Inhaltsverzeichnis
Sketche für zwei Personen
Personen: Ein Bauer, ein Knecht
Der Bauer ruft seinen Knecht Ernst. Der Knecht
stottert. Die Komik wird dadurch erzielt, dass der
Knecht am Satzende die einfachen Worte nicht
herauskriegt, dann ein weit schwereres Synonym wählt,
das ihm ohne weiteres von der Zunge tropft.
Der Knecht tritt auf, etwas dümmlich
| Bauer: |
Ernst! - Ernst! |
| Knecht: |
Sch...sch...sch... Chef! |
| Bauer: |
Na, was ist den los, Du wolltest mich
sprechen? |
| Knecht: |
Ja, Schsch... Chef, ich hau' die Arbeit
h...h....h...., also ich kündige! |
| Bauer: |
(erstaunt) Du kündigst? Warum, das denn? |
| Knecht: |
Wegen der starken Inanspruchnah...nah..nah,
also wegen dem Streß! |
| Bauer: |
Streß? Was für'n Streß? |
| Knecht: |
Na, ich muß mich doch immer um die Hüh... , um
die Hüh... , um die Hüh.., um die Hüh... |
| Bauer: |
Hühner! |
| Knecht: |
F....fff....vorsagen gilt nicht. Also ich muß
mich immer ums Geflügel kümmern. Da ruf' ich
morgens immer Put-Put-Put-Put, und dann kommen die
Hü... Hühner alle rauraurau...raus! |
| Bauer: |
Na und? |
| Knecht: |
Na und abends muß ich sie wieder reireirei...
Rein bringen! |
| Bauer: |
Ja, na und? |
| Knecht: |
Da gehen sie alle reireirei...rein - bis auf ei
ei ei... Eins! |
| Bauer: |
Ach?! |
| Knecht: |
Das wi...wi..wi... Also das möchte nicht! Da
sag' ich immer zu dem Hu.. Huhn: Geh' reirei...
Rein, du sonst hau' ich dich ka....putputputput! |
| Bauer: |
Na und? |
| Knecht: |
(weinerlich beschließt er) Dann komm' sie alle
wieder raus! |
Treffen
sich zwei alte Bekannte in der Einkaufsstrasse.
Freundlicher Gruss, dann fragt der eine.
| Heinz: |
Sag mal, was hast du denn da unterm Arm? |
| Willi: |
Ein Schachspiel, hab ich grad gekauft. |
| Heinz: |
Schach? Was ist das denn? |
| Willi: |
Ach, ein uraltes Spiel, damit haben schon die
alten Römer gespielt. |
| Heinz: |
(klopft gegen den Schachtisch)
Donnerwetter, hat sich aber gut gehalten, sieht
garnicht so alt aus, das Ding. |
| Willi: |
Wie ist es, wollen wir mal eine Partie
wagen? |
| Heinz: |
Klar, das will ich doch mal sehen. |
| Willi: |
(stellt den Tisch mitten in der
Einkaufsstrasse auf und drapiert die Figuren, wie
es halt beim Schach üblich ist. Bei Heinz sieht
das alles recht merkwürdig aus.) Sag mal,
was ist denn mit deinen Bauern? |
| Heinz: |
Wieso? |
| Willi: |
Die stehen ja alle auf einen Haufen. |
| Heinz: |
Na und? – Produktionsbesprechung. |
| Willi: |
Ja und wo sind dann bitte die Läufer? |
| Heinz: |
Was für Dinger? |
| Willi: |
Na, die LÄUFER! |
| Heinz: |
Brauchst du Läufer? Willst du Bier holen
lassen? |
| Willi: |
Darf ich mir denn die Frage erlauben, was mit
deiner Dame los ist? |
| Heinz: |
Ach, sie hatte die Grippe, aber es geht schon
wieder. |
| Willi: |
NEIN! Die Figur meine ich. |
| Heinz: |
Ausgezeichnet, Taillie 56. |
| Willi: |
NEIN! Die Spielfigur. |
| Heinz: |
Die hab ich in der Tasche, die spiel ich als
letzten Stich aus. Aber sag mal, wo sind denn die
Würfel? |
| Willi: |
(verzweifelnd) Würfel? Zum Schach
braucht man doch keine Würfel. |
| Heinz: |
Nicht? Ja dann spielst du es anders als
ich. |
| Willi: |
Und wo bitte schoen sind die Türme? |
| Heinz: |
Die Türme? |
| Willi: |
JAAAAAA! |
| Heinz: |
Gut getarnt, getarnt, daraus lasse ich dich
beobachten. |
| Willi: |
Nun denn, lass uns beginnen. Du bist am
Zug. |
| Heinz: |
Ist gut - was bin ich? |
| Willi: |
