Gedichte zu Karfreitag, Passionsgedichte

Gedichte zum Thema Leidensweg Jesu Christi, sein Leiden und Sterben samt der Kreuzigung durch die Römer in Jerusalem.

Übersicht

Palmsonntag in der Frühe

Autor: Alfred Formey

Palmsonntag in der Frühe
Spricht Christ zum Himmelszelt:
In Purpurpracht erglühe
Weit über alle Welt;
Dass sie des Tags gedenken,
Da ich vom Ölberg kam,
Und aller Sünde Kränken
Barmherzig auf mich nahm!

Palmsonntag in der Frühe
Spricht Christ zum stillen Wald:
Im hellsten Grün erblühe,
In vollster Lichtgestalt;
Dass weithinaus dein Grüßen
Erinn’rung still erneut,
Wie einst zu meinen Füßen
Man Palmen fromm gestreut.

Palmsonntag in der Frühe
Spricht Christ zum Herzen mein:
Nun denke meiner Mühe
Und meiner Todespein!
Nimm deines Glaubens Palmen,
Und gib mir das Geleit
Zum Kreuz und zu den Psalmen
Der ew’gen Herrlichkeit!

Einzug Jesu Christi in Jerusalem
Einzug Jesu Christi in Jerusalem
Bild von KimDcon auf Pixabay

Am Gründonnerstage

Autorin: Annette von Droste-Hülshoff

Evang.: Von der Fußwaschung

O Wundernacht, ich grüße!
Herr Jesus wäscht die Füße.
Die Luft ganz stille stand;
Man hört den Atem hallen
Und wie die Tropfen fallen
Von seiner heil’gen Hand.

Da Jesus sich tut beugen,
Ins tiefe Meer sich neigen
Wohl Inseln diesem Gruß.
Ist er so tief gestiegen,
So muß ich ewig liegen
Vor meines Nächsten Fuß.

Herr, ob sich gleich betöret
Die Seele mein empöret
Vor aller Niedrigkeit,
Dass ich vielmehr mein Leben
In Qualen aufzugeben
Für deinen Ruhm bereit:

So gib, dass ich nicht klage,
Wenn du in meine Tage
Hast alle Schmach gebannt;
Laß brennen meine Wunden,
So du mich stark befunden
Zu solchem harten Stand!

O Gott, ich kann nicht bergen,
Wie angst mir von den Schergen,
Die du vielleicht gesandt
In Krankheit oder Grämen
Die Sinne mir zu nehmen,
Zu töten den Verstand!

Es ist mir oft zu Sinnen,
Als wolle schon beginnen
Dein schweres Strafgericht;
Als dämmre eine Wolke,
Doch unbewußt dem Volke,
Um meines Geistes Licht.

Doch wie die Schmerzen schwinden,
Die mein Gehirn entzünden,
So flieht der Nebelduft,
Und mit geheimem Glühen
Fühl’ ich mich neu umziehen
Die frische starke Luft.

Mein Jesu, darf ich wählen,
Ich will mich lieber quälen
In aller Schmach und Leid,
Als dass mir so benommen,
Ob auch zu meinem Frommen,
Die Menschenherrlichkeit.

Doch ist er so vergiftet,
Dass es Vernichtung stiftet,
Wenn er mein Herz umfleußt:
So laß mich ihn verlieren,
Die Seele heimzuführen,
Den reichbegabten Geist.

Hast du es denn beschlossen,
Dass ich soll ausgegossen
Ein tot Gewässer stehn
Für dieses ganze Leben:
So will ich denn mit Beben
An deine Prüfung gehn.

Die Fußwaschung – Gemälde von Giotto di Bondone
Die Fußwaschung – Gemälde von Giotto di Bondone
Foto: © José Luiz Bernardes Ribeiro, CC BY-SA 4.0

Karfreitag – Olaf Lüken

Autor: Olaf Lüken

Kreuzigung Jesus Christus
Kreuzigung Jesus Christus
Bild von Robert Allmann auf Pixabay

© Olaf Lüken


Du schaust wohl Christi Leiden an

Autor: Julius Sturm

Du schaust wohl Christi Leiden an
und denkst in deinem Sinne,
das hat der Herr für mich getan,
dass ich bei Gott gewinne
durch seine große Gnad und Huld
Erlass für meine Sündenschuld,
die mich zu Boden drückt.

Doch hast du auch daran gedacht,
dass dir sein bittres Sterben
nur dann allein hat Heil gebracht
und Rettung vom Verderben,
wenn du mit ihm, der für dich stritt
und bittern Tod am Kreuz erlitt,
der Welt bist abgestorben?

