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Geschichten zur Geburt eines Kindes
Liebe Eltern,
ich komme zu euch als ein kleines, unreifes Wesen mit
der mir ganz eigenen Persönlichkeit. Ich bin nur kurze
Zeit bei euch – genießt mich.
- Nehmt euch Zeit herauszufinden, wer ich bin, wie ich
mich von euch unterscheide und was ich euch geben kann.
- Bitte gebt mir Nahrung, wenn ich hungrig bin. In deinem
Bauch, Mama, habe ich keinen Hunger gekannt und Zeit und Uhren
sind mir noch fremd.
- Bitte haltet mich nah an eurem Körper, liebkost mich,
streichelt mich, küsst mich, erzählt mit mir. In deinem Bauch,
Mama, fühlte ich mich auch immer getragen und ganz nah bei dir.
Ich war da nie allein.
- Ich hoffe, ihr seid nicht zu enttäuscht, wenn ich nicht das
perfekte Baby eurer Träume und Hoffnungen bin. Seid auch nachsichtig
und großzügig mit euch selbst, wenn ihr nicht die perfekten Eltern
seid, die ihr so gerne wärt.
- Erwartet nicht zuviel von mir neugeborenem Baby, und erwartet
auch nicht zuviel von euch als Eltern. Gebt uns beiden sechs
Wochen - sozusagen als Geburtsgeschenk. Sechs Wochen für mich, dass
ich reifen kann, mich stabilisiere und meinen Rhythmus finde und sechs
Wochen für euch, wieder allmählich zu euch zu kommen und mich in euer
Leben zu integrieren.
- Bitte vergebt mir, wenn ich viel weine. Habt Geduld mit mir: Mit der
Zeit werde ich immer weniger weinen und euch mit meiner Gesellschaft
erfreuen.
- Achtet gut auf mich – schaut mir aufmerksam zu, denn ich kann
euch auch ohne Worte sagen, was ich brauche, wie ihr mich trösten könnt
und was mich zufrieden macht. Ich bin wirklich kein Tyrann, der zu euch
gekommen ist, um euch euer Leben zu vermiesen. Aber der einzige Weg, wie
ich euch momentan zu verstehen geben kann, dass mir etwas fehlt, ist
Weinen.
- Bitte denkt daran, dass ich ganz schön zäh und widerstandsfähig bin.
Ich kann schon viele Fehler aushalten, die ihr anfangs aufgrund eurer
Unerfahrenheit natürlicherweise machen werdet. Solange ihr mich lieb habt,
kann eigentlich gar nichts schief gehen.
- Bitte achtet auch auf euch. Seht zu, daß ihr euch ausgewogen ernährt
und genügend Ruhe und Bewegung bekommt, damit ihr euch in den Zeiten, in
denen wir zusammen sind, gesund und kräftig fühlt. Versucht, zwischen
„unwichtig“ und „wichtig“ zu unterscheiden, seht
die Dinge etwas gelassener – dann könnt ihr mich viel besser genießen.
- Und bitte hegt und pflegt auch eure Beziehung zueinander, weil diese
mein Nährboden ist und mir zeigt, wie man Menschen lieben kann.
Wenn ich auch momentan euer Leben ein bisschen durcheinander gebracht habe,
so denkt daran, daß dies nur vorübergehend ist.
Ich danke euch beiden.
Euer Kind
Es war einmal ein Kind, das bereit war geboren zu
werden.
Das Kind fragte Gott: „Sie sagen mir, dass du
mich morgen auf die Erde schicken wirst, aber wie soll
ich dort leben, wo ich doch so klein und hilflos
bin?“ Gott antwortete: „Von all den vielen
Engeln suche ich einen für dich aus. Dein Engel wird
auf dich warten und auf dich aufpassen.“
Das Kind erkundigte sich weiter: „Aber sag,
hier im Himmel brauche ich nichts zu tun, außer singen
und lachen, um fröhlich zu sein.“ Gott sagte:
„Dein Engel wird für dich singen und auch für
dich lachen, jeden Tag. Und du wirst die Liebe deines
Engels fühlen und sehr glücklich sein.“
Wieder fragte das Kind: „Und wie werde ich in
der Lage sein, die Leute zu verstehen, wenn sie zu mir
sprechen und ich die Sprache nicht kenne?“ Gott
sagte: „Dein Engel wird dir die schönsten und
süßesten Worte sagen, die du jemals hören wirst, und
mit viel Ruhe und Geduld wird dein Engel dich lehren zu
sprechen.“
„Und was werde ich tun, wenn ich mit dir reden
möchte?“ – Gott sagte: „Dein Engel
wird deine Hände aneinanderlegen und dich lehren zu
beten.“
„Ich habe gehört, dass es auf der Erde böse
Menschen gibt. Wer wird mich beschützen?“ Gott
sagte: „Dein Engel wird dich verteidigen, auch
wenn er dabei sein Leben riskiert.“
„Aber ich werde immer traurig sein, weil ich
dich niemals wiedersehe.“ Gott sagte: „Dein
Engel wird mit dir über mich sprechen und dir den Weg
zeigen, auf dem du immer wieder zu mir zurückkommen
kannst Dadurch werde ich immer in deiner Nähe
sein.“.
In diesem Moment herrschte viel Frieden im Himmel,
aber man konnte schon Stimmen von der Erde hören und
das Kind fragte schnell: „Gott, bevor ich dich
jetzt verlasse, bitte sage mir den Namen meines
Engels.“ – „Ihr Name ist nicht
wichtig. Du wirst Sie einfach 'Mama' nennen.“
Kleine Kinder brauchen eine große Hand, in die sie
ihre kleinen Hände legen können – dort finden sie
Geborgenheit und Halt. Aber vielleicht sind unsere
Hände auch wie die kleiner Kinder …?
Es sagte einmal die kleine Hand zur großen
Hand:
Du große Hand, ich brauche dich, weil ich bei dir
geborgen bin.
Ich spüre dich, wenn ich wach werde,
wenn ich Hunger habe und du mich fütterst,
wenn ich meine ersten Schritte versuche und du mich
hältst,
wenn ich zu dir kommen kann, weil ich Angst habe.
Ich bitte dich, bleib in meiner Nähe und halte
mich.
Und es sagte die große Hand zur kleinen Hand:
Du kleine Hand, ich brauche dich.
Das spüre ich, weil ich für dich sorgen darf,
weil ich mit dir spielen und lachen kann,
weil ich mit dir wunderbare Dinge entdecken kann,
weil ich deine Wärme fühle und dich lieb habe,
weil du ein Teil von mir bist.
Ich bitte dich, bleib in meiner Nähe und halte
mich.
Autor: Khalil Gibran
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens
nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch
nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure
Gedanken.
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht
ihren Seelen.
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr
nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren
Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein.
Aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es
im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende
Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der
Unendlichkeit, und er spannt euch mit seiner Macht,
damit seine Pfeile schnell und Weit fliegen.
Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude
gerichtet sein.
Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er
auch den Bogen, der fest ist.
nach einem Text von Henry
Nouwen
Im Bauch einer schwangeren Frau waren einmal
eineiige Zwillinge. Obwohl sie einander vollkommen
glichen, war ihre Einstellung sehr unterschiedlich: Der
eine war eher skeptisch eingestellt, der andere
gläubig. Oder vielleicht eher realistisch? Hört hin,
was sie so diskutieren:
Der kleine Skeptiker fragt:
Glaubst Du immer noch an ein Leben nach der Geburt?
Der kleine Gläubige:
Ja, klar, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu
gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach
der Geburt vorbereiten, damit wir dann stark genug sind
für das, was und erwartet.
Der kleine Skeptiker:
Blödsinn, das gibt's doch nicht. Wie soll denn das
überhaupt aussehen ein Leben nach der Geburt?
Der kleine Gläubige:
Das weiß ich auch nicht so genau. Aber es wird sicher
viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir
herumlaufen und mit dem Mund essen.
Der kleine Skeptiker:
So ein Quatsch! Herumlaufen, das geht doch gar nicht.
Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt
doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht
das gar nicht, dass es ein Leben nach der Geburt gibt,
weil die Nabelschnur schon jetzt viel zu kurz ist.
Der kleine Gläubige:
Doch, es geht bestimmt. Es wird eben alles nur ein
bisschen anders.
Der kleine Skeptiker:
Es ist noch nie einer zurückgekommen von nach der
Geburt. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das
Leben ist eine einzige Quälerei. Und dunkel.
Der kleine Gläubige:
Auch wenn ich nicht so genau weis, wie das Leben nach
der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere
Mutter sehen und sie wird für uns sorgen.
Der kleine Skeptiker:
Mutter?!? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn
bitte?
Der kleine Gläubige:
Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in
ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht
sein.
Der kleine Skeptiker:
Quatsch! Von einer Mutter habe ich ja noch nie was
gemerkt, also gibt es sie auch nicht.
Der kleine Gläubige:
Manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie
singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt
streichelt. Ich glaube auf jeden Fall, dass unser
eigentliches Leben erst dann beginnt!
Und so waren die letzten Tage im Schoss gefüllt mit
vielen Fragen und grosser Angst. Schliesslich kam die
Geburt.
Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten,
öffneten sie die Augen und schrien. Was sie da sahen,
übertraf ihre kühnsten Träume …!
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