograph: |
(blickt durch den Apparat) Darf ich
das Fräulein Braut ersuchen, sich etwas
hinabzuneigen? Noch etwas, noch etwas – immer
noch was, bitte! |
| Bräutigam: |
Nein, nein – und nochmals nein. Wenn das
so weitergeht, dann sieht man ja auf dem Bild die
Brosche nicht, die ich meiner Braut als Morgengabe
überbrachte. |
| Photograph: |
Ja, wenn Sie Wert auf die Brosche legen, dann
kommt natürlich ein Brustbild in Frage. |
| Bräutigam: |
Brustbild? Wie meinen Sie das? Ist das nur
Brust? |
| Photograph: |
Nein, es kommt auch etwas Kopf mit drauf. |
| Bräutigam: |
Und Sie glauben, dass das wirkt? |
| Photograph: |
Ich denke schon (er betrachtet die
Situation auf der Mattscheibe) |
| Bräutigam: |
Naja, versuchen können wir es ja mal. Meinst du
nicht auch, Antonie? |
| Braut: |
Gewiss, mein Zuckerschnäuzchen. |
| Photograph: |
(ganz erschossen) Nein, nein, auch das
ist unmöglich. |
| Bräutigam: |
Warum? |
| Photograph: |
Ja, wenn das Fräulein Braut bei diesem
Brustbild vorn steht, dann werden Sie ganz
verdeckt. |
| Bräutigam: |
Dann werde ich mich eben in den Vordergrund
begeben. |
| Photograph: |
Tun Sie das bitte. |
| Bräutigam: |
Ist's so richtig, Herr Photograph? |
| Photograph: |
(unterm schwarzen Tuch) Nnnnneiin.
– |
| Bräutigam: |
Nanu – aber warum denn? |
| Photograph: |
Weil Sie sich nun zu nah an den Apparat heran
gedrängt haben, da wird das Bild unscharf. |
| Bräutigam: |
Aber sagen Sie bloß´. – Was machen wir
nun? |
| Photograph: |
Trotz meiner 30jährigen Praxis stehe ich vor
einem Rätsel und frage mich ebenfalls: Was machen
wir nun? |
| Bräutigam: |
Ich bin ratlos. Was sagst Du, Antonie? |
| Braut: |
Unter den gegebenen Verhältnissen empfehle ich,
nur die Köpfe photographieren zu lassen. |
| Bräutigam: |
Natürlich. Wir beide haben ja ausgesprochen
ausdrucksvolle Charakterköpfe. |
| Photograph: |
Gewiss – jedoch. |
| Bräutigam: |
Kein Jedoch! Ich habe eine ganz famose
Idee. |
| Photograph: |
Schon wieder? |
| Bräutigam: |
Wie immer. Ja. Über diese Köpfe zeichnen Sie
eine Taube, eine fliegende Taube, womöglich mit
silbernen Flügeln, und diese Taube soll im Schnabel
ein Band tragen … |
| Photograph: |
Ein Band? |
| Bräutigam: |
Ja, ein goldenes Band mit Myrthen umrankt.
Besagtes Band aber muss sich um unsere Köpfe winden
… |
| Photograph: |
Nein, – ja doch, – gewiss. –
Dienst am Kunden. |
| Bräutigam: |
(fährt begeistert fort) Auf diesem
Band aber soll geschrieben stehen – mit roten
Buchstaben – wenn sich das machen lässt:
Theodor Amadeus Zirngiebel und Antonie, Philomela
Trudchen Zirngiebel geborene Bless – in Liebe
vereint – in Treue verbunden, bis das der Tod
sie scheidet und das heutige Datum. Wird das nicht
ganz wundervoll werden …? |
| Braut: |
Aber gewiss, mein Mäuseschwänzchen …
(Der Photoapparat bricht zusammen und wird an
einem Faden von unsichtbarer Hand
hinausgezogen) |
| Bräutigam: |
Was soll das bedeuten? |
| Photograph: |
Es ist ihm zuviel gesagt worden (Läuft
hinaus und schreit) Hier geblieben, mein
Lieber!!! |
| Bräutigam: |
Verstehst Du das, Antonie? |
| Braut: |
Kaum, mein Goldkäfer! |
| Bräutigam: |
Gehen wir. Es ergeht mir wie allen
schöpferischen Geistern: „Die Welt ist noch
nicht reif für meine Ideen!“ Das
Brautpaar geht ab … |
| Frau: |
Herr Doktor, mit meinem Mann, das kann ich
Ihnen sagen, das ist vielleicht ein Kreuz. Was
der mir zu schaffen macht! Und dann die
Schmerzen! Herr Doktor ich bin manchmal ganz
krank von den Schmerzen, die mein Mann hat. |
| Arzt: |
So, was fehlt ihm denn? |
| Mann: |
Na also ich . . . |
| Frau: |
(Ihm das Wort abschneidend) Alles Herr
Doktor, alles und nichts. Es ist eben so das
allgemeine Allgemeinbefinden. |
