Der reichste Ehemann
Autor: unbekannt, Vorlage war das Gedicht
„Der reichste Fürst“ von Justinus Kerner
Preisend mit viel schönen Reden
ihrer Frauen Tugendzahl,
saßen viele deutsche Männer
einst beim Bier im Stammlokal.
Und es sprach gleich der Berliner:
„Meine Frau ist wundernett,
komm ich abends spät nach Hause
zankt se nicht, liegt still im Bett.“
„Und mei Kati“, drauf ein Bayer,
„sagt mir nichts, die ist fein brav,
sie gibt immer mir die Schlüssel,
nimmer zankt das gute Schaf.“
„Geh ich abends in die Kneipe“,
sprach ein Köl’scher dort vom Rhein,
„spricht mein Weibchen voller Sorgen,
steck dir nur den Schlüssel ein.“
„Hab das Schlüssele ich vergessen“,
sagt aus Stuttgart raus ein Schwab’,
„schickt mein Weible es mir ins Wirtshaus,
gut ist Weible das ich hab.“
Ganz zuletzt sprach dann der Sachse
heiter mit Behaglichkeit:
„Was sorgt ihr euch um den Schlüssel,
nein, ihr tut mir wirklich leid.
Da mach’ ich mir keine Sorge,
meine Frau schließt selber auf.
Freut sich, dass ich heim schon komme,
leuchtet mir die Treppe rauf.
Zieht mir aus dann Schuh und Strümpfe,
recht schön sanft, damit’s nicht lärmt.
Sagt schön freundlich: Leg dich schlafen,
ich hab’s Bett schon angewärmt.
Dann, dass ich mich nicht erkälte,
deckt sie mich mit Liebe zu,
küsst mich noch, löscht aus die Lampe
und wünscht mir dann gute Ruh.“
der Berliner, der vom Rhein:
„Lieber Freund, du bist der reichste,
ja so muss ein Weibchen sein!“

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