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An der Theaterkasse, Sketch – Festgestaltung

An der Theaterkasse

Personen: Kassiererin (K) an der Theaterkasse, ein älteres Ehepaar - Heinrich (H) und Paula (P)

Kostüme: Die Kassiererin trägt normale Kleidung. Das Ehepaar hat sich sehr unmodisch, aber fein angezogen.

Requisiten: Eine angedeutete Theaterkasse, ein Theaterplan

Darsteller(in) Text
  (Die Kassiererin sitzt im Kassenraum. Vor ihr liegen mehrere Häufchen verschiedenfarbiger Eintrittskarten. Das Ehepaar tritt unsicher von der Seite an den Theaterplan.)
H: Siehst du, Liebes, hier kannst du gucken, was es gibt.
P: (stellt sich ganz dicht vor den Plan) Ach, Heini, ich hab' doch meine Brille nicht mit. Lies mal vor!
H: Du und deine Brille! Man müsste sie dir auf die Nase kleben Aber du hast ja mich noch, nicht wahr, mein Schatz?
P: (schmiegt sich an seine Schulter) Schön, dass wir heute ins Theater gehen. So ein wundervolles Geburtstagsgeschenk hast du mir noch nie gemacht.
H: (legt seinen Arm um sie) Also, höre zu: Großes Haus, kleines Haus, Opernhaus, Konzerthaus . . .
P: (erstaunt) Nanu, sind wir hier bei einem Immobilienmakler? Wir wollen doch kein Haus kaufen.
H: (liebevoll) Aber nein, mein Schatz! Hier steht auch noch etwas anderes: Co . . si fan tu . .tte in italienischer Sprache.
P: (abweisend) Heini, komm, lass uns gehen, das ist mir viel zu kompliziert. (Paula will ihren Mann wegziehen. Da wird die Kassiererin auf die beiden Aufmerksam.)
K: Kann ich Ihnen helfen?
H: Ja, wir möchten gerne Karten.
K: Welche möchten Sie denn?
H: (belustigt) Na, Theaterkarten, natürlich, Skatkarten haben wir zu Hause. (Er lacht laut über seinen eigenen Witz und schlägt seiner Frau vor Vergnügen auf die Schulter.) Nein, Fräulein, geben Sie mir mal ganz richtige Eintrittskarten.
K: (lächelt gequält) Das war mir schon klar, aber welche möchten Sie denn? (Dabei zeigt sie auf die Kartenhäufchen auf ihrem Tisch.)
H: Ach so, aussuchen kann man sich die. Das wusste ich nicht. Aber das soll meine Frau tun, die hat nämlich heute Geburtstag, wissen Sie, und wir waren noch nie im Theater. (Er dreht sich zu seiner Frau um) So, mein Liebling, nun such dir mal ganz schöne Karten aus.
P: (drückt sich ganz dicht an den Schalter) Was meinst du, sollen wir die roten Karten nehmen oder lieber die hübschen gelben?
H: (gönnerhaft) Das überlasse ich ganz dir. Du bist das Geburtstagskind.
P: (tritt von einem Fuß auf den anderen) Ach Gott, ist das aufregend! Also, ich glaube, wir nehmen die roten, die passen am besten zu meinem Kleid.
H: Wie du willst, mein Herz! (Wendet sich an die Kassiererin) Zwei rote Karten, bitte! (fängt an zu lachen) Das ist ja wie beim Fußball, bloß umgekehrt: Hier kommen wir mit einer roten Karte rein und da fliegen wir raus. (Haut vor Vergnügen mit der Faust auf den Kassentisch) Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, Fräulein?
K: (gespielt freundlich) Nein, das habe ich noch nicht. Also, zwei Karten für das Kleine Haus.
H: (schüttelt den Kopf) Nein, Fräulein, da haben Sie mich missverstanden. Wir wollen ins Theater und ein Stück sehen. Wissen Sie, so mit Schauspielern, wie im Fernsehen, nur mit richtigen.
K: (etwas genervt) Ja, ja, das ist mir schon klar. Im Kleinen Haus gibt es: „Nicht Fisch – nicht Fleisch“.
H: (fasst sich an den Kopf und spricht seine Frau an) Jetzt will die uns ins Restaurant schicken, gegessen haben wir doch schon.
P: (drängelt sich an den Schalter) Und Vegetarier sind wir schon gar nicht! Nicht, Vaterchen, wo du so gern Kotelett isst.
K: (ungeduldig) „Nicht Fisch – nicht Fleisch“ ist doch ein Theaterstück. Das heißt so. Franz Xaver Kroetz hat das so genannt.
H: Wer? . . . Ach, ist ja auch egal. Aber dazu habe ich keine Lust. (An seine Frau gewandt) Sag, Liebes, wollen wir nicht doch lieber die gelben Karten nehmen?
P: (nickt zustimmend) Ach, Heini, es ist doch gar nicht so wichtig, was wir sehen, Hauptsache wir sehen es zusammen. (wendet sich an die Kassiererin) Also, bitte zwei gelbe Karten.
K: Also morgen Abend zwei Karten für „Tristan und Isolde“.