Da wo dein Schatz ist, sei dein Herz!
O sieh, voll Blut und Wunden
hängt Gottes Sohn in Qual und Schmerz
an´s Marterholz gebunden!
So geh mit deinem Herzen ein
in deines Herren Angst und Pein
und stirb, wie er gestorben.

Ja, streite mit ihm, wie er stritt,
und teile seine Wunden,
und leide mit ihm, wie er litt,
bis du nach bangen Stunden
darfst rufen mit ihm durch die Nacht
von seinem Kreuz: Es ist vollbracht!
Dann bist du gerettet.

Ein ewger Friede folgt dem Streit,
dem Tod ein ewges Leben,
und ewige Gerechtigkeit
wird dir dein Heiland geben,
der freundlich ruft: Mein Leidgenoss,
das Blut, das ich für dich vergoss,
tilgt alle deine Sünden!

Darstellung Kreuzigung vonj Jesus (Buntglasfenster)
Darstellung Kreuzigung von Jesus (Buntglasfenster)
Bild von falco auf Pixabay

Golgatha (Karfreitag)

Autor: Karl Gerok

Video: Golgatha (Durch manche Länderstrecke)

Durch manche Länderstrecke trug ich den Wanderstab,
von mancher Felsenecke schaut ich ins Tal hinab;
doch über alle Berge, die ich auf Erden sah,
geht mir ein stiller Hügel, der Hügel Golgatha

Er ragt nicht in die Wolken mit eisgekrönter Stirn,
er hebt nicht in die Lüfte die sonnige Alpenfirn,
doch so der Erd entnommen und so dem Himmel nah
bin ich noch nie gekommen, wie dort auf Golgatha.

Es trägt sein kahler Gipfel nicht Wälderkronen stolz,
nicht hohe Eichenwipfel, nicht köstlich Zedernholz;
doch alle Königszedern, die einst der Hermon sah,
sie neigen ihre Kronen dem Kreuz von Golgatha.

Nicht gibt es dort zu schauen der Erde Herrlichkeit,
nicht grüngestreckte Augen, nicht Silberströme breit;
doch alle Pracht der Erde verging mir, als ich sah
das edle Angesichte am Kreuz auf Golgatha.

Kein Bächlein quillt kristallen dort aus bemoostem Stein,
nicht stolze Ströme wallen von jenen Höhn landein;
doch rinnt vom Stamm des Kreuzes in alle Lande da
ein Born des ew'gen Lebens, das Blut von Golgatha.

Dort schlägt der stolze Heide stillbüßend an die Brust,
des Schächers Todesleide entblühet Himmelslust;
dort klingen Engelsharfen ein selig Gloria,
die Ewigkeiten singen ein Lied von Golgatha.

Dorthin, mein Erdenpilger, dort halte süße Rast;
dort wirf dem Sündentilger zu Füßen deine Last!
Dann geh und rühme selig, wie wohl dir dort geschah,
der Weg zum Paradiese geht über Golgatha!

Kreuzigung auf Golgatha
Kreuzigung auf Golgatha
Bild von Ambroz auf Pixabay

Golgatha – Nimm Herr …

Autor: Karl Gerok

Nimm, Herr, mich mit auf deinem Todesgange,
Dass ich den letzten Segen noch empfange,
Den du im Dulden, Bluten und Erblassen
Der Welt gelassen.

Mit Zions Töchtern möcht ich um dich klagen,
Mit Simon dir den Marterbalken tragen
Und mit Johannes unter bittern Wehen
Am Kreuze stehen.

Die Füße, die mit nimmermüdem Schritte
So sanft gewandelt in des Volkes Mitte,
O lasse mich sie, eh' sie erstarren müssen,
Noch einmal küssen.

Die Hände, die nur wohlgetan auf Erden
Und zum Dank ans Holz geheftet werden,
O breite sie vom Kreuzesarm zum Segen
Mir noch entgegen!

Ihr Lippen, stets holdselig anzuhören,
So vielgetreu im Trösten, Mahnen, Lehren,
O gönnt mir noch, eh' ihr euch müsst entfärben,
Ein Wort im Sterben!

Doch stille, horch! Die Hammerschläge klingen,
die ihm durchs Fleisch und mir durchs Herze dringen,
Er aber fleht zu Gott mit Engelsmienen:
Vergib du ihnen!

Nun hängt er nackt inmitten der Verbrecher
Und neigt sich mild zum reuevollen Schächer
Und öffnet ihm mit hohem Gnadenworte
Des Himmels Pforte.