Du sollst einen Zug machen. |
| Heinz: |
Ich soll was? |
| Willi: |
Einen Zug machen! |
| Heunz: |
Einen Zug? |
| Willi: |
JJAAAAA! |
| Heinz: |
Gut, mach ich halt 'nen Zug. Tschuf, tschuf,
tschuf, tschuf, tschuf … |
| Willi: |
Halt! |
| Heinz: |
Pling. |
| Willi: |
Was war denn das? |
| Heinz: |
Die Notbremse. |
| Willi: |
Also gut, mach ich den ersten Zug. |
| Heinz: |
Ist recht. |
| Willi: |
Ich setzte meinen Bauern vor dein Pferd. |
| Heinz: |
Nein – auf mein Pferd. |
| Willi: |
Quatsch, vor dein Pferd. |
| Heinz: |
Nee, auf mein Pferd, der Bauer will doch
reiten. |
| Willi: |
Na gut, dann schlage ich dein Pferd. |
| Heinz: |
Ist recht, was tust du? |
| Willi: |
Ich schlage dein Pferd. |
| Heinz: |
Du bist ja ein Tierquäler, das sag ich dem
Tierschutzverein. |
| Willi: |
Es hat keinen Zweck - ich geb es auf." |
| Heinz: |
Waaas? Du gibst schon auf? Dann hab ich ja
gewonnen! |
Szene: Anzeigenredaktion der
Tageszeitung
| Er: |
Guten Tag. |
| Sie: |
Womit kann ich dienen? |
| Er: |
Da es mir an anderer Gelegenheit fehlt,
möchte ich bei Ihnen eine Heiratsanzeige
aufgeben. |
| Sie: |
Haben Sie besondere Wünsche? |
| Er: |
Ich war noch nie in meinem Leben
anspruchsvoll. |
| Sie: |
Also können wir gleich mit dem Aufsetzen
beginnen. (Sie flüstert schreibend die Worte
nach.) |
| Er: |
Eine junge, anständige Frau, aus gutem Hause,
mit blauen Augen und blondem Haar. |
| Sie: |
Muss es unbedingt blond sein? |
| Er: |
Ja, denn für blond hatte ich schon in der
Kindheit eine Vorliebe, was Mutters Honigglas
gerade nicht zuliebe kam. |
| Sie: |
Weiter. |
| Er: |
Ansehnliche Mitgift, Schuhgröße 43. |
| Sie: |
(lacht) Warum denn ausgerechnet
Schuhgröße 43? |
| Er: |
Wissen Sie, meine Tante in Amerika hat mir
letztes Jahr einen ganzen Waschkorb voll ihrer
getragenen Schuhe geschickt, und da wäre es gut,
wenn sie meine Frau auftragen könnte. |
| Sie: |
Weiter. |
| Er: |
Die Klavier spielen kann. |
| Sie: |
Waas Klavier spielen! Haben sie überhaupt ein
Klavier? |
| Er: |
Nein, das grad nicht, aber ich meine halt,
dass es einer Frau gut ansteht, wenn sie's
kann! |
| Sie: |
Weiter. |
| Er: |
Zwecks baldiger Heirat gesucht. So, nun
reicht's. |
| Sie: |
(liest die ganze Anzeige vor) Eine
junge anständige Frau aus gutem Hause, mit blauen
Augen, und blondem Haar, ansehnliche Mitgift,
Schuhgröße 43, die Klavier spielen kann, zwecks
baldiger Heirat gesucht. (Sie rechnet den
Preis aus, zählt) 2 + 4 + 6 = 12, also 12 x
3 = 36 Euro. |
| Er: |
Waas? 36 Euro? Das ist zuviel. Wer weiß, ob
eine Frau überhaupt solch eine Summe wert
ist. |
| Sie: |
Wir können ja manche Worte streichen, dann
wird's schon billiger. |
| Er: |
Also fangen wir von vorne an. |
| Sie: |
Eine |
| Er: |
Streichen. Ist doch klar, dass ich keine drei
will. |
| Sie: |
junge |
| Er: |
Streichen. Ist ja logisch, dass ich keine
Großmutter mehr heiraten will. |
| Sie: |
anständige |
| Er: |
Das lassen, anständig muss sie sein. |
| Sie: |
Frau |
| Er: |
Streichen! Hat noch keiner einen Mann
geheiratet. |
| Sie: |
aus gutem Hause |
| Er: |
Streichen! Ist mir doch egal, ob das Haus gut
ist, aus dem sie kommt. |
| Sie: |
mit blauen Augen |
| Er: |
Streichen! Dem kann man, wenn's Not tut, ein
bisschen nachhelfen. |
| Sie: |
und blondem Haar |
| Er: |
Streichen! Wer weiß, ob das bis dahin noch
Mode ist. |
| Sie: |
ansehnlichen Mitgift |
| Er: |
„ansehnlich“ streichen. Was
schert mich das, ob die Mitgift ansehnlich ist
