Loggo Tafeldeko


Ostern

Gedichte und Geschichten zum Osterfest für jung und alt,
mal besinnlich und mal heiter

Loggo Festgestaltung

Inhalt

Gedichte

Geschichten

Gedichte zu Ostern

Auf ein Ei geschrieben

Autor: Eduard Mörike (1804 - 1875)

Ostern ist zwar schon vorbei,
also dies kein Osterei;
doch wer sagt, es sei kein Segen,
wenn im Mai die Hasen legen?
Aus der Pfanne, aus dem Schmalz
schmeckt ein Eilein jedenfalls,
und kurzum, mich tät's gaudieren,
dir dies Ei zu präsentieren,
und zugleich tät es mich kitzeln.
dir ein Rätsel drauf zu kritzeln.

Die Sophisten und die Pfaffen
stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen?
Wohl die Henne? Wohl das Ei?

Wäre das so schwer zu losen?
Erstlich ward ein Ei erdacht:
Doch weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hat's der Has gebracht.

Bitte an den Osterhasen

Autorin: Anita Menger

Häschen hoppel nicht vorbei,
bring’ auch mir ein Schoko-Ei.
Schoko-Eier mag ich sehr,
hätte davon gern noch mehr.
Legst’ noch einen Has’ ins Nest –
wird’s ein tolles Osterfest.

© Anita Menger – meine-festtagsgedichte.de

Das Osterei

Autor: Hoffmann von Fallersleben (1798 - 1874)

Hei, juchhei! Kommt herbei!
Suchen wir das Osterei!
Immerfort, hier und dort
und an jedem Ort!

Ist es noch so gut versteckt,
endlich wird es doch entdeckt.
Hier ein Ei!
Dort ein Ei!

Bald sind's zwei und drei! Wer nicht blind,
der gewinnt einen schönen Fund geschwind.
Eier blau, rot und grau
kommen bald zur Schau.

Und ich sag' s, es bleibt dabei,
gern such ich ein Osterei.
Zu gering ist kein Ding,
selbst kein Pfifferling.

Der erste Ostertag

Autor: Heinrich Hoffmann (1809 - 1894)
(bekannt durch den Struwwelpeter)

Fünf Hasen, die saßen
beisammen dicht,
Es macht ein jeder,
ein traurig Gesicht.

Sie jammern und weinen:
Die Sonn' will nicht scheinen!
Bei so vielem Regen
wie kann man da legen
den Kindern das Ei?
O weih, o weih!

Da sagte der König:
So schweigt doch ein wenig!
Laßt Weinen und Sorgen.
Wir legen sie morgen!

Der Osterhase hat viel zu tun

Der Osterhase hat viel zu tun,
zu Ostern darf er niemals ruhn.
Er malt die Eier schön bunt an,
daß jedes Kind sich freuen kann.
Dann muß er sie noch gut verstecken,
in den Büschen,hinter Hecken.
Die Kinder haben sehr viel Spaß,
beim Eiersuchen im grünen Gras.

Die Lerche stieg am Ostermorgen

Die Lerche stieg am Ostermorgen
empor ins klarste Luftgebiet
und schmettert, hoch im Blau verborgen,
ein freudig Auferstehungslied.
Und wie sie schmetterte, da klangen
es tausend Stimmen nach im Feld:
Wach auf, das Alte ist vergangen,
wach auf, du frohverjüngte Welt!

Wacht auf und rauscht durchs Tal, ihr Brunnen,
und lobt den Herrn mit frohem Schall!
Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen,
ihr grünen Halm und Läuber all!
Ihr Veilchen in den Waldesgründen,
Ihr Primeln weiß, ihr Blüten rot,
Ihr sollt es alle mitverkünden:
Die Lieb' ist stärker als der Tod.