| Arzt: |
Wo haben sie denn ihre Schmerzen? |
| Mann: |
Ja, also ich . . . |
| Frau: |
Mal da und mal da, Herr Doktor. Das müssen
die Nerven sein. Und dann sieht er auch immer so
schlecht aus, und sein Stuhlgang gefällt mir gar
nicht! |
| Arzt: |
Zeigen sie mir mal ihre Zunge! |
| Frau: |
(kommandogewohnt) Zeig mal die Zunge,
los! |
| Mann: |
Aaaaah |
| Arzt: |
Tja . . . |
| Frau: |
Sehen Sie, das sage ich auch. Manchmal meine
ich, er hat's auf der Lunge, dann bin ich aber
wieder mehr für ein Herzleiden. |
| Arzt: |
Geben sie mir mal ihren Puls! |
| Frau: |
Gib mal deinen Puls! Die Temperatur ist ganz
normal, messen tu ich sie viermal am Tag, rektal
natürlich. Und am vielen Salz kann's auch nicht
liegen. Seit meine Nachbarin gemeint hat, es
könne an den Nieren liegen, gebe ich ihm nur noch
salzlose Kost. Und das Blut muss auch in Ordnung
sein. Jeden Tag lasse ich ihn zwei bis drei Liter
Blutreinigungstee trinken. |
| Arzt: |
Haben sie Atembeschwerden? |
| Mann: |
Ja, also ich . . . |
| Frau: |
Ob du Atembeschwerden hast? Nee,
Atembeschwerden hat er keine. Es ist nur der
Blutdruck. Aber den lasse ich ihn schon
wegschwitzen. Jeden Morgen und Abend bekommt er
eine kalte Ganzpackung. |
| Arzt: |
Machen sie mal Kniebeugen! |
| Frau: |
Mach Kniebeugen, dalli! (Mann beginnt
Kniebeugen zu machen) Zähl die Kniebeugen, und
nicht gemogelt! Ja sehn Sie, Herr Doktor, das
Schlimmste ist, dass er nicht mehr so lustig ist,
mein Mann. (Mann zählt im Hintergrund und macht
immer schlechtere Kniebeugen) Wissen Sie, ich bin
so eine sonnige Frohnatur und mein Mann lacht
nicht mehr. Nicht so lappig die Kniebeugen! Tief
runter! Ich frage mich warum lacht mein Mann
nicht mehr? |
| Arzt: |
Der hat ja auch weiß Gott nichts mehr zu
lachen! |
| Frau: |
Sehen Sie, das ist es ja gerade. Das Leben
ist heute so trübe und dabei mache ich es ihm
doch so schön zuhause. Alles fein sauber, kein
Stäubchen liegt rum. Und einen prima Teppich und
ein Sofa mit piekfeinen Kissen! Natürlich darf er
nicht über den Teppich latschen. Und neulich
setzt der Mensch sich doch - sehen sie, so konfus
ist er - aufs Sofa drauf, aufs seidene Kissen!!!
Wo doch das Sofa und die Kissen gar nicht zum
Draufsetzen sind! Na, da ist mir doch glatt meine
Hand ausgerutscht! (Gramvoll) Tja, und er lacht
nicht! |
| Mann: |
(zählt lauter) 54, 55, 56 . . . |
| Arzt: |
Um Gottes Willen, sie machen ja immer noch
Kniebeugen! Hören Sie auf! |
| Frau: |
Aufhören! |
| Arzt: |
(fühlt den Puls) Nach 56 Kniebeugen so ein
Puls! Sie sind vollkommen gesund! |
| Frau: |
Gesund? Nun schlägt´s aber Dreizehn! Was ich
befürchtet hatte! Da rackert man sich ab Jahr für
Jahr, mit ´nem kranken Mann und dann ist er
gesund? Gelogen hast du! Aufs Glatteis hast Du
mich geführt mit deiner ewigen Krankheit und
deinem doofen Gesicht und deinem entgleisten
Gesichtszug! Also gesund bist du? Was sagst du
jetzt? Siehste, gar nichts sagst de! Sonst immer
die große Gusche haben! Aber jetzt bist du klein
und hässlich. Also ist das nun amtlich, dass
meinem Mann nichts fehlt? |
| Arzt: |
Er leidet allerdings an einem beträchtlichen
. . . |
| Frau: |
(erleichtert) So? Na das ist ja wenigstens
etwas! Können sie ihm denn nicht irgendetwas
verschreiben, Herr Doktor? Wie wäre es denn mit
Eispackungen? Erst den Körper in siedendes Wasser
getaucht und dann in Eis? Oder soll ich ihn ein
Rhizinuskur machen lassen? |
| Arzt: |
Na, ich verschreib´ ihm was gegen . . . (gibt
dem Mann ein Rezept) |
| Frau: |
Na also, lies doch selber! |
| Mann: |
(grinst) . . . Das ist genau das
Richtige! |
| Frau: |
Was haben sie ihm denn verschrieben, Herr
Doktor? |
| Mann: |
Eine andere Frau! |
|