oder nicht, Hauptsache, sie hat was. |
| Sie: |
Schuhgröße 43 |
| Er: |
Streichen! Wenn die mal so 2 Monate meine
Frau ist, passt sie sowieso in keine Schlappen
mehr. |
| Sie: |
die Klavier spielen kann. |
| Er: |
Streichen! Der wird ich schon selber die
Saiten aufziehen. |
| Sie: |
zwecks baldiger Heirat |
| Er: |
Zwecks baldiger Heirat streichen! Ist doch
klar, dass ich keine 30 Jahre mehr warten
kann. |
| Sie: |
Sie sind sehr genau in solchen Dingen. |
| Er: |
Kennen Sie nicht das kleine Verslein? Bei
manchem Heiratsinserat fällt man gar gründlich
rein, man schreibt einen Brief, bekommt ein Bild,
das muss ´ne Schönheit sein, doch stehst du vor
dem Traualtar, erschrickst du wie noch nie, da
kannst du gar nichts machen, da stehst du
machtlos vis-à-vis. |
| Sie: |
So, nun will ich mal sehen, was noch übrig
bleibt. (Laut) Anständige Mitgift
gesucht! |
Begegnung auf dem Bahnhof:
| Er: |
Na, wo wollen Sie denn hin? |
| Sie: |
Nach Weimar! |
| Er: |
Was wollen Sie denn in Weimar? |
| Sie: |
Ich will zum Antiquitätenhändler Schaller. |
| Er: |
Ach, zum Schaller! |
| Sie: |
Kennen Sie den Schaller? |
| Er: |
Leider nein, aber was wollen Sie denn von
Schaller? |
| Sie: |
Dort ist ein Schreibtisch zu ersteigern aus dem
Nachlass von Schiller. |
| Er: |
Ach, ist der tot? |
| Sie: |
Wer? |
| Er: |
Na, Schiller! Sie sprechen doch von einem
Nachlass, da muss er doch gestorben sein. |
| Sie: |
Wissen Sie denn nicht, dass Schiller tot
ist? |
| Er: |
Leider nein! Ich lese keine Zeitungen! |
| Sie: |
Aber der ist doch schon über 100 Jahre tot. |
| Er: |
So lange schon? Und heute ist erst die
Versteigerung? |
| Sie: |
Nein! Schaller hat den Schreibtisch
bekommen! |
| Er: |
Von Schiller? |
| Sie: |
Nein! Schaller hat den Schiller gar nicht
gekannt! |
| Er: |
Wieso konnte dann Schiller dem Schaller einen
Schreibtisch vermachen, wenn er ihn gar nicht
kannte? |
| Sie: |
Aber Schiller hat dem Schaller gar keinen
Schreibtisch vermacht! |
| Er: |
Wieso? Sie sagten doch, der Schaller hätte
... |
| Sie: |
Jetzt hören Sie doch endlich mit dem Schaller
auf! |
| Er: |
Sie haben ja damit begonnen. Glauben Sie, mich
interessiert ein Schreibtisch von ihm und irgendeinem
Schiller? |
| Sie: |
Wissen Sie denn nicht, wer Schiller war? |
| Er: |
Weiß ich nicht! Also wer war das? |
| Sie: |
Schiller war ein Dichter! |
| Er: |
Was Sie nicht alles wissen! Was hat er denn
gedichtet? |
| Sie: |
Zum Beispiel: Die Jungfrau von Orleans. |
| Er: |
War die denn undicht? |
| Sie: |
Die Jungfrau von Orleans war eine Heldin, eine
einmalige Erscheinung! |
| Er: |
Sie haben recht, eine Jungfrau ist immer eine
einmalige Erscheinung! War sie die Freundin von
Schiller? |
| Sie: |
Nein! |
| Er: |
Ach, vom Schaller? |
| Sie: |
Nein! |
| Er: |
Schreien Sie nicht so, ich kann nichts dafür,
dass Schiller eine Jungfrau gedichtet hat. Hat er ihr
auch einen Schreibtisch vermacht? |
| Sie: |
Schiller hat die Jungfrau gar nicht gekannt. |
| Er: |
Ach, die hat er auch nicht gekannt. Da kann er ja
leicht behaupten, dass sie eine Jungfrau war. |
| Sie: |
Ich kann nicht begreifen, dass man nichts von
Schiller wissen kann! |
| Er: |
Ich weiß aber gar nichts! |
| Sie: |
Kennen Sie denn wenigstens Wilhelm Tell? |
| Er: |
Hat er gesagt, er kennt mich? |
| Sie: |
Nein! Aber Wilhelm Tell war doch auch ein
Held! |
| Er: |
Ach, wie die Jungfrau von Orleans? |
| Sie: |
Ja!!! |
| Er: |