Ein kleines Häschen hoppelt munter

Ein kleines Häschen hoppelt munter
den Wiesenweg ins Tal hinunter.
Den Schnauzbart hat es keck gestriegelt
und auch die Ohren aufgebügelt.
Die Augen leuchten voller Wonne,
das Hasenfell glänzt in der Sonne.
Fröhlich grüßt es seinen Vetter:
Na, ist das ein Frühlingswetter?
und lachend meint es zu der Maus:
Komm doch aus deiner Höhle raus!
Die Weidenkätzchen blicken dumm
sich nach dem munter`n Häschen um,
wie´s über Stock und Stein da fegt
und hundert Purzelbäume schlägt.
He! Staunt der Maulwurf. Was ist los?
Warum strahlst du denn heute bloß?
Und auch das erste Osterglöckchen
winkt ihm mit dem gelben Röckchen:
Ach Häschen, halt doch einmal an,
Damit ich dich was fragen kann!
Da bleibt der Hase endlich stehen.
Ja, Freunde, könnt ihr es denn nicht sehen?
Das Eis ist weg, der Schnee ist fort,
die Vögel zwitschern hier und dort
Ostern ist es, Ostern, Leute!
Das Osterfest beginnt doch heute!

Ist’s an Ostern lau und warm

Ist’s an Ostern lau und warm,
frisst dich die Verwandtschaft arm
Ist’s an Osten warm und heiter
geht die Fresserei gleich weiter
Drum liebe Hausfrau hör die Moral von der Geschicht:
Vergiss beim Einkauf Schappi nicht.
Denn im Falle eines Falles
frisst die Verwandtschaft einfach alles

Ja die liebe Osterzeit

Ja, ja, die liebe Osterzeit
ist für uns Hasen weit und breit
die schwerste Zeit im ganzen Jahr,
denn brave Kinder, das ist klar,
bekommen viele bunte Eier
geschenkt zur Auferstehungsfeier.

Da heißt es Tag für Tag sich plagen,
die schweren Eierkörbe tragen,
dann wochenlang den Pinsel führen
und immer wieder Farbe rühren,
die schönsten Muster daraus machen
und dabei kein Ei zerkrachen!

Ja die runden Eier malen
mit ihren dünnen, zarten Schalen,
die blauen, gelben, grünen, roten
ist schwer auch für geschickte Pfoten.

Doch soll uns keine Müh' verdrießen,
weil wir viele liebe Kinder wissen,
die fleißig rechnen, schreiben, lesen
und meistens sind - auch brav gewesen.

Den Kindern bringen wir vielleicht
ein Häslein, das uns selber gleicht;
das ist so lieb, ja lieb zum Fressen! -
Drum wird's nach Ostern aufgegessen.

Krümelhase

Autorin: Anita Menger

Opa Hase, Mama Hase,
selbst der kleine Krümelhase,
malen bunt die Eier an.
Papa Hase schaut derweil,
hier und dort in aller Eil’,
wo man sie verstecken kann.

Ostersonntag in der Frühe,
Krümelhase gibt sich Mühe,
Eier sind bald gut versteckt.
Unter diesem großen Busch
und schnell weiter – husch, husch, husch,
dass man ihn nur nicht entdeckt.

Hinter Hecken unter Buchen
Kinder ihre Nester suchen.
Krümelhas’ die Ohren spitzt.
Frohes Lachen und Geschrei
„Hier ist noch ein Osterei!“ –
Krümelhäschen lacht verschmitzt.

© Anita Menger – meine-festtagsgedichte.de

Ostereier

Autorin: Anita Menger

Ostereier schmecken besser –
klar, das weiß doch jedes Kind.
Sie sind ganz besonders lecker,
weil sie so schön farbig sind.

Was das Huhn nicht will begreifen,
weiß schon längst der Osterhas’ –
färbt das Ei, malt Punkte, Streifen
und versteckt es dann im Gras.

Ostersonntag in der Frühe
kommt er auch bei dir vorbei,
gibst du dir dann etwas Mühe –
findest du dein Osterei.

© Anita Menger – meine-festtagsgedichte.de

Ostergedicht

Autor: Fridolin Wasserburg

Wenn die Hasen
nicht mehr grasen,
denn wer mag schon grüne Eier?
Und statt dessen
ganz besessen
Weinbrand trinken und Liköre,
wenn der Krokus
einfach raus muß,
dass die Biene ihn betöre,
und die Sonne
strahlt mit Wonne,
dann naht bald die Osterfeier!

