Inhalt
Gedichte
Geschichten
Legenden
Lieder
Gedichte
In den Vorweihnachtstagen des Jahres 1822 schrieb
Clement Clarke Moore, Professor an der Columbia
Universität von New York, zum Entzücken seiner sechs
Kinder "A Visit from St. Nicholas." Das Gedicht
eroberte sich in Windeseile die Herzen aller
amerikanischen Kinder. Seine Beschreibung des Nikolaus
prägte die Weihnachtszeichnungen bis ins Jahr 1931.
1947 veröffentlichte Erich Kästner eine deutsche
Übersetzung
1947 übersetzt von Erich Kästner nach dem Gedicht
von
Clement Clarke Moore „A Visit from St.
Nicholas“
In der Nacht vor dem Christfest, da regte im
Haus
sich niemand und nichts, nicht mal eine Maus.
Die Strümpfe, die hingen paarweis am Kamin
und warteten drauf, daß Sankt Niklas erschien.
Die Kinder lagen gekuschelt im Bett
und träumten vom Apfel- und Nüsseballett.
Die Mutter schlief tief, und auch ich schlief
brav,
wie die Murmeltiere im Winterschlaf,
als draußen vorm Hause ein Lärm losbrach,
daß ich aufsprang und dachte: Siehst rasch einmal
nach!
Ich rannte zum Fenster, und fast noch im Lauf
stieß ich die knarrenden Läden auf.
Es hatte geschneit, und der Mondschein lag
so silbern auf allem, als sei’s heller Tag.
Acht winzige Rentierchen kamen gerannt,
vor einen ganz, ganz kleinen Schlitten gespannt!
Auf dem Bock saß ein Kutscher, so alt und so
klein,
daß ich wußte, das kann nur der Nikolaus sein!
Die Rentiere kamen daher wie der Wind,
und der Alte, der pfiff, und er rief: "Geschwind!
Renn, Renner! Tanz, Tänzer! Flieg, fliegende
Hitz’!
Hui, Sternschnupp’! Hui, Liebling! Hui, Donner
und Blitz!
Die Veranda hinauf, und die Hauswand hinan!
Immer fort mit euch! Fort mit euch! Hui, mein
Gespann!"
Wie das Laub, das der Herbststurm die Straßen lang
fegt
und, steht was im Weg, in den Himmel hoch trägt,
so trug es den Schlitten auf unser Haus
samt dem Spielzeug und samt dem Sankt Nikolaus!
Kaum war das geschehen, vernahm ich schon schwach
das Stampfen der zierlichen Hufe vom Dach.
Dann wollt’ ich die Fensterläden
zuzieh’n,
da plumpste der Nikolaus in den Kamin!
Sein Rock war aus Pelzwerk, vom Kopf bis zum Fuß.
Jetzt klebte er freilich voll Asche und Ruß.
Sein Bündel trug Nikolaus huckepack,
so wie die Hausierer bei uns ihren Sack.
Zwei Grübchen, wie lustig! Wie blitzte sein
Blick!
Die Bäckchen zartrosa, die Nas’ rot und
dick!
Der Bart war schneeweiß, und der drollige Mund
sah aus wie gemalt, so klein und halbrund.
Im Munde, da qualmte ein Pfeifenkopf,
und der Rauch, der umwand wie ein Kranz seinen
Schopf.
Ich lachte hell, wie er so vor mir stand,
ein rundlicher Zwerg aus dem Elfenland.
Er schaute mich an und schnitt ein Gesicht,
als wollte er sagen: "Nun, fürchte dich nicht!"
Das Spielzeug stopfte er, eifrig und stumm,
in die Strümpfe, war fertig, drehte sich um,
hob den Finger zur Nase, nickte mir zu,
kroch in den Kamin und war fort im Nu!
In den Schlitten sprang er und pfiff dem
Gespann,
da flogen sie schon über Tal und Tann.
Doch ich hört’ ihn noch rufen, von fern klang es
sacht:
"Frohe Weihnachten allen, und allen gut’
Nacht!"
Autor: Clement Clarke Moore
’Twas the night before Christmas’, when
all through the house,
not a creature was stirring, not even a mouse;
The stockings were hung by the chimney with care,
In hopes that St. Nicholas soon would be there;
The children were nestled all snug in their
beds,
While visions of sugar-plums danced in their
heads;
And mamma in her ’kerchief, and I in my
cap,
had just settled down for a long winter’s
nap,
When out on the lawn there arose such a clatter,
I sprang from the bed to see what was the matter.
Away to the window I flew like a flash,
tore open the shutters and threw up the sash.
The moon on the breast of the new-fallen snow
gave the luster of mid-day to objects below,
When, what to my wondering eyes should appear,
but a miniature sleigh, and eight tiny reindeer,
With a little old driver, so lively and quick,
I knew in a moment it must be St. Nick.
More rapid than eagles his coursers they came,
And he whistled, and shouted, and called them by
name:
"Now, DASHER! now, DANCER! now, PRANCER and
VIXEN!
On, COMET! on CUPID! on, DONDER and BLITZEN!
To the top of the porch! to the top of the wall!
Now dash away! dash away! dash away all!"
"As dry leaves that before the wild hurricane
fly,
When they meet with an obstacle, mount to the
sky,
so up to the house-top the coursers they flew,
With the sleigh full of toys, and St. Nicholas
too.
And then, in a twinkling, I heard on the roof
the prancing and pawing of each little hoof.
As I drew in my hand, and was turning around,
down the chimney St. Nicholas came with a bound.
He was dressed all in fur, from his head to his
foot,
and his clothes were all tarnished with ashes and
soot;
A bundle of toys he had flung on his back,
and he looked like a peddler just opening his pack.
His eyes -- how they twinkled! his dimples how
merry!
His cheeks were like roses, his nose like a
cherry!
His droll little mouth was drawn up like a bow,
and the beard of his chin was as white as the
snow;
The stump of a pipe he held tight in his teeth,
and the smoke it encircled his head like a wreath;
He had a broad face and a little round belly,
that shook, when he laughed like a bowl full of
jelly.
He was chubby and plump, a right jolly old elf,
and I laughed when I saw him, in spite of myself;
A wink of his eye and a twist of his head,
soon gave me to know I had nothing to dread;
He spoke not a word, but went straight to his
work,
and filled all the stockings; then turned with a
jerk,
Laying his finger aside of his nose,
And giving a nod, up the chimney he rose;
He sprang to his sleigh, to his team gave a
whistle,
and away they all flew like the down of a
thistle.
But I heard him exclaim, as he drove out of
sight,
"HAPPY CHRISTMAS TO ALL, AND TO ALL A GOOD-NIGHT."
Autorin: Claudia Richter
Im Wald stand einst ein Weihnachtsmann
und schaute sich die Bäume an.
Sein Bart war lang und weiß wie Schnee
er träumte von Wiesen und von Klee.
Man müßte einfach Urlaub machen,
dachte er und mußte lachen.
Er schnappte sich Sack und Kleiderpacken,
und fing an durch den Wald zu tappen.
Am ersten Bahnhof hielt er an
und stellte sich am Schalter an.
Eine Fahrkarte, das wollte er
in den Süden, und nicht mehr.
Doch wie sollte er bezahlen?
Wo Weihnachtsmänner doch kein Geld haben.
Da ging er erst zur nächsten Bank,
und pumpte die erst kräftig an.
Mit dem dicken Portemonaie
ging es dann in den Zug "Oh je"
Welch ein Geschieb' und ein Gedrück'
der Weihnachtsmann war viel zu dick.
Er quetschte sich in ein Abteil
und schlief dort erst mal selig ein.
der neue Morgen dämmerte schon,
da war er an der Endstation.
Im Süden war es heiß und schwül,
wie war's zu Hause so schön kühl.
Die Menschen konnt' er nicht versteh'n,
so eine Gegend hatte er auch noch nie geseh'n.
Kein Klee war dort und keine Wiesen,
nur Menschen die durch's Wasser schießen.
Es war ein Jubel und ein Trubel,
da ging er die Weihnachtsstimmung suchen.
Er irrte durch die lauten Gassen
und konnte es noch gar nicht fassen.
Von Weihnachtsstimmung keine Spur,
nur Discosound in einer Tour.
Da ging er in das Land hinaus,
die Gegend sah so trostlos aus.
Ausgedörrt von Sommerhitze,
kein Weihnachtsbaum mit schöner Spitze.
Doch was war das dort in der Ferne,
ein kleines Licht auf einem Berge.
Er nahm die Beine in die Hand,
und rannte übers flache Land.
Außer Atem kam er dann,
an einer kleinen Hütte an.
Ein kleines Mädchen, zart und fein,
ließ ihn in das Haus hinein.
Das Hüttchen das war ziemlich klein,
geteilt mit Hühner Hund und Schwein.
Doch in der Ecke, klitzeklein,
stand ein geschmücktes Bäumelein.
Mit dickem Mantel, oh wie schwer,
schwitzte der Nikolaus doch sehr.
Das Mädchen drehte sich gleich um,
und reichte Wasser zur Erfrischung.
Der Nikolaus, der schaute dann,
das kleine Mädchen lange an.
Ein Wesen das so zart und klein,
das darf doch nicht alleine sein.
Ich habe Hühner, Hund und Schwein,
mehr brauch ich nicht zum Glücklich sein.
Und immer in der Weihnachtszeit,
dürfen die mit in das Haus hinein.
Dort teilen wir uns Tisch und Bett,
mit einem Bäumlein in der Eck.
Gedenken in der ruhigen Stunde,
der großen weihnachtlichen Kunde.
Der Ort hier, der hat ganz gewiss,
die Stimmung die er so vermisst.
Das, was den meisten heute fehlt,
weil es nur um Geschenke geht.
Doch auch für einen Nikolaus,
da ist der Urlaub einmal aus.
Doch am Heilgen Abend dann,
klopfte er wieder an der Hütte an.
Er öffnete den großen Sack,
indem er seine Sachen hat.
Heraus, da kamen viele Sachen,
die dem Mädchen Freude machen.
Zusammen bauten sie sodann,
ein großes Haus gleich nebenan.
Mit Stall für Hühner und das Schwein,
und Hütte für das Hundilein.
Das Mädchen lachte und sie freute sich,
mit strahlenden Augen im Gesicht.
Doch Weihnachten, räumte sie ein,
soll alles so wie früher sein.
Mit Hühner und mit Hund und Schwein,
und dem geschmücktem Bäumelein.
Und jedes Jahr an Heilgen Abend,
kam Nikolaus mit seinen Gaben.
Und Urlaub? Da muß er heute lachen,
den Stress will er sich nichtmehr machen.
Er bleibt lieber in seinem Wald,
und sei’s auch noch so bitterkalt.
Autor: Gustav Sichelschmidt
Der Nikolaus, der Nikolaus, wo kommt der Nikolaus
her?
Aus Afrika, Amerika, vielleicht vom Roten Meer?
Er ist, weiß Gott, kein Dummerjahn, er kennt ein jedes
Kind,
und wenn er an die Türe pocht, dann mach ihm auf
geschwind!
Und öffnet er dann seinen Sack und schenkt dir dies und
das,
so ist das wohl, mein liebes Kind, für dich ein
Heidenspaß.
Und stürmt er dann zum Haus hinaus mit Prusten und
Gestöhn,
so ruf ihm schnell noch hinterdrein: „Hallo, ich
dank auch schön!“
Autor: Robert Reinick (* 22.02.1805
† 07.02.1852)
Bald kommt die liebe Weihnachtszeit,
vorauf die ganze Welt sich freut;
das Land, so weit man sehen kann,
sein Winterkleid hat angetan.
Schlaf überall; es hat die Nacht
die laute Welt zur Ruh gebracht -
kein Sternenlicht, kein grünes Reis,
der Himmel schwarz, die Erde weiß.
Da blinkt von fern ein heller Schein -
was mag das für ein Schimmer sein?
Weit übers Feld zieht es daher,
als ob’s ein Kranz von Lichtern wär’,
und näher rückt es hin zur Stadt,
obgleich verschneit ist jeder Pfad.
Ei seht, ei seht! Es kommt heran!
Oh, schauet doch den Aufzug an!