Hatten die zwei etwas miteinander? |
| Sie: |
Nein! Hören Sie mal: Tell war ein Schweizer! |
| Er: |
Esse ich nicht, der stinkt mir zu sehr! |
| Sie: |
Aber Tell war doch kein Käse! Er war ein
Freiheitsheld. Er hat auf Obst geschossen! |
| Er: |
Der war wohl nicht ganz dicht! Oder war er beim
Zirkus? Warum hat er denn auf Obst geschossen? |
| Sie: |
Jetzt hören Sie mir mal zu: Der Wilhelm Tell
musste seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schießen,
weil er den Hut auf der Stange nicht gegrüßt
hat. |
| Er: |
Wollen Sie mich für blöd halten? Welch ein
vernünftiger Mensch schießt auf Obst, wenn er einen
Hut auf der Stange nicht grüßt? |
| Sie: |
Kennen Sie den nicht das berühmte Zitat? |
| Er: |
Welch ein Zitat? |
| Sie: |
Durch diese kahle Hose ... |
| Er: |
Was??? |
| Sie: |
Sie machen mich schon ganz wahnsinnig! - Durch
diese hohle Gasse muss er kommen. |
| Er: |
Wer hat das gesagt, mit der Hosen Kasse - kahlen
Hose - hohlen Gasse? |
| Sie: |
Wilhelm Tell! Und dann hat er sich hinter einen
Busch gesetzt! |
| Er: |
Sie sollten sich schämen! Sie scheinen ja einen
feinen Bekanntenkreis zu haben, das muss man schon
sagen! |
| Sie: |
Ja - kennen Sie denn wenigstens die Räuber? |
| Er: |
Meinen Sie die Herren vom Finanzamt? |
| Sie: |
Nein, von Schiller! |
| Er: |
Den Schiller hat man bestohlen? Das wird der
Schaller gewesen sein, dem hat der Schreibtisch nicht
genügt ... |
| Sie: |
Der Schreibtisch hat für mich antiken Wert! |
| Er: |
Einen dicken Wert? |
| Sie: |
Antiken Wert! Auf diesem Schreibtisch hat
Schiller die Maria Stuart bearbeitet ... |
| Er: |
Das muss ja ein feiner Herr gewesen sein! Dieser
Herr Schiller! |
| Sie: |
Das war ein Trauerspiel! |
| Er: |
Kann ich mir vorstellen. Und deswegen wollen Sie
sich den Schreibtisch kaufen? |
| Sie: |
Man könnte die Götter anrufen! |
| Er: |
Haben Sie denn die Nummer? Denn die müssen Sie ja
wenigstens haben ... Jetzt machen Sie mich
wahnsinnig! |
| Sie: |
Jetzt noch eine letzte Frage ... |
| Er: |
Aber die letzte! Die Allerletzte! |
| Sie: |
Kennen Sie die Braut von Messina? |
| Er: |
Ich kenne nicht einmal den Messina persönlich,
wie soll ich denn da seine Braut kennen? |
| Sie: |
Aber Messina ist doch eine Stadt in Italien und
kein Mann! |
| Er: |
Von der Stadt war die Dame die Braut, von der
ganzen Stadt also? Ach ne, feine Dame, die passt zum
Wilhelm Tell hinterm Busch - zu den feinen Herren da
... |
| Sie: |
Also, wenn ich Sie so ansehe, komme ich mir vor
wie in Calais. |
| Er: |
Wieso? |
| Sie: |
Gegenüber Dover! |
| Er: |
Ach so, - was? Ein Glück, dass ich das nicht
verstanden habe. Aber jetzt fällt mir doch etwas von
Schiller ein!!! |
| Sie: |
Nein!!! |
| Er: |
Den Götz von Berchtesgaden, ich mein den Götz von
Berlichingen! |
| Sie: |
Ich bitt Sie, der war von Goethe! |
| Er: |
Nicht einmal der ist von Schiller? |
| Sie: |
Nein! Nein! Nein! |
| Er: |
Dann habe ich genug! |
| Sie: |
Sie haben genug? Ich habe genug! Sie Nilpferd,
Sie! |
| Er: |
War das im Spaß oder im Ernst? |
| Sie: |
Im Ernst!!! |
| Er: |
Da haben Sie Glück gehabt! Ich verstehe nämlich
keinen Spaß! Aber jetzt verreise ich! |
| Sie: |
Ach! Wohin denn? |
| Er: |
Jetzt fahr ich nach Weimar und kaufe mir den
Schreibtisch von Schaller, auf dem Schiller Maria
Stuart bearbeitet hat, weil die Jungfrau von Orleans
den Hut auf der Stange von Wilhelm Tell nicht gegrüßt
hat! |
Auf Wiedersehen!
|