Die Mutter sieht er mit dem Schwert im Herzen,
Am Kreuze stehn in namenlosen Schmerzen,
Drum sorgt er, dass an Sohnesstatt ihr bliebe
Johannis Liebe.

Jetzt aber sieh! wie sich der Tag umnachtet;
Jetzt aber horch! wie seine Seele schmachtet:
Mein Gott, mein Gott, was hast du mich verlassen?
Wer kann es fassen?

Mich dürstet! klagt er, seine Glieder beben,
Die Zunge muss verdorrt am Gaumen kleben:
Lebendig Wasser strömt vom Lebensfürsten,
Und er muss dürsten.

Doch nur getrost, schon ist sein Kampf geendet,
Die Schrift erfüllt, des Vaters Werk vollendet,
Es ist vollbracht! - durch alle Himmelshallen
Soll's widerschallen.

Aus Wolkennacht schon dämmert neu die Sonne,
Das Todesweh geht aus in Himmelswonne,
Und sterbend spricht er: Vater, ich befehle
Dir meine Seele.

Es ist vollbracht! mein Heiland ist verschieden,
Sein müdes Haupt, es neigt sich nun im Frieden;
Die Erde bebt, des Abgrunds Felsen splittern,
Die Menschen zittern.

Das Volk verstummt und wendet sich zu gehen,
Doch Herr, deine Kreuz bleibt aufgerichtet stehen,
Ein Heilspanier der Welt für alle Zeiten
Und Ewigkeiten.

Mich aber lass an deinem Kreuz verweilen,
Dein schuldlos Blut soll meine Wunden heilen,
Dein bittrer Kampf soll mir den Frieden geben,
Dein Tod das Leben!

Golgota – Kreuzigung Christi
Golgota – Kreuzigung Christi
Gemälde von Mihály von Munkácsy
Public domain, via Wikimedia Commons

Golgotha – Kreuzigung Christi
Golgotha – Kreuzigung Christi
Gemälde von Gaspar de Crayer
Public domain, via Wikimedia Commons

Karfreitag – Peter Hille

Autor: Peter Hille

Karfreitags Krone. Heldenkönig! Einsames Haupt.
Verstoßen. Erheben
Die feige Flucht verdammender Hände.
Ein suchender führender Quell.
Wenn ich erhöht sein werde, will ich alle zu mir ziehen.
Und die Welt, die schwere Welt, die leichtsinnschwere Welt,
Fast schon oben, reißt ab, eine Wunde reißt auf,
Der Seele, Wunde des Leibes, Wunde des Todes:
Vater verzeihe ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.

Zum schmerzlichen Hohn der Dornenkrone
Fallen kühlende Tropfen fühlender Größe.
Dem bedeutenden, einsamen Menschen an seinem Tage nahe sei,
So ist stiller Freitag, so ist Ostern
Trauerhelles Opferglück.
Abschiednehmendes Wiedersehn.

Jesus Christus am Kreuz
Jesus Christus am Kreuz
Bild von congerdesign auf Pixabay

Karfreitag – Julius Sturm

Autor: Julius Sturm

O Liebe ohnegleichen,
Die ohne Worte spricht
Aus diesem todesgleichen,
Hochheil’gen Angesicht!

Um mich hast du geworben
In heißer Leidensglut,
Für mich bist du gestorben
Und opfertest dein Blut.

Dein Bild ist mir gegeben
Zum Trost in banger Zeit,
Dein Tod verleiht mir Leben,
Dein Blut Gerechtigkeit.

O seliges Genügen
Erlöst von Schuld und Fluch,
Les’ ich auf heil’gen Zügen
Der Gnade Segenspruch.

Kreuzweg am Karfreitag
Kreuzweg am Karfreitag
Bild von falco auf Pixabay

Karfreitag – Kurt Tucholsky

Autor: Kurt Tucholsky

Dies ist ein ernster Tag der Buße,
des Rückwärtsschauns, der Runzelstirn;
ich überdenke mir in Muße
die letzte Zeit in meinem Hirn.

Was war denn da? Vielleicht ein Sündenbabel?
Ein Teufelsdienst? Ein Satanskult?
Ein Hass, wie Kain einst Abel
den Bauch zersägt in himmlischer Geduld?

Ein Mord? Ein Diebstahl? Eine Lügenzunge?
Ein Feuerbrand-? Ach, gar nichts solcherlei.
Er war so brav, der gute dicke Junge,
und nur ein helles Mädchen war dabei.