Mit freundlicher Genehmigung
© rws rainer werle software

Ostergruß

Autor: Horst Winkler

Wenn ständig aufgescheuchte Hennen
Recht kopflos durch die Gegend rennen
Und hinter jedem grünen Zweig
Sich ein verkitschter Hase zeigt
Wenn man bei jedem falschen Schritt
In etwas Buntgefärbtes tritt
Dann ist sie wohl nicht mehr sehr weit
Die österliche Eierzeit

© Horst Winkler, VerseSchmiede

Osterhäschen dort im Grase

Osterhäschen dort im Grase
Wackelschwänzchen, Schnuppernase.
Mit den langen braunen Ohren
hat ein Osterei verloren.
Zwischen Blumen seh ich´s liegen
Osterhäschen kann ich´s kriegen?

Wer schnüffelt denn da wieder mal am Gras?
Es ist der liebe alte Osterhas`
Er kanns nicht lassen und mit Treue
bemalt er jedes Jahr aufs neue
seine Eier bunt in allen Farben,
denn ein jeder will sie haben.

Osterhäschen groß und klein

Osterhäschen, groß und klein,
tummeln sich am Wiesenrain,
müssen tanzen, hopsen, lachen
und mitunter Männchen machen.
Heute wollen wir noch springen
und den Kindern Eier bringen:
rote, gelbe, braune, graue,
bunte, grüne, himmelblaue.
Keiner kriegt was, der uns sieht:
Das ist unser Hasenlied.

Osterhäschen, lass dir sagen

Volksgut

Osterhäslein, lass dir sagen,
bau ein Nestchen klein und fein
hier im Garten bei der Hecke,
leg uns Eier doch hinein.
Wollen dir zu fressen geben
gelbe Rübchen, Gras und Kraut.
Ach, vergiss nicht unser Nestchen,
dass wir’s nicht umsonst gebaut!

Osterlied

Autorin: Paula Dehmel * 31.10.1862, † 09.07.1918

Has, Has, Osterhas,
Wir möchten nicht mehr warten!
Der Krokus und das Tausendschön,
Vergißmeinnicht und Tulpe stehn
Schon lang in unserm Garten.

Has, Has, Osterhas
Mit deinen bunten Eiern!
Der Star lugt aus dem Kasten aus,
Blühkätzchen sitzen um sein Haus;
Wann kommst du Frühling feiern?

Has, Has, Osterhas,
Ich wünsche mir das beste!
Ein großes Ei, ein kleines Ei
Und ein lustiges Dideldumdei,
Alles in einem Neste!

Ostern

Autor: Ferdinand von Saar * 30.09.1833; † 24.07.1906

Ja, der Winter ging zur Neige,
holder Frühling kommt herbei,
Lieblich schwanken Birkenzweige,
und es glänzt das rote Ei.

Schimmernd wehn die Kirchenfahnen
bei der Glocken Feierklang,
und auf oft betretnen Bahnen
nimmt der Umzug seinen Gang.

Nach dem dumpfen Grabchorale
tönt das Auferstehungslied,
und empor im Himmelsstrahle schwebt er,
der am Kreuz verschied.

So zum schönsten der Symbole
wird das frohe Osterfest,
dass der Mensch sich Glauben hole,
wenn ihn Mut und Kraft verläßt.

Jedes Herz, das Leid getroffen,
fühlt von Anfang sich durchweht,
dass sein Sehnen und sein Hoffen
immer wieder aufersteht.

Wie kam der Hase an das Ei?

Autorin: Anita Menger

Die Frage stellt sich nebenbei:
„Wie kam der Hase an das Ei?“
Gelegt hat er es sicher nicht –
auch einiges dagegen spricht,
dass er mit Hühnern hat ’nen Deal.
Doch wie passt dann der Has’ ins Spiel?

