Die Rechnung, Geschichte – Festgestaltung

Die Rechnung

Autor: Peter Graf v. Eysselsberg

Eines Abends, als die Mutter gerade das Abendessen kochte, kam der elfjährige Sohn in die Küche mit einem Zettel in der Hand. Er überreichte den Zettel mit einem seltsamen, amtlich anmutenden Gesichtsausdruck seiner Mutter, die sich daraufhin die Hände in der Schürze abwischte, den Zettel entgegennahm und zu lesen begann:

Für das Jäten des Blumenbeetes: 2,00 €
Für das Aufräumen meines Zimmers: 8,00 €
Weil ich Milch holen gegangen bin: 1,00 €
Weil ich drei Nachmittage auf meine kleine Schwester aufgepasst habe: 12,00 €
Weil ich zwei Einser bekommen habe: 8,00 €
Weil ich jeden Tag den Müll raus bringe: 3,00 €
Insgesamt: 34,00 €

Die Mutter blickte sanft ihren Sohn an. Es kamen ihr unzählige Erinnerungen ins Gedächtnis. Dann nahm sie einen Stift, und begann auf einen anderen Zettel zu schreiben:

Für neun Monate lang unter meinem Herzen tragen: 0.00 €
Für alle durchwachten Nächte, die ich an deinem Krankenbett verbrachte: 0.00 €
Für das viele Im-Arm-halten und Trösten: 0.00 €
Für das Auftrocknen deiner Tränen: 0.00 €
Für alles, was ich dir Tag für Tag beigebracht habe: 0.00 €
Für jedes Frühstück, Mittagessen, Brotzeit und alles, was ich dir zubereitet habe: 0.00 €
Für mein Leben, was ich dir jeden Tag gebe: 0.00 €
Insgesamt: 0,00 €

Als sie fertig war, gab die Mutter mit einem Lächeln den Zettel ihrem Sohn in die Hand. Das Kind las es, und zwei große Tränen liefen aus seinen Augen. Dann drückte er den Zettel an sein Herz, und schrieb im Anschluss auf seine eigene Rechnung: BEZAHLT!

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