Mutterns Hände

Mutterns Hände

Gedicht in Berliner Dialekt
Autor: Kurt Tucholsky

Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
      un de Töppe rübajeschohm
un jewischt und jenäht
un jemacht und jedreht …
      alles mit deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,
uns Bobongs zujesteckt
      un Zeitungen ausjetragen –
hast die Hemden jezählt
und Kartoffeln jeschält …
      alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal
bei jroßen Schkandal
      auch 'n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht.
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben …
      Alles mit deine Hände.

Heiß warn se un kalt.
Nu sind se alt.
      Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wa nu hier,
und denn komm wir bei dir
      und streicheln deine Hände.

Aus: Arbeiter Illustrierte Zeitung, 1929, Nr. 30, S. 8


Ihre Meinung zum Beitrag

Schreiben Sie einen Kommentar. Ihre Meinung ist uns und den Autoren wichtig! Schenken Sie Lesern des Artikels mit Ihrem Kommentar einen „Mehrwert“, indem Sie konstruktive Kritik äußern, Ihre Erfahrungen, Anregungen und Gedanken weitergeben oder weitere Informationen mitteilen.


Kommentar hinzufügen

* Pflichtfeld
1000
Drag & drop Bilder (max 3)
Wieviele Buchstaben hat das Wort „zwei“?

Kommentare

Noch keine Kommentare, sei der erste Poster!