H: (fasst sich an den Kopf) Wieso denn für Tristan und Isolde? Die kennen wir doch gar nicht! Die können sich ihre Karten gefälligst selbst kaufen. Wir wollen die Karten für uns haben, ganz allein für uns. Und heute wollen wir ins Theater.
P: (laut) Ich habe schließlich heute Geburtstag und nicht morgen. Sagen Sie, Sie sind wohl neu hier?
K: (sehr gereizt) Nein, ich bin hier nicht neu, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. (seufzt) Also, heute gibt es im Großen Haus: „Martha oder der Markt zu Richmond“.
P: (erstaunt) Was denn, jetzt, eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung wissen die immer noch nicht, was sie spielen wollen?
H: (abweisend) Ja, wenn man nun genau wüsste, dass es „Martha“ gäbe, das würde mich nämlich interessieren, weil meine Tante mütterlicherseits auch Martha hieß . . . Oder hieß sie Magda? . . . Na, ist ja auch egal, aber so ein Markt von Dingenskirchen interessiert mich nicht die Bohne. Wie ist es mit dir, Paulchen?
P: Dazu habe ich auch keine Lust. Ich war heute schon auf dem Gemüsemarkt. (wendet sich wieder an die Kassiererin) Sagen Sie, können Sie uns vielleicht die blauen Karten empfehlen?
K: (wischt sich den Schweiß von der Stirn) Ja, da gibt es „Was ihr wollt“.
H: Prima, geben Sie uns zwei von den blauen Karten.
K: (atmet tief durch) Na endlich! Nun müssen Sie mir nur noch sagen, ob Sie Parkett oder Rang sitzen möchten.
H: (ärgerlich) Sagen Sie, was denken Sie eigentlich von mir? Glauben Sie, ich lade meine Frau am Geburtstag ins Theater ein, und dann soll sie noch auf dem Fußboden sitzen? Also, Parkett kommt gar nicht in Frage. Wenn es wenigstens Teppichboden wäre!
P: (knöpft ihren Mantel auf) Sehen Sie sich mal mein Kleid an, das habe ich zur Hochzeit von unserer Tochter gekauft. Damit setze ich mich doch nicht auf den Fußboden! (Sie streicht liebevoll über ihr Kleid).
H: Wie hieß das andere, wo man noch sitzen kann?
K: (kann sich kaum noch beherrschen) Rang! Erster, zweiter oder dritter Rang!
H: Rang? Was bedeutet das?
K: Mein Gott, das ist so etwas ähnliches wie ein Balkon!
H: (schüttelt sich) Huh, auf dem Balkon . . . bei dem Regen!
P: Wir sollen uns wohl den Tod holen, was?
K: (wird sehr laut) Himmeldonnerwetter, die Ränge sind innen im Theater in drei Etagen!
H: Was regen Sie sich denn auf? Dann ist es ja gut. Wir haben zu Hause nur einen Balkon nach draußen. Aber ich merke schon, hier ist alles ein bisschen komisch. Dann geben Sie uns mal zwei Karten in der ersten Etage. (Die Kassiererin reicht ihm die Karten wortlos) Was sind wir ihnen schuldig?
K: 30 Euro.
H: (reißt die Augen auf)So teuer? Nun denn, es ist ja ein Geburtstagsgeschenk für meine Frau, und Geburtstag hat man ja nicht alle Tage!
P: Heini, wir müssen doch erst sagen, was wir sehen wollen.
H: Ach ja, richtig. Na, mein Schatz, wie ich dich kenne, weißt du schon, was du möchtest.
P: (singt in voller Lautstärke)Im Weißen Rössel am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür . . .
H: Richtig, das wolltest du ja schon immer mal sehen. (wendet sich an die Kassiererin, hat das Geld in der Hand) Also, sagen Sie ihren Leuten, wir wollen „Im Weißen Rössel“ sehen.
K: (guckt verständnislos) Wieso? Ich verstehe kein Wort. Das ist gar nicht auf unserem Spielplan. Es gibt „Was ihr wollt“.
H: Naja, das wissen wir doch. Das haben Sie schon einmal gesagt. Wir wollen das Weiße Rössel.
K: (völlig am Ende) Meine Güte, kapieren Sie denn nicht, was ich sage? Wir spielen heute „Was ihr wollt“. Und das ist ein Schauspiel von Shakespeare.
P: (wütend) Waas, Sie wissen wohl auch nicht, was Sie wollen. Erst sagen Sie, es gibt, was wir wollen, und wenn wir sagen, was wir wollen, dann gibt es doch nicht, was wir wollen. Das ist ja Betrug! Hier, Ihre Karten können Sie sich an den Hut stecken! Wir fallen auf Sie nicht rein. Da müssen Sie sich Dümmere aussuchen. Außerdem gibt es heute Abend im Fernsehen den „Musikantenstadl“. Das wollen wir sehen! Komm, Vaterchen!
  (Die Kassiererin legt ihren Kopf erschöpft auf die Arme. Das Ehepaar geht erhobenen Hauptes eingehakt von dannen.)

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