Wir haben leider keine Kirchenglocken.
Und ohne sichtbar-güldenen Heiligenschein
Läut ich mir froh in blonden Locken
Mein ganz privates Ostern ein! –

Alte Glocke läuten
Alte Glocke läuten
Bild von Bernd auf Pixabay

Karfreitagmorgen

Autor: Christian Morgenstern

Heute will ein alter Mensch
wiederum zu Grabe sterben,
und der neue soll von ihm
nichts als nur den Willen erben,
nach dem endlichen Gelingen
immer tiefer hinzudringen.

Hilf zu solchem Ziel auch du
mit dem eignen Stirb und Werde!
Lass uns einig unsre Erde
läutern, edlerm Stoffe zu!
Lass uns, liebes Lebensmein,
einer Sehnsucht Flügel sein!

Christus stirbt am Kreuz
Christus stirbt am Kreuz
Bild von falco auf Pixabay

Karfreitagsgedanken

Autor: Olaf Lüken

Geburt, Schule, Studium, Hochzeitstag.
Ich schritt durch’s Leben, keine Frag’!
Kinder kamen, die Arbeit wurde mir schwer.
Wie viele Jahre laufen noch vor mir her?

Ich stehe vorm Kreuz. Hab’ ich versagt?
Hab’ ich in den Jahren nach IHM gefragt?
Durch das Leben ging ich viele Wege,
über Steinbrücken und hölzerne Stege.

Hier! - am Kreuz von Golgotha,
hängt ER für uns Menschen da!
Nach IHM zerriss im Tempel das Tuch.
War ich IHM Segen oder ein Fluch?

© Olaf Lüken

Jesus am Kreuz von Golgotha
Jesus am Kreuz von Golgotha
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Karwoche

Autor: Eduard Mörike

O Woche, Zeugin heiliger Beschwerde!
Du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne,
Du breitest im verjüngten Strahl der Sonne
Des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde,

Und senkest schweigend deine Flöre nieder;
Der Frühling darf indessen immer keimen,
Das Veilchen duftet unter Blütenbäumen
Und alle Vöglein singen Jubellieder.

O schweigt, ihr Vöglein auf den grünen Auen!
Es hallen rings die dumpfen Glockenklänge,
Die Engel singen leise Grabgesänge;
O still, ihr Vöglein hoch im Himmelblauen!

Ihr Veilchen, kränzt heut keine Lockenhaare!
Euch pflückt mein frommes Kind zum dunkeln Strauße,
Ihr wandert mit zum Muttergotteshause,
Da sollt ihr welken auf des Herrn Altare.

Ach dort, von Trauermelodieen trunken,
Und süß betäubt von schweren Weihrauchdüften,
Sucht sie den Bräutigam in Todesgrüften,
Und Lieb’ und Frühling, alles ist versunken!

Wegkreuz
Wegkreuz
Bild von Heiko Stein auf Pixabay

Trauergesang von der Not Christi am Ölberg in dem Garten

Autor: Friedrich von Spee-Langenfeld

Bei stiller Nacht zur ersten Wacht
Ein Stimm’ begann zu klagen;
Ich nahm in acht, was die doch sagt,
Tät hin mein’ Augen schlagen.

Es war der liebe Gottessohn,
Sein Haupt hat er in Armen,
Viel weiß und bleicher als der Mon,
Ei’m Stein es möcht erbarmen.

„Ach, Vater, liebster Vater mein,
Und muss den Kelch ich trinken?
Und mag’s dann ja nit anders sein?
Mein Seel nicht lass versinken!“

Ach, Mutter mein, bin ja kein Stein,
Das Herz mir durft zerspringen;
Sehr große Pein muss nehmen ein,
Mit Tod und Marter ringen.

Ade, ade, zu guter Nacht,
Maria, Mutter milde!
Ist niemand, der denn mit mir wacht
In dieser Wüsten wilde?

Zu Gott hab ich gerufen zwar,
Aus tiefen Todesbanden;
Dennoch ich bleib verlassen gar,
Ist Hilf noch Trost vorhanden.

Der schöne Mond will untergehn,
Vor Leid nicht mehr mag scheinen;
Die Sterne ohn’ ihr Glitzern stehn,
Mit mir sie wollen weinen.

Kein Vogelsang noch Freudenklang
Man höret in den Lüften,
Die wilden Tier traurn auch mit mir
In Steinen und in Klüften.

Christus betet kniend zum Vater
Christus betet kniend zum Vater
Bild von Martinus KE
CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons