Schäbig contra Schäbig, Sketch – Festgestaltung

Schäbig contra Schäbig

Personen: Ansager, Richter, Schäbig

Spieldauer: ca. 8 Minuten

Ansager: Stellen sie sich vor wir befinden uns in einem Gerichtssaal. Zur Verhandlung kommt der Fall Schäbig contra Schäbig. Wenn das hohe Gericht nun den Saal betritt, hat sich das Publikum von den Plätzen zu erheben. Verstöße gegen diese Verordnung werden mit einer Geldstrafe geahndet. – Das Hohe Gericht! (Publikum erhebt sich, Ansager ab)
Richter: (Tritt auf, lädt das Publikum mit einer Handbewegung zum Sitzen ein. Er setzt sich auch und schaut missbilligend im Saal herum. Bei jeder Publikumsreaktion wird um Ruhe gebeten und die Glocke betätigt.) Zum Aufruf kommt der Fall Schäbig contra Schäbig! – Bitte eintreten!
Schäbig: (sieht auch so aus, behält den Hut auf, stellt sich sehr linkisch an den Tisch und grüßt, indem er mit dem Finger an den Hut tippt) - Tag!
Richter: (hebt die Brille hoch und sieht Schäbig an) - Warum nehmen Sie den Hut nicht ab?
Schäbig: (indigniert) - Das könnte ich schon machen, aber dann heißt es wieder, ich hätte im Gerichtssaal gebettelt.
Richter: Seien sie nicht albern und nehmen sie diesen Hut ab!
Schäbig: (Nimmt langsam den Hut ab.)
Richter: Sie sind der verheiratete Gelegenheitsarbeiter Hugo Schäbig?
Schäbig: Jawohl!
Richter: Ihr Name?
Schäbig: (glaubt, er hört nicht recht) - Immer noch Schäbig! - Hugo! - Hintere Grabenstraße 33, zweiter Stock links, dreimal klingeln!
Richter: (ungerührt) Wie alt?
Schäbig: Zweiundvierzig
Richter: Bekenntnis?
Schäbig: (beugt sich über den Tisch und zeigt auf die Akten. Lebhaft) - Unschuldig!
Richter: Natürlich, das sagen sie alle.
Schäbig: (zufrieden) - Also, wenn es alle sagen, dann müssen sie es auch glauben.
Richter: (liest in den Akten) In der Anklageschrift heißt es, Sie sollen am 17. Mai vergangenen Jahres in einem Anfall von Trunkenheit Ihre Ehefrau, die verheiratete Augustine Schäbig, geborene Beißzänger – sie sollen sie jämmerlich verprügelt haben?!
Schäbig: (freudig) Jawohl, die habe ich unheimlich vertrimmt.
Richter: (brüllt) Unerhört! Das dürfen sie nicht! Strafen stehen nur dem Gericht zu!
Schäbig: Also gut, wenn sie wieder mal Prügel braucht, dann schicke ich sie zu ihnen.
Richter: (blickt ihn missbilligend an und liest aus den Akten) Ebenso sollen sie die herbeigeeilte ledige Anna Hummel lebensgefährlich bedroht haben! - Sind sie mit dieser ledigen Frau Anna Hummel befreundet?
Schäbig: Um Himmels willen, nein! – Das ist meine Schwiegermutter!
Richter: Sie haben also ihrer Frau Schwiegermutter auch eine Tracht Prügel versprochen?
Schäbig: Ja! – Aber die wird sich noch eine Weile gedulden können!
Richter: (ungehalten) Quatsch! Hier steht, (er zeigt in die Akten) Sie haben ihrer Frau mit einem Schirm auf den Kopf geschlagen!
Schäbig: (entschuldigend) Aber die krummen Beine hatte sie schon vorher, darum habe ich sie ja geheiratet!
Richter: (ungläubig) Der krummen Beine wegen?
Schäbig: Natürlich. Weil sie so gut zu meinen Biedermeiermöbeln passten!
Richter: (klingelnd) Ruhe! Sie haben also den bewussten Schirm auf dem Kopf ihrer Frau entzwei geschlagen?
Schäbig: (entschuldigend) Das macht doch nichts, ich habe mir bereits wieder einen neuen Schirm gekauft.
Richter: (brüllt) Unerhört!
Schäbig: (aufgebracht) Hören sie mal, ich habe einen Schirm bitter nötig, wenn's regnet!
Richter: (brüllt) Schweigen sie! (jetzt wieder ruhiger) Wie konnten sie ihre Frau nur so zurichten?
Schäbig: (Krempelt die Ärmel hoch) Kommen Sie mal mit raus, dann werde ich es ihnen zeigen.
Richter: (brüllt) Schweigen Sie! Das ist Verächtlichmachung des Hohen Gerichts (er nimmt ein Foto aus den Akten) Ich habe hier ein Foto ihrer Frau nach der Tat - sehen sie sich's an. Sie haben ihre Frau ganz schön zugerichtet!
Schäbig: (sieht sich das Bild an und grinst) Ja, ja, mir hat sie nachher auch besser gefallen.
Richter: (legt unwillig das Bild in die Akten und liest) Außerdem haben sie zu ihrer Schwiegermutter „Dumme Ziege“ und „Blöde Kuh“ gesagt. Stimmt das?
Schäbig: Was?
Richter: Das mit der Ziege und der blöden Kuh!
Schäbig: Jawohl, das stimmt – aber gesagt habe ich es nicht.
Richter: (eindringlich) Bestimmt nicht?
Schäbig: (unwillig) Man kann doch nicht an alles denken!
Richter: (ganz ruhig) Standen sie schon einmal unter Eid?
Schäbig: Worunter?
Richter: Haben sie schon einmal geschworen?
Schäbig: Ich habe mir geschworen, nie wieder zu heiraten!
Richter: (unwillig, will der Sache ein Ende bereiten) Zur Sache! Nun ja, der Tatbestand ist ja weitgehend geklärt. Haben sie noch etwas zu ihrer Verteidigung zu sagen?
Schäbig: Selbstverständlich!
Richter: Bitte!
Schäbig: Glauben sie, was in der Bibel steht?
Richter: (erstaunt und etwas unschlüssig) Ich sehe zwar nicht ein, was das mit diesem Prozess zutun hat, aber natürlich glaube ich, was in der Bibel steht.
Schäbig: (bohrend) Steht da nicht drin, dass Gott die Frau aus der Rippe des Mannes geschaffen hat?
Richter: Allerdings, das steht da drin.
Schäbig: (pfiffig) Also! Dann wird es dem Manne doch gestattet sein, ein wenig auf seiner eigenen Rippe herumzuklopfen.
Richter: (klingelnd) Ruhe bitte! (er will nun zum Ende kommen) Reden sie nicht so dummes Zeug, sondern sagen sie mir ohne Umschweife, was sie veranlasst hat ihre Frau zu verprügeln, anschließend in einen Teppich einzurollen und einen Tag in eine Ecke zu stellen! Wie kamen sie dazu?
Schäbig: Durch schwere Beleidigung, Herr Ober-, Herr Obergerichtshof!
Richter: (blickt ihn durchdringend an) So? - Wer hat sie denn so schwer beleidigt?
Schäbig: Nun, jene... Sie - Meine Al… meine Frau!
Richter: Was hat sie denn gesagt?
Schäbig: Sie sagte, ich sei blöde!
Richter: Das ist aber eine in der Ehe durchaus übliche Bezeichnung.
Schäbig: Und alt sei ich, sagt sie.
Richter: Auch das ist keine Beleidigung!
Schäbig: (bringt seinen letzten Trumpf) Dann sagte sie noch Idiot zu mir!
Richter: (abschließend) tut mir leid, auch dieser Ausspruch ist heutzutage bei Kraftfahrern üblich! Also bei Schimpfworten wie blöde, alt, vertrottelt und Idiot kann in ihrem Falle von Beleidigung keine Rede sein! (er klappt die Akten zu)
Schäbig: (triumphierend) So? Wenn das so ist, dann leben sie wohl, Sie blöder, alter vertrottelter Idiot, Sie! (tritt ab)

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