Ein Götterbote – liest man dann
war früher er – fing’s damit an?
Dem Ei und ihm sei eins gemein –
ein Fruchtbarkeitssymbol zu sein.
Vor Jahren brachten Kuckuck, Hahn
und auch der Fuchs noch Eier an.

Der Has’ behielt die Oberhand –
ist nun bekannt in Stadt und Land.
Warum auch immer er erwählt –
das einzige was wirklich zählt
ist dass man eines nicht vergisst:
Dass Christus auferstanden ist.

© Anita Menger – meine-festtagsgedichte.de

Wir wünschen euch zum Osterfest

Wir wünschen euch zum Osterfest, dass ihr mit Freuden seht,
wie alles, weil’s der Himmel will, wahrhaftig aufersteht.
Das Dunkle weicht, das Kalte schmilzt, erstarrte Wasser fließen,
und duftend bricht die Erde auf, um wieder neu zu sprießen.
Wir alle müssen eines Tags von dieser Erde gehen.
Wir werden, wenn’s der Himmel will, wie Ostern auferstehen.

Geschichten

Das Schokoladenei

Ein Huhn wollte gerne zu Ostern Schokoladeneier legen können, damit es an dem Osterfest genauso wichtig ist wie der Osterhase. Es versuchte viele Pralinen und viel Schokolade zu fressen. Doch die Schokolade bekam dem Huhn nicht besonders und es musste Bauchschmerzen ertragen.

Nach einigen Monaten, genau zu Ostern gelang es dem Huhn ein Ei mit bräunlicher Schale zu legen, doch das war alles. Als das Huhn bemerkte mit welchen Mühen dieses Ei verbunden war und es trotzdem keine Aufmerksamkeit erfuhr, beschloss es, Huhn zu bleiben und der Osterhase sollte weiterhin die Schokoladeneier bringen.

Der Hase und der Igel

Ein Märchen, gesammelt von den Brüdern Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

Es war an einem Sonntagmorgen im Herbst, gerade als der Buchweizen blühte. Die Sonne war am Himmel aufgegangen, und der Wind strich warm über die Stoppeln, die Lerchen sangen hoch in der Luft, und die Bienen summten im Buchweizen. Die Leute gingen in ihrem Sonntagsstaat zur Kirche, und alle Geschöpfe waren vergnügt, auch der Igel.

Er stand vor seiner Tür, hatte die Arme verschränkt, er guckte in den Morgenwind hinaus und trällerte ein kleines Liedchen vor sich hin, so gut und so schlecht wie am Sonntagmorgen ein Igel eben zu singen pflegt. Während er nun so vor sich hinsang, fiel ihm plötzlich ein, er könnte doch, während seine Frau die Kinder wusch und ankleidete, ein bisschen im Feld spazieren gehen und nachsehen, wie die Steckrüben standen. Die Steckrüben waren ganz nah bei seinem Haus, und er pflegte sie mit seiner Familie zu essen, darum sah er sie auch als die seinigen an.

Gedacht, getan. Er schloss die Haustür hinter sich und schlug den Weg zum Feld ein. Er war noch nicht sehr weit und wollte gerade um den Schlehenbusch herum, der vor dem Feld stand, als er den Hasen erblickte, der in ähnlichen Geschäften ausgegangen war, nämlich um seinen Kohl zu besehen. Als der Igel den Hasen sah, wünschte er ihm freundlich einen guten Morgen. Der Hase aber, der auf seine Weise ein vornehmer Herr war und grausam hochfahrend noch dazu, antwortete gar nicht auf des Igels Gruß, sondern sagte mit höhnischer Miene: „Wie kommt es, dass du hier schon so am frühen Morgen im Feld herumläufst?“ - „Ich gehe spazieren“, sagte der Igel. - „Spazieren?“ lachte der Hase. „Du könntest deine Beine schon zu besseren Dingen gebrauchen.“

Diese Antwort verdross den Igel sehr. Alles kann er vertragen, aber auf seine Beine lässt er nichts kommen, gerade weil sie von Natur aus krumm sind. - „Du bildest dir wohl ein, du könntest mit deinen Beinen mehr ausrichten?“ sagte er. - „Das will ich meinen“, sagte der Hase. „Nun, das kommt auf einen Versuch an“, meinte der Igel. „Ich wette, wenn wir um die Wette laufen, ich laufe schneller als du.“ - „Du - mit deinen krummen Beinen?“ sagte der Hase. „Das ist ja zum Lachen. Aber wenn du so große Lust hast - was gilt die Wette?“ - „Einen Golddukaten und eine Flasche Wein“, sagte der Igel.

„Angenommen“, sagte der Hase, „schlag ein, und dann kann es gleich losgehen.“ „Nein, so große Eile hat es nicht“, meinte der Igel, „ich hab' noch gar nichts gegessen; erst will ich nach Hause gehen und ein bisschen was frühstücken. In einer Stunde bin ich wieder hier.“ Damit ging er, und der Hase war es zufrieden. Unterwegs aber dachte der Igel bei sich: „Der Hase verlässt sich auf seine langen Beine, aber ich will ihn schon kriegen. Er ist zwar ein vornehmer Herr, aber doch ein dummer Kerl, und das soll er bezahlen.“

Als er nun nach Hause kam, sagte er zu seiner Frau: „Frau, zieh dich rasch an, du musst mit mir ins Feld hinaus.“ „Was gibt es denn so dringendes?“ fragte die Frau. „Ich habe mit dem Hasen um einen Golddukaten und eine Flasche Wein gewettet, dass ich mit ihm um die Wette laufen will. Und da sollst du dabei sein.“ „O mein Gott, Mann“, begann die Frau loszuschreien, „hast du denn ganz den Verstand verloren? Wie willst du mit dem Hasen um die Wette laufen?“ „Halt den Mund, Frau“, sagte der Igel, „das ist meine Sache. Misch dich nicht in Männergeschäfte! Los, zieh dich an und komm mit!“ Was sollte also die Frau des Igels tun? Sie musste gehorchen, ob sie wollte oder nicht. Als sie miteinander unterwegs waren, sprach der Igel zu seiner Frau: „Nun pass auf, was ich dir sage. Dort auf dem langen Acker will ich unseren Wettlauf machen. Der Hase läuft in einer Furche, und ich in der anderen, und dort oben fangen wir an. Du hast nun weiter nichts zu tun, als dass du dich hier unten in die Furche stellst, und wenn der Hase in seiner Furche daherkommt, so rufst du ihm entgegen: „Ich bin schon da!“

So kamen sie zu dem Acker, der Igel wies seiner Frau ihren Platz an und ging den Acker hinauf. Als er oben ankam, war der Hase schon da. „Kann es losgehen?“ fragte er. „Jawohl“, erwiderte der Igel. „Dann los.“ Damit stellte sich jeder in seine Furche. Der Hase zählte: „Eins, zwei, drei“, und los ging er wie ein Sturmwind den Acker hinunter. Der Igel aber lief nur etwa drei Schritte, dann duckte er sich in die Furche hinein und blieb ruhig sitzen. Und als der Hase im vollen Lauf am Ziel unten am Acker ankam, rief ihm die Frau des Igels entgegen: „Ich bin schon da!“ Der Hase war nicht wenig erstaunt, glaubte er doch nichts anderes, als dass er den Igel selbst vor sich hatte. Bekanntlich sieht die Frau Igel genauso aus wie ihr Mann. „Das geht nicht mit rechten Dingen zu“, rief er. „Noch einmal gelaufen, in die andere Richtung!“ Und fort ging es wieder wie der Sturmwind, dass ihm die Ohren am Kopf flogen. Die Frau des Igels aber blieb ruhig an ihrem Platz sitzen, und als der Hase oben ankam, rief ihm der Herr Igel entgegen: „Ich bin schon da!“ Der Hase war ganz außer sich vor Ärger und schrie: „Noch einmal gelaufen, noch einmal herum!“

„Meinetwegen“, gab der Igel zurück. „Sooft du Lust hast.“ So lief der Hase dreiundneunzigmal, und der Igel hielt immer mit. Und jedes Mal, wenn der Hase oben oder unten am Ziel ankam, sagten der Igel oder seine Frau: „Ich bin schon da.“

Beim vierundneunzigsten Mal aber kam der Hase nicht mehr ans Ziel. Mitten auf dem Acker fiel er zu Boden. Er war viel zu erschöpft zum weiterlaufen. Der Igel aber nahm seinen gewonnenen Golddukaten und die Flasche Wein, holte seine Frau von ihrem Platz am Ende der Furche, und vergnügt gingen beide nach Hause. Der Hase aber hatte seine Lektion gelernt: Nie wieder unterschätzte er ein Tier, nur weil dieses ihm unterlegen schien.

Der Osterhase

nach Alexander Roda Roda, * 13.04.1872, † 20.08.1945

Es sprach einst der Hahn zum Hasen höflich doch ein wenig gereizt: „Sie sind ja wieder einmal unglaublich populär. Ich möchte endlich das Jahr erleben, wo nicht Millionen von Osterkarten mit ihrem Bild verschenkt werden.“

Dem Hasen traten Zornestränen in die Augen. Er antwortete: „Ich danke für diese Popularität. Ja, ich pfeife auf die Popularität. Wie stehe ich da vor den anderen Waldbewohnern, mit einem Nest voll bunter Ostereier? Du Hahn, ich bin nur ein bescheidener Feld- und Waldbewohner und beliebt bei vielen Tieren. Doch ich habe meine Mission in der Natur und zwar die Fortpflanzung meiner Art. Da erfindet irgendein Mensch, das Märchen vom Osterhasen, Sie wissen doch, daß daran kein Wort wahr ist. Doch mein Ansehen ist dahin und ich bin für ewig lächerlich gemacht. Mein Leben wird nicht ernst genommen, sondern jeder bringt in Verbindung mit meinem Namen, das Märchen mit dem Osterhasen und dem buntem Osterei.“

Doch der Hahn sagte: „Was wollen Sie? Die Menschen sind nun einmal oberflächlich. Die Sarah ist nicht durch ihre Kunst berühmt geworden, sondern durch ihre Magerkeit und wird heute noch als Urbild der Magerkeit verstanden. Gorbatschow ist ein Schnaps und kein russischer Staatsmann, oder Henry Clay ist eine Zigarre. Durch das Ei ist Kolumbus berühmter als durch seine Entdeckungen. Denken Sie daran, lieber Hase, es hat was Gutes, mißverstanden oder beschimpft zu sein, denn es ist besser, als vergessen zu werden“.

Mit eigenen Augen

Als Stefan aufwachte, mußte er blinzeln, weil bereits hell und freundlich die Sonne in sein Zimmer schien. Er stand auf und ging ans Fenster. Bunte Krokusse und Osterglocken blühten im Garten, und bald würden die Weiden ihre Blüten öffnen. Die Vögel zwitscherten, und während ihres Morgenkonzerts trällerte eine Meise ihm zu „Ich bin hier“, und eine Amsel flötete „Du bist da.“ Stefan preßte seine Nase an die Scheibe. Sie beschlug zwar nicht, aber trotzdem fühlte sie sich ganz schön kühl an.

Er sah, wie Bello um die Ecke bog, nein: schlenderte, den Schwanz hoch in der Luft, die Nase am Boden. Plötzlich stutzte er, spitzte seine Dackelohren, so gut es ging, und pirschte sich vorsichtig an die mächtige Tanne heran, die am Nachmittag ihren Schatten bis in Stefans Zimmer werfen würde. Seinerzeit war Bello ein gefürchteter Jäger gewesen, aber naja … Das war lange her. Laut bellend stürzte er sich auf die Tanne. Etwas Braunes, Behaartes schoß unter den dichten Zweigen hervor, schlug einen blitzschnellen Haken und war auch schon verschwunden. Ein Hase. Stefan sah ihn ganz deutlich. „Der Osterhase“, dachte er und war auf einmal ganz aufgeregt.

