An meine erste Lehrerin 1942
Autorin: Marie Mehrfeld
Zwar warst du streng, ganz prinzipiell, so war die Zeit, doch warst vor allem du bereit, die Kinder, die dir anvertraut, zu unterstützen und zu beschützen.
Das Lehrersein lag dir im Blut; du schimpftest wenig, machtest Mut, kein Stöckchen je in deiner Hand, das Prügeln war dir unbekannt, du wolltest lobend zügeln
und nichts verbiegen. Ein Schmunzeln um die Lippen stets - fragte du lächelnd uns, wie geht’s; ich weiß, du mochtest die Gewitzten, denn deine Augen blitzten,
oft musst’ ich in die Ecke auch, das war ja damals noch der Brauch - wegen des Schwätzens und meiner Schussligkeit und jenem Drang, zu stören, nicht hin zu hören,
des Widersetzens; der Punkt saß selten auf dem i, adrett gekleidet war ich nie und meine Hefte oft verschmiert und ohne Ordnungssinn geführt;
ein Tadel hätte nichts genutzt, das war dir sicher wohl bewusst. Nun bist du lange Zeit schon tot. Dir dies zu schreiben, es tut Not. Du sitze im Himmel oben
auf Wolke sieben; ich bin dein Fan geblieben. Mein erstes Fräulein hoch verehrt, und es ist sicher nicht verkehrt, dich laut zu loben im Nachhinein. Das muss so sein.
Du bist in mir noch ganz lebendig, hast auch mein Ungestüm gebändigt mit viel Geduld und ganzer Liebe und ohne Hiebe. Den Dank dafür, den liest du hier.
Anmerkung der Autorin: Das Gedicht darf nicht ohne Namensnennung der Dichterin zitiert oder kopiert werden.
Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

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