JahreswechselGedichte, Geschichten und Märchen |
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InhaltsverzeichnisGedichte
GeschichtenMärchenGedichte zum Jahreswechsel365 Tage brachte uns das alte JahrAutor: unbekannt 365 Tage brachte uns das alte Jahr, Das Jahr geht umAutorin: Anette von Droste-Hülshoff (1797-1848) Das Jahr geht um, 's ist tiefe Nacht! Geschehen all, Wie reisst der Wind War nicht ein hohl Mein Lämpchen will Wohl in dem Kreis, Der tiefsten Angst Horch, welch Gesumm? Der Schwester zu SilvesterAutor: Theodor Fontane, (1819-1898) Habe ein heitres, fröhliches Herz Herr, setze dem Überfluss Grenzenein altes Stoßgebet, gesprochen 1883 Herr, setze dem Überfluss Grenzen Lasse die Leute kein falsches Geld machen, Nimm den Ehefrauen ihr letztes Wort Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit Bessere solche Beamte, Geschäfts- und
Arbeitsleute, Gib den Regierenden ein besseres Deutsch Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel
kommen. Ich will es diesmal anders halten …Autorin: Rita Lechenmayr Ich will es diesmal anders halten, Kein Jammern, nein, ich hab’ es satt, Packen wir die Dinge an Auf, auf, lasst euch nicht länger stoppen, Eines macht nun wirklich Sinn: © Rita Lechenmayr Im neuen Jahre Glück und HeilAutor: Johann Wolfgang von Goethe, (1749-1832) Im neuen Jahre Glück und Heil; Ist schon wieder JahresendeAutorin: Rita Lechenmayr Ist schon wieder Jahresende? Freud und Leid war dabei Auch das muß jetzt noch nicht belasten Ein bißchen innehalten, hier und jetzt Ich wünsche dir einen guten Rutsch zu gegebener Stunde © Rita Lechenmayr Jeder wünscht sich langes LebenAutor: Heinrich Zschokke (1771-1848) Jeder wünscht sich langes Leben, Lebten alle tausend Jahre, Wäre jedermann so reich, Ständen alle ohne Mängel Wären alle Mädchen schön, Jeder wünscht zum neün Jahr. Lasst uns froh das Jahr beschließenAutor: unbekannt Lasst uns froh das Jahr beschließen, Lasst uns froh ins Neue schauen, Lasst uns froh die Gläser heben Neujahr bei PastorsAutor: Ludwig Thoma, (1867-1921) Mama schöpft aus dem Punschgefäße, Ich weiß, dass ihr mit mir empfindet, Und dass ihr Gott von Herzen danket, Weil, was geschah, und was geschehen, In diesem Sinne meine Guten, Wir bitten Gott, dass er uns helfe SilvesterAutor: Joachim Ringelnatz, (1883-1934) Dass bald das neue Jahr beginnt, Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt SilvesterAutor: Kurt Tucholsky, (1890-1935) Was fange ich Silvester an? Wälz ich mich im Familienschoße? Mach ich ins Amüsiervergnügen? SilvesterAutor: Frank Wedekind, (1864-1918) Mein Fenster öffnet sich um Mitternacht, Ein neues Jahr, in dem mit blassem Neid Von Goldgier triefend und von Gaunerei, Den heil’gen Ernst der menschlichen
Geschicke Drum segne denn auch für das künft’ge
Jahr Warum schuf Gott den Erdball rund, warum Ich bin der Friede, meine Schellen läuten, So sang die Göttin. Aber Gott sei Dank, Dann wurden unterird’sche Stimmen laut: Ich aber denke: Eh ein Jahr vergeht, Die Glocken sind verhallt, verglommen sind SilvesternachtAutorin: Anita Menger Der Mond hält Hof in dieser Nacht, © Anita Menger – meine-festtagsgedichte.de SilvesternachtAutor: Ludwig Thoma, (1867-1921) Und nun, wenn alle Uhren schlagen, Zuerst ein Prosit in der Runde! Noch einen Blick dem alten Jahre, Wir fragen nicht: Was wird es bringen? Nicht schwächlich, was sie bringt, zu tragen, Wieder hat ein neues JahrAutor: Reneé Christian-Hildebrandt Wieder hat ein neues Jahr Freude gab es