Verdutzt ob seines schnellen Sieges schüttelte Bello sich, kläffte noch einmal lustlos und neigte den Kopf zur Seite, als er die Stimme seines Herrn hörte. Stefans Großvater rief: „Bello!“ Bello ignorierte den Befehl hochmütig, trottete zu seinem Lieblingsbusch, umrundete ihn, so daß er nicht mehr zu sehen war – außer für Stefan, der ja am Fenster stand – und hob das Bein, was ihm an dieser Stelle absolut verboten war. Nach getaner Verrichtung machte er kehrt, und gerade in dem Augenblick, als sein Herrchen zum zweiten Mal Bello!“ rief, stand er vor ihm, als ob nichts gewesen wäre, mit treuem Hundeblick und zaghaft mit dem Schwanz wedelnd. „Brav“, sagte Stefans Großvater und beugte sich in die Knie, um dem Dackel über den Kopf zu streicheln.

Stefan wandte sich vom Fenster ab. Er bekam nicht mit, wie der alte Mann über den Rasen ging und sich an der Tanne zu schaffen machte. Umso verwunderlicher war er, als Stefan später, beim Ostereiersuchen, gar nicht lange brauchte, bis er sein Nest fand. Zielstrebig ging er zu dem Baum und sah unter den dichten Zweigen nach. Verlegen kratzte sein Großvater sich am Ohr, als Stefan ihm stolz das Nest mit den bunten Eiern präsentierte. „Im nächsten Jahr muß ich mir etwas Besseres einfallen lassen“, dachte er. Aber Stefan dachte nur daran, daß dort der Osterhase gesessen hatte, bis Bello ihn aufscheuchte. Er hatte ihn schließlich mit eigenen Augen gesehen.

Warum die Ostereier bunt sind

Vor langer, langer Zeit gab es noch keine bunten Ostereier. Sie waren so weiß, wie die Hühner sie gelegt hatten. Die Osterhasen kochten sie ab und versteckten sie in der Osternacht in den Garten und auf den Wiesen. Aber da passierte es einmal, dass es in der Osternacht schneite. Es schneite und schneite und wollte gar nicht mehr aufhören. Als die Kinder am Ostermorgen aus dem Fenster sahen, war alles weiß. Und als sie draußen überall nach den Ostereiern suchten und suchten, sie fanden kein Einziges. Wie sollten sie auch im Schnee weiße Eier entdecken? Mit rot gefrorenen Nasen und kalten Füßen kamen die Kinder zurück. Sie waren sehr enttäuscht und sehr traurig.

Ein kleiner Hase saß am Wegrand und dachte: „Wir sollten die Eier bunt färben, damit man sie auch im Schnee finden kann!“ Er lief nach Hause und berichtete von seinem Einfall. „Das ist eine gute Idee!“, sagte der Hase Kaspar, der ein begeisteter Landschaftsmaler war. Und er malte gleich ein paar Mustereier. Die Hasenkinder wollten auch Pinsel und Farben haben. Sie übten und übten. Als es Sommer war, stöhnte die Hasenmutter: „Ich kann keine Rühreier und Pfannkuchen mehr sehen! Und die Backen tun mir schon weh vom Eierausblasen.“ Denn selbstverständlich übten die Hasen an ausgeblasenen Eiern.

Die schönsten hängten sie an die Bäume. Dort schaukelten sie lustig im Wind. Alle, die vorbeikamen und es sahen, freuten sich daran. Noch heute findet man in manchen Gegenden solche bunt geschmückten Osterbäume. Die Hasenkinder aber konnten es gar nicht erwarten, bis endlich wieder Ostern war und sie ihre Kunst an echten Eiern ausprobieren konnten. Seitdem gibt es bunte Ostereier! Uns seitdem finden die Kinder alle Ostereier. Auch wenn es mal an Ostern geschneit hat.


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Seite zuletzt geändert: 26.02.2011