Zu Roß ein wunderlicher Mann
mit langem Bart und spitzem Hute,
in seinen Händen Sack und Rute.
Sein Gaul hat gar ein bunt Geschirr,
von Schellen dran ein blank Gewirr;
am Kopf des Gauls, statt Federzier,
ein Tannenbaum voll Lichter hier;
der Schnee erglänzt in ihrem Schein,
als wär’s ein Meer von Edelstein. -
Wer aber hält den Tannenzweig?
Ein Knabe, schön und wonnereich;
’s ist nicht ein Kind von unsrer Art,
hat Flügel an dem Rücken zart. -
Das kann fürwahr nichts andres sein,
als wie vom Himmel ein Engelein!
Nun sagt mir, Kinder, was bedeut’t
ein solcher Zug in solcher Zeit? -
Was das bedeut’t? Ei, seht doch an,
da frag ich grad beim Rechten an!
Ihr schelmischen Gesichterchen,
ich merk’s ihr kennt die Lichterchen,
kennt schon den Mann mit spitzem Hute,
kennt auch den Baum, den Sack, die Rute.
Der alte bärt’ge Ruprecht hier,
er pocht’ schon oft an eure Tür;
droht’ mit der Rute bösen Buben;
warf Nüss’ und Äpfel in die Stuben
für Kinder, die da gut gesinnt. -
Doch kennt ihr auch das Himmelskind?
Oft bracht’ es ohne euer Wissen,
wenn ihr noch schlieft in weichen Kissen,
den Weihnachtsbaum zu euch ins Haus,
putzt’ wunderherrlich ihn heraus;
Geschenke hing es bunt daran
und steckt’ die vielen Lichter an;
flog himmelwärts und schaute wieder
von dort auf euren Jubel nieder.
O Weihnachtszeit, du schöne Zeit,
so überreich an Lust und Freud’!
Hör doch der Kinder Wünsche an
und komme bald, recht bald heran,
und schick uns doch, wir bitten sehr,
mit vollem Sack den Ruprecht her.
Wir fürchten seine Rute nicht,
wir taten allzeit unsre Pflicht.
Drum schick uns auch den Engel gleich
mit seinem Baum, an Gaben reich.
O Weihnachtszeit, du schöne Zeit,
worauf die ganze Welt sich freut!
Autor: Martin Boelitz
(1874-1918)
Draussen weht es bitterkalt,
wer kommt da durch den Winterwald?
Stipp – stapp, stipp – stapp und huckepack
–
Knecht Ruprecht ist’s mit seinem Sack.
Was ist denn in dem Sack drin?
Äpfel, Mandeln und Rosin’
und schöne Zuckerrosen,
auch Pfeffernüss’ fürs gute Kind;
die andern, die nicht artig sind,
die klopft er auf die Hosen.
Autor: Theodor Storm (1817 -
1888)
| Ruprecht: |
Habt guten Abend, alt und jung,
Bin allen wohl bekannt genug.
Von draußen vom Walde komm ich her;
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen:
Und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor;
und wie ich so strolcht’ durch den finstern
Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es,
„alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alte und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn:
Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder Weihnachten werden!
So geh denn rasch von Haus zu Haus,
such mir die guten Kinder aus,
damit ich ihrer mag gedenken,
mit schönen Sachen sie mag beschenken.“
Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat.“
– „Hast denn das Säckelein auch bei
dir?“
Ich sprach: „Das Säckelein, das ist
hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.“
– „Hast denn die Rute auch bei
dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den
rechten.“
Christkindlein sprach: „So ist es
recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!“
Von draußen vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hier innen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?
|
| Vater: |
Die Kinder sind wohl alle gut,
haben nur mitunter was trotzigen Mut.
|
| Ruprecht: |
Ei, ei, für trotzigen Kindermut
ist meine lange Rute gut!
Heißt es bei euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?
|
| Vater: |
Wie einer sündigt, so wird er gestraft;
die Kinder sind schon alle brav.
|
| Ruprecht: |
Stecken sie die Nase auch tüchtig ins
Buch,
lesen und schreiben und rechnen genug?
|
| Vater: |
Sie lernen mit ihrer kleinen Kraft,
wir hoffen zu Gott, dass es endlich schafft.
|
| Ruprecht: |
Beten sie denn nach altem Brauch
im Bett ihr Abendsprüchlein auch?
|
| Vater: |
Neulich hört ich im Kämmerlein
eine kleine Stimme sprechen allein;
und als ich an die Tür getreten,
für alle Lieben hört ich sie beten.
|
| Ruprecht: |
So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuss;
probiert einmal von seinen Gaben,
morgen sollt ihr was Besseres haben.
Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.
Heut hält es noch am Himmel Wacht;
nun schlafet sanft, habt gute Nacht.
|
Volksgut
Knecht Ruprecht, du trägst huckepack
auf deinem Rücken einen Sack.
Sag, sind darin auch Pfefferkuchen?
Die möchte ich schrecklich gern versuchen!
Nikolaus, du guter Mann,
hast einen schönen Mantel an.
Die Knöpfe sind so blank geputzt,
dein weißer Bart ist gut gestutzt,
die Stiefel sind so spiegelblank,
die Zipfelmütze fein und lang,
die Augenbrauen sind so dicht,
so lieb und gut ist dein Gesicht.
Du kamst den weiten Weg von fern,
und deine Hände geben gern.
Du weißt, wie alle Kinder sind:
Ich glaub, ich war ein braves Kind.
Sonst wärst du ja nicht hier
und kämest nicht zu mir.
Du mußt dich sicher plagen,
den schweren Sack zu tragen.
Drum, lieber Nikolaus,
pack ihn doch einfach aus!
Volkstümlich
Nikolaus, sei unser Gast,
wenn du was im Sacke hast.
Hast du was, so lass dich nieder,
hast du nichts, so pack dich wieder!
Autorin: Paula Dehmel, *
31.10.1862, † 09.7.1918
St. Niklas zieht den Schlafrock aus,
klopft seine lange Pfeife aus
und sagt zur heiligen Kathrein:
„Öl’ mir die Wasserstiefel ein,
bitte, hol auch den Knotenstock
vom Boden und den Fuchspelzrock;
die Mütze lege obenauf,
und schütt’ dem Esel tüchtig auf,
halt auch sein Sattelzeug bereit!
Wir reisen, es ist Weihnachtszeit.
Und daß ich’s nicht vergess’, ein
Loch
ist vorn im Sack, das stopfe noch!
Ich geh derweil zu Gottes Sohn
und hol mir meine Instruktion.“
Die heil’ge Käthe, sanft und still,
tut alles, was St. Niklas will.
Der klopft indes beim Herrgott an;
St. Peter hat ihm aufgetan
und sagt: „Grüß Gott! Wie schaut’s denn
aus?“
und führt ihn ins himmlische Werkstättenhaus.
Da sitzen die Englein an langen Tischen,
ab und zu Feen dazwischen,
den den kleinsten zeigen, wie’s zu machen,
und weben und kleben die niedlichsten Sachen,
hämmern und häkeln, schnitzen und schneidern,
fälteln die Stoffe zu niedlichen Kleidern,
packen die Schachteln, binden sie zu
und haben so glühende Bächchen wie du!
Herr Jesus sitzt an seinem Pult
und schreibt mit Liebe und Geduld
eine lange Liste. Potz Element,
wieviel artige Kinder Herr Jesus kennt!
Die sollen die schönen Engelsgaben
zu Weihnachten haben.
Was fertig ist, wird eingepackt
und auf das Eselchen gepackt.
St. Niklas zieht sich recht warm an -
Kinder, er ist ein alter Mann,
und es fängt tüchtig an zu schnei’n,
da muß er schon vorsichtig sein!
So geht es durch die Wälder im Schritt,
manch Tannenbäumchen nimmt er mit,
und wo er wandert, bleibt im Schnee
manch Futterkörnchen für Hase und Reh.
Leise macht er die Türen auf,
jubelnd umdrängt ihn der kleine Hauf:
„St. Niklas, St. Niklas,was hast du
gebracht?
Was haben die Englein für uns gemacht?“
„Schön Ding! Gut Ding! Aus dem himmlischen
Haus!
Langt in den Sack! Holt euch was raus.“
Autorin: Paula Dehmel, *
31.10.1862, † 09.7.1918
Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
es riecht nach Weihnachtstorten,
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
und backt die feinsten Sorten.
Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
sonst nehmt den Operngucker:
Die große Himmelsbüchse, seht,
tut Ruprecht ganz voll Zucker.
Er streut – die Kuchen sind schon voll
–
er streut – na, das wird munter:
er schüttelt die Büchse und streut und streut
den ganzen Zucker runter.
Ihr Kinder sperrt die Mäulchen auf,
schnell! Zucker schneit es heute;
fangt auf, holt Schüsseln – ihr glaubt es
nicht?
– Ihr seid ungläubige Leute!
Geschichten
Verfasser unbekannt
Nicht nur wir Normalbürger haben mit der Polizei zu
tun.
Auch einem Nikolaus kann es passieren, dass er mit
einem ganz irdischen „Blauen“ in
Kontroversen kommt. So wartete am Montagabend, dem
berühmten 6. Dezember, ein Streifenbeamter der Polizei
an einem ganz gewöhnlichen kleinen Auto, das der Fahrer
völlig unvorschriftsmäßig und keck in ein deutlich
bezeichnetes Parkverbot gestellt hatte. Der Polizist, -
es war nicht gerade in der kritischen Innenstadt - war
eben am überlegen, ob er seinen Block mit vorgedruckten
Aufforderungen, sich auf dem Revier zu melden, ziehen
solle, aber da es so kalt war, ließ er die Hände lieber
in den Handschuhen. Unschlüssig stand er, ob er besser
weitergehen oder amtliche Kenntnis zu nehmen hätte.
In diese Überlegung hinein trat eine vermummte
Gestalt aus dem Hauseingang, schritt auf den Wagen zu
und erwies sich als der Fahrer des falsch geparkten
Fahrzeugs. Als Polizist kann man nun nicht mehr den
Ahnungslosen markieren, sondern ist zur Amtshandlung
gezwungen.
"Sie", sagte der Ordnungshüter, dem der Autofahrer
den Buckel hinstreckte, "Sie, haben sie nicht gesehen,
dass Sie im Parkverbot stehen?"
Der Fremde drehte sich um.
Wahrscheinlich haben dem Polizeibeamten, der ja auch
einmal ein Knabe war, in diesem Augenblick die
amtsblauen Hosenbeine geschlottert. Denn der Autofahrer
trug eine Kurre, einen mächtigen weißen Bart, eine Rute
in der Hand und sah ehrfurchtsvoll drein.
„… im Parkverbot stehen“,
monierte der Beamte nur noch schwach und hätte sich
eigentlich am liebsten unverzüglich auf seinen Rundgang
begeben.
„Stimmt!“ brummte der Nikolaus und ließ
lässig die Rute in den Fingern kreisen. „Das ist
ein Parkverbot. Aber Sie wissen, dass auch im
Parkverbot das Be- und Entladen des Fahrzeugs erlaubt
ist!“
„Allerdings“, stimmte der Polizist froh
ein.
„Und wie sie hier sehen“, fuhr der
Nikolaus fort und schwang einen leeren Sack,
„habe ich in diesem Haus einiges entladen. Dieser
Sack war einmal voll mit Äpfeln, Nüssen und anderen
Sachen. Oder wollten sie, dass ein Nikolaus von heute
einen Sack zu Fuß schleppen soll, wo jedes Bierfahrzeug
im Halteverbot halten darf?“
„Oh!“ lächelte der Polizeibeamte,
„das wollte ich keineswegs. Das geht in Ordnung.
Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest!“
Am liebsten hätte er noch „lieber
Nikolaus“ angefügt. Aber da genierte er sich. Ein
Polizeibeamter ist ja schließlich kein Knabe mehr.
Legenden
Nikolaus wurde zwischen 270 und 286 in Patara (heute
Türkei) als Sohn wohlhabender Eltern geboren. Er war sehr
fromm und liebte Jesus, aber auch die Menschen die in Not
waren. Seine Eltern hinerließen ihm ein großes Vermögen.
Damit finanzierte er seine theologischen Studien und half
Notleidende so gut er konnte. Dies wird auch in den
Legenden deutlich, die im Laufe der Zeit entstanden:
In der Stadt Myra herrschte große Not: Die ganze
Ernte war verdorben, weil es das Jahr über zuviel
geregnet hatte. Die Geschäfte waren ganz leer: Die
Bauern konnten kein Getreide ernten, die Müller kein
Mehl mahlen und die Bäcker kein Brot backen. Die Kinder
weinten vor Hunger. "Gott hat uns verlassen", klagten
die Einwohner. Bischof Nikolaus betete mit den Menschen
und tröstete sie. Er vertrautet auf Gott, der ihnen
bestimmt helfen würde.
Eines Tages traf im Hafen ein großes Schiff ein, das
Korn geladen hatte. Die Menschen wollten den Matrosen
etwas Getreide abkaufen und waren sogar bereit, viel
Geld dafür zu bezahlen. Doch die Ladung war für den
Kaiser in Byzanz bestimmt. Die Seeleute hatten Angst,
bestraft zu werden, wenn etwas von dem Korn fehlen
würde. Auch als die Menschen um ein wenig Getreide
bettelten, waren die Seeleute nicht bereit, von dem
Korn etwas abzugeben.
Als Bischof Nikolaus das hörte, ging er selbst zu
den Seeleuten und sprach: „Helft doch bitte den
armen Menschen. Ihr braucht keine Angst zu haben. Bei
eurer Ankunft beim Kaiser wird kein Korn fehlen.“
Die Matrosen hörten schließlich auf Nikolaus und
schenkten den Einwohnern von Myra viele Säcke Getreide.
Bischof Nikolaus sorgte dafür, dass alles gerecht
verteilt und jeder satt wurde. Das Getreide reichte für
volle zwei Jahre und konnte sogar noch für die Aussaat
verwendet werden.
Als die Seeleute später beim Kaiser ankommen,
stellen sie verwundert fest, dass das Gewicht der
Ladung sich trotz der entnommenen Menge nicht verändert
hat. Nicht ein einziges Korn aus ihrer Ladung fehlte.
Bischof Nikolaus hatte sie nicht belogen.
Lieder
Autor: Karl Enslin (1814-1875),
Melodie, nach
einer Volksweise
Kling, Glöckchen, klingelingeling!
Kling, Glöckchen, kling!
Lasst mich ein, ihr Kinder!
Ist so kalt der Winter!
Öffnet mir die Türen!
Lasst mich nicht erfrieren!
Kling, Glöckchen, klingelingeling!
Kling, Glöckchen, kling!
Kling, Glöckchen, klingelingeling!
Kling, Glöckchen, kling!
Mädchen, hört, und Bübchen,
macht mir auf das Stübchen!
Bring euch viele Gaben,
sollt euch dran erlaben!
Kling, Glöckchen, klingelingeling!
Kling, Glöckchen, kling!
Kling, Glöckchen, klingelingeling!
Kling, Glöckchen, kling!
Hell erglühen die Kerzen,
öffnet mir die Herzen,
will drin wohnen fröhlich,
frommes Kind, wie selig!
Kling, Glöckchen, klingelingeling!
Kling, Glöckchen, kling!
Text und Melodie:
Volksgut
Lasst uns froh und munter sein
und uns recht von Herzen freu’n!
Lustig, lustig, traleralera!
Bald ist Nik’lausabend da,
bald ist Nik’lausabend da!
Dann stell’ ich den Teller auf,
Nik’laus legt gewiss was drauf.
Lustig, lustig, traleralera!
Bald ist Nik’lausabend da,
bald ist Nik’lausabend da!
Wenn ich schlaf’, dann träume ich:
Jetzt bringt Nik’laus was für mich.
Lustig, lustig, traleralera!
Bald ist Nik’lausabend da,
bald ist Nik’lausabend da!
Wenn ich aufgestanden bin,
lauf’ ich schnell zum Teller hin.
Lustig, lustig, traleralera!
Bald ist Nik’lausabend da,
bald ist Nik’lausabend da!
Nik’laus ist ein guter Mann,
dem man nicht genug danken kann.
Lustig, lustig, traleralera!
Bald ist Nik’lausabend da,
bald ist Nik’lausabend da!
|