uns und Schmerz. Auch in Zukunft wollen wir, Will das Glück nach seinem SinnAutor: Wilhelm Busch (1832-1908) Will das Glück nach seinem Sinn Geschichten zum JahreswechselDas NeujahrsfestAutor: unbekannt Diese Geschichte spielt im alten Persien. Es war an der Zeit, das Neujahrsfest vorzubereiten. Der König wies seine Leute an: „Ich möchte, daß es ein wirklich königliches Fest wird. Die Gästeliste soll überquellen von illustren Persönlichkeiten. Die Tische sollen sich biegen unter Delikatessen, und der Wein soll nur aus erlesenen Trauben und besten Jahrgängen bestehen.“ Die Mitarbeiter schwärmten aus und brachten aus allen Landesteilen nur das Köstlichste. Aber der König war nicht zufriedenzustellen. „Im letzten Jahr habe ich ein durch nichts zu überbietendes Fest gegeben. Aber die ganze Stadt sprach nur von dem Fest bei Ramun, dem Maler. Da wurde getrunken und gelacht die ganze Nacht bis zum Nachmittag des nächsten Tages. Im Jahr davor war es dasselbe. Ebenso im Jahr davor und davor. Einmal muß es mir doch gelingen, diesen Wurm zu übertrumpfen, denn ich, ich bin der König.“ Einer der Mitarbeiter, ein kluger Mann, verneigte sich tief und fragte: „Mein König, habt Ihr je mit dem Maler gesprochen? Es muß doch einen Grund geben, warum die Leute sein Fest so lieben, obwohl sie in schäbiger Hütte ihre mitgebrachten Happen essen und den billigsten Wein trinken müssen.“ Der König nickte stumm und sagte: „Gut, schafft mir diesen Ramun heran.“ Und so geschah es. „Warum lieben die Menschen so dein Neujahrsfest?“ fragte der König. Worauf der Maler: „Wir sind Freunde und brauchen einander – aber mehr brauchen wir nicht. Deshalb sind wir reich.“ Märchen zum JahreswechselZwölf mit der PostAutor: Hans Christian Andersen (1805-1875) Es war eine schneidende Kälte, sternenheller Himmel, kein Lüftchen regte sich. ’Bums!’ Da wurde ein alter Topf an die Haustüre des Nachbars geworfen. ’Puff, paff!’ Dort knallte die Büchse; man begrüßte das neue Jahr. Es war Neujahrsnacht! Jetzt schlug die Turmuhr zwölf! ’Trateratra!’ Die Post kam angefahren. Der große Postwagen hielt vor dem Stadttore an. Er brachte zwölf Personen mit, alle Plätze waren besetzt. „Hurra! Hurra! Hoch!“ sangen die Leute in den Häusern der Stadt, wo die Neujahrsnacht gefeiert wurde und man sich beim zwölften Schlage mit dem gefüllten Glase erhob, um das neue Jahr leben zu lassen. „Prost Neujahr!“ hieß es, „ein schönes Weib! Viel Geld! Keinen Ärger und Verdruß!“ Das wünschte man sich gegenseitig, und darauf stieß man mit den Gläsern an, daß es klang und sang - und vor dem Stadttore hielt der Postwagen mit den fremden Gästen, den zwölf Reisenden. Und wer waren diese Fremden? Jeder von ihnen führte seinen Reisepaß und sein Gepäck bei sich; ja, sie brachten sogar Geschenke für mich und dich und alle Menschen des Städtchens mit. Wer waren sie, was wollten sie, und was brachten sie? „Guten Morgen!“ riefen sie der Schildwache am Eingange des Stadttores zu. „Guten Morgen!“ antwortete diese, denn die Uhr hatte ja zwölf geschlagen. „Ihr Name? Ihr Stand?“ fragte die Schildwache den von ihnen, der zuerst aus dem Wagen stieg. „Sehen Sie selbst im Passe nach“, antwortete der Mann. „Ich bin ich!“ Und es war auch ein ganzer Kerl, angetan mit Bärenpelz und Pelzstiefeln. „Ich bin der Mann, in den sehr viele Leute ihre Hoffnung setzen. Komm morgen zu mir; ich gebe dir ein Neujahrsgeschenk! Ich werfe Groschen und Taler unter die Leute, ja ich gebe auch Bälle, volle einunddreißig Bälle, mehr Nächte kann ich aber nicht daraufgehen lassen. Meine Schiffe sind eingefroren, aber in meinem Arbeitsraum ist es warm und gemütlich. Ich bin Kaufmann, heiße Januar und führe nur Rechnungen bei mir.“ Nun stieg der zweite aus, der war ein Bruder Lustig; er war Schauspieldirektor, Direktor der Maskenbälle und aller Vergnügungen, die man sich nur denken kann. Sein Gepäck bestand aus einer großen Tonne. „Aus der Tonne“, sagte er, „wollen wir zur Fastnachtszeit die Katze herausjagen. Ich werde euch schon Vergnügen bereiten und mir auch; alle Tage lustig! Ich habe nicht gerade lange zu leben; von der ganzen Familie die kürzeste Zeit; ich werde nämlich nur achtundzwanzig Tage alt. Bisweilen schalten sie mir zwar auch noch einen Tag ein – aber das kümmert mich wenig, hurra!“ „Sie dürfen nicht so schreien!“ sagte die Schildwache. „Ei was, freilich darf ich schreien“, rief der Mann, „ich bin Prinz Karneval und reise unter dem Namen Februarius.“ Jetzt stieg der dritte aus; er sah wie das leibhaftige Fasten aus, aber er trug die Nase hoch, denn er war verwandt mit den ’vierzig Rittern’ und war Wetterprophet. Allein das ist kein fettes Amt, und deshalb pries er auch das Fasten. In einem Knopfloche trug er auch ein Sträußchen Veilchen, auch diese waren sehr klein. „März! März!“ rief der vierte ihm nach und schlug ihn auf die Schulter; „riechst du nichts? Geschwind in die Wachstube hinein, dort trinken sie Punsch, deinen Leib- und Labetrunk; ich rieche es schon hier außen. Marsch, Herr Martius!“ Aber es war nicht wahr, der wollte ihn nur den Einfluß seines Namens fühlen lassen, ihn in den April schicken; denn damit begann der vierte seinen Lebenslauf in der Stadt. Er sah überhaupt sehr flott aus; arbeiten tat er nur sehr wenig; desto mehr aber machte er Feiertage. „Wenn es nur etwas beständiger in der Welt wäre“, sagte er; „aber bald ist man gut, bald schlecht gelaunt, je nach Verhältnissen; bald Regen, bald Sonnenschein; ein- und ausziehen! Ich bin auch so eine Art Wohnungsvermietunternehmer, ich kann lachen und weinen, je nach Umständen! Im Koffer hier habe ich Sommergarderobe, aber es würde sehr töricht sein, sie anzuziehen. Hier bin ich nun! Sonntags geh’ ich in Schuhen und weißseidenen Strümpfen und mit Muff spazieren.“ Nach ihm stieg eine Dame aus dem Wagen. Fräulein Mai nannte sie sich. Sie trug einen Sommermantel und Überschuhe, ein lindenblattartiges Kleid, Anemonen im Haare, und dazu duftete sie dermaßen nach Waldmeister, daß die Schildwache niesen mußte. „Zur Gesundheit und Gottes Segen!“ sagte sie, das war ihr Gruß. Wie sie niedlich war! Und Sängerin war sie, nicht Theatersängerin, auch nicht Bänkelsängerin, nein, Sängerin des Waldes; den frischen, grünen Wald durchstreifte sie und sang dort zu ihrem eigenen Vergnügen. „Jetzt kommt die junge Frau!“ riefen die drinnen im Wagen, und aus stieg die junge Frau, fein, stolz und niedlich. Man sah es ihr an, daß sie, Frau Juni, von faulen Siebenschläfern bedient zu werden gewohnt war. Am längsten Tage des Jahres gab sie große Gesellschaft, damit die Gäste Zeit haben möchten, die vielen Gerichte der Tafel zu verzehren. Sie hatte zwar ihren eigenen Wagen; allein sie reiste dennoch mit der Post wie die andern, weil sie zeigen wollte, dass sie nicht hochmütig sei. Aber ohne Begleitung war sie nicht; ihr jüngerer Bruder Julius war bei ihr. Er war ein wohlgenährter Bursche, sommerlich angekleidet und mit Panamahut. Er führte nur wenig Gepäck bei sich, weil dies bei großer Hitze zu beschwerlich sei; deshalb hatte er sich nur mit einer Schwimmhose versehen, und dies ist nicht viel. Darauf kam die Mutter selbst, Madame August, Obsthändlerin en gros, Besitzerin einer Menge Fischteiche, sie war dick und heiß, faßte selbst überall an, trug eigenhändig den Arbeitern Bier auf das Feld hinaus. „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen!“ sagte sie, „das steht in der Bibel. Hinterdrein kommen die Spazierfahrten, Tanz und Spiel und die Erntefeste!“ Sie war eine tüchtige Hausfrau. Nach ihr stieg wieder ein Mann aus der Kutsche, ein Maler, Herr Koloriermeister September; der mußte den Wald bekommen; die Blätter mußten Farbe wechseln, aber wie schön; wenn er es wollte, schillerte der Wald bald in Rot, Gelb oder Braun. Der Meister pfiff wie der schwarze Star, war ein flinker Arbeiter und wand die blaugrüne Hopfenranke um seinen Bierkrug. Das putzte den Krug, und für Ausputz hatte er gerade Sinn. Da stand er nun mit seinem Farbentopfe, der war sein ganzes Gepäck! Ihm folgte der Gutsbesitzer, der an den Saatmonat, an das Pflügen und Beackern des Bodens, auch an die Jagdvergnügungen dachte; Herr Oktober führte Hund und Büchse mit sich, hatte Nüsse in seiner Jagdtasche – ’knick, knack!’ Er hatte viel Reisegut bei sich, sogar einen englischen Pflug; er sprach von der Landwirtschaft; aber vor lauter Husten und Stöhnen seines Nachbars vernahm man nicht viel davon. - Der November war es, der so hustete, während er ausstieg. Er war sehr mit Schnupfen behaftet; er putzte sich fortwährend die Nase, und doch, sagte er, müsse er die Dienstmädchen begleiten und sie in ihre neuen Winterdienste einführen; die Erkältung, meinte er, verliere sich schon wieder, wenn er ans Holzmachen ginge, und Holz müsse er sägen und spalten; denn er sei Sägemeister der Holzmacherinnung. Endlich kam der letzte Reisende zum Vorschein, das alte Mütterchen Dezember mit der Feuerkiepe; die Alte fror, aber ihre Augen strahlten wie zwei helle Sterne. Sie trug einen Blumentopf auf dem Arme, in dem ein kleiner Tannenbaum eingepflanzt war. „Den Baum will ich hegen und pflegen, damit er gedeihe und groß werde bis zum Weihnachtsabend, vom Fußboden bis an die Decke reiche und emporschieße mit flammenden Lichtern, goldenen Äpfeln und ausgeschnittenen Figürchen. Die Feuerkiepe wärmt wie ein Ofen; ich hole das Märchenbuch aus der Tasche und lese laut aus ihm vor, daß alle Kinder im Zimmer still, die Figürchen an dem Baume aber lebendig werden und der kleine Engel von Wachs auf der äußersten Spitze die Flittergoldflügel ausbreitet, herabfliegt vom grünen Sitze und klein und groß im Zimmer küßt, ja, auch die armen Kinder küßt, die draußen auf dem Flure und auf der Straße stehen und das Weihnachtslied von dem Bethlehemsgestirne singen.“ „So! Jetzt kann die Kutsche abfahren“, sagte die Schildwache, „wir haben sie alle zwölf. Der Beiwagen mag vorfahren!“ „Laß doch erst die zwölf zu mir herein!“" sprach der Wachhabende, „einen nach dem andern! Die Pässe behalte ich hier; sie gelten jeder einen Monat; wenn der verstrichen ist, werde ich das Verhalten auf dem Passe bescheinigen. Herr Januar, belieben Sie näher zu treten.“ Und Herr Januar trat näher. Wenn ein Jahr verstrichen ist, werde ich dir sagen, was die zwölf uns allen gebracht haben. Jetzt weiß ich es noch nicht, und sie wissen es wohl selbst nicht - denn es ist eine seltsam unruhige Zeit, in der wir leben. |
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