Übersicht
Autor: Antoine de Saint-Exupéry
Als du geboren wurdest,
war ein regnerischer Tag.
Aber es war nicht wirklich Regen,
sondern der Himmel weinte,
weil er einen Stern verloren hatte.
Autor: Kurt Tucholsky
Alle stehn um dich herum:
Fotograf und Mutti
und ein Kasten, schwarz und stumm,
Felix, Tante Putti …
Sie wackeln mit dem Schlüsselbund,
fröhlich quietscht ein Gummihund.
„Baby, lach mal!“ ruft Mama.
„Guck“, ruft Tante, „eiala!“
Aber du, mein kleiner Mann,
siehst dir die Gesellschaft an…
Na, und dann – was meinste?
Weinste.
Später stehn um dich herum
Vaterland und Fahnen;
Kirche, Ministerium,
Welsche und Germanen.
Jeder stiert nur unverwandt
auf das eigne kleine Land.
Jeder kräht auf seinem Mist,
weiß genau, was Wahrheit ist.
Aber du, mein guter Mann,
siehst dir die Gesellschaft an…
Na, und dann - was machste?
Lachste.
Autorin: Inge Serwattka
In deinen Armen liegt ein Kind,
so klein, so warm und süß,
mit Augen, die vollkommen sind;
jeder Blick das Paradies.
Doch kleine Augen lernen sehen,
was du tust und wer du bist;
kleines Köpfchen wird verstehen,
was Wahrheit und was Lüge ist.
Kleine Hände lernen greifen,
erst nach dir, dann nach dem Leben,
die Gedanken werden reifen,
dir noch manches Rätsel geben.
Kleine Füße lernen gehen,
gehen durch die off´ne Tür;
halt sie nicht und du wirst sehen,
sie kommen gern zurück zu dir.
Kommt irgendwo ein Kind zur Welt,
ein Engel sich daneben stellt
und Tag für Tag und Nacht für Nacht
ein Leben lang es nun bewacht.
Lieber Gott, ich bin noch so klein
und kann so vieles nicht allein.
Drum laß Menschen sein auf Erden,
die mir helfen groß zu werden,
die mich schützen, die mich leiten,
die mich nähren, die mich kleiden;
die mich trösten, wennn ich weine.
Lieber Gott und noch das Eine,
wenn ich’s mal zu toll getrieben,
mach, dass sie mich trotzdem lieben.
Autorin:
Anita Menger
Fünf-Sterne-Hotel – exklusiv!
Behaglich warm und sehr bequem.
Neun Monate – All inklusiv,
so lebt es sich recht angenehm.
Doch jetzt hat man mich ausquartiert.
Die Wellnesswochen sind vorbei.
Ich bin noch etwas irritiert –
ist hier für mich ein Plätzchen frei?
Ich will auch ganz bescheiden sein,
doch Wärme brauch’ ich und viel Licht.
Lasst mich in euer Herz hinein
und habt mich lieb – mehr will ich nicht.
© Anita Menger –
meine-festtagsgedichte.de
Autor: Joseph von Eichendorff
Im Frühling auf grünem Hügel
da saßen viel Engelein,
die putzten sich ihre Flügel
und spielten im Sonnenschein.
Da kamen Störche gezogen
und jeder sich eines nahm
und ist damit fortgeflogen,
bis dass er zu Menschen kam.
Und wo er anklopft bescheiden,
der kluge Adebar,
da war das Haus voller Freuden –
so geht es noch alle Jahr.
Autorin: Monika Schmid-Meister
Ist es die Macht des Geldes
nach dem alle Menschen rennen
und keinen anderen Reichtum kennen?
Nein, für mich ist es,
das lernen zu versteh’n,
mit den Augen eines Kindes zu seh’n.
Das Lächeln und das Weinen
das ist Reichtum will mir scheinen.
Wenn es dir das Händchen hält,
es lieblich plappert und erzählt,
mit strahlenden Augen es dich ansieht,
du dich diesem Blick nicht kannst entzieh’n.
Später wenn es dir entgegen tappt
und das laufen endlich klappt,
dir in deine Arme jauchzend fällt,
das ist der grösste Reichtum dieser Welt.
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