Der Traummann, Gedicht – Festgestaltung

Der Traummann

Eingesandt von Barbara Krause

Ganz offen sei es hiermit heute gesagt,
ich habe mit meinem Manne einen guten Fang gemacht!
Drum hört mal auf mit dem Radau,
hier spricht eine verwöhnte Ehefrau!

Am Morgen nach unserer Hochzeitsnacht,
hat er den Kaffee schon ans Bett gebracht
und sprach: „Liebes Frauchen, nun ruhe dich aus,
jetzt bist du für immer bei mir zu Haus!
Jetzt kriegst du es besser, jetzt wirst du verwöhnt,
nun wird für dich immer das Dasein verschönt!“
Ich war tief gerührt, habe nur noch gedacht:
Mensch _____________, was hast du für einen Fang gemacht!

Ich wollte im Haushalt mal gehen ran,
da kam ich aber lecker an.
Mein Mann sagte nämlich mit ernstem Gesicht:
„Meine Göttergattin, die braucht das nicht.
Ich hole selbst die Kohlen, ich hacke Holz,
ich bin gleichberechtigt, ich habe auch meinen Stolz!
Ich flitze jetzt schnell hinunter zum Keller,
trink du mal inzwischen ein Glas Muskateller.“
Ich kann nichts mehr sagen, habe nur noch gedacht:
Mensch, ____________, was hast du für einen Fang gemacht!

Am letzten kam er mit der Löhnung nach Haus,
ich sagte: „Einen Fünfziger bitte ich mir aus.“
Da sagte mein Manne: Ich glaub’, du bist jeck!
Hier, steck mal schnell diesen Hunderter weg!
Ziehst du mit deiner Freundin mal los,
kannst du doch nicht stehen bargeldlos!
Mein Schatz, amüsiere dich ruhig mal tüchtig,
der Vati wird schon nicht eifersüchtig.
Lache dir ruhig mal was anderes an,
dafür habe ich Verständnis, ich bin ja dein Mann!
Mir kamen die Tränen, habe nur noch gedacht:
Mensch, ____________, was hast du für einen Fang gemacht!

Kommt er des abends ermüdet nach Haus,
begrüßt er mich oft mit einem Blumenstrauß.
„Ach, seufzt er, mein Liebling, was blickst du verhärmt,
jetzt wirst du von mir erst mal richtig erwärmt.
Hier, trink mal ein Ei, in Kognak geklopft,
die Socken werden von mir gestopft.
Und dann leg dich erst mal aufs Sofa flach,
die viele Hausarbeit macht dich ganz schwach.“
Er rennt dann wie ein Wiesel für mich durch das Haus,
ich lieg auf dem Sofa und ruh’ mich aus.
Sehe zu, wie er rumrennt und habe nur noch gedacht:
Mensch, ____________, was hast du für einen Fang gemacht!

Niemals an meine Taschen er geht.
Er weiß nicht, was in den Ausgaben steht.
Nie höre ich ihn schimpfen und niemals laut schwätzen.
Er fürchtet, das könnte meine Öhrchen verletzen.
Spiel Skat ich mit Freundinnen zu Haus’ bis um drei,
ist er selbstverständlich treu sorgend dabei.
Er mischt uns die Karten, notiert alle Stiche,
holt Bier aus der Wirtschaft und saust in die Küche,
schleppt Schnittchen herbei, kocht Kaffee darauf
und räumt bis um vier die Bude noch auf.
Ich lieg’ längst im Bett, nur der Gute, er wacht.
Mensch, ____________, was hast du für einen Fang gemacht!

Jeden Tag krieg ich ein Fläschchen Wein,
er sagt ausdrücklich, den trinkst du allein!
und wenn ich so fleißig mache gluck, gluck,
trinkt er ein Tässchen Muckefuck.
Jeden Tag krieg ich ein Stück vom Schwein.
Er haut sich die alten Kartoffeln hinein.
Haben wir mittags mal Spargel im Töpfchen,
bekomm ich alleine die leckeren Köpfchen.
Die schneidet er ab mir mit sorgenden Händen,
er selbst isst nur die holzigen Enden.
Oft habe ich beim Kauen mir heimlich gedacht:
Mensch, ____________, was hast du für einen Fang gemacht!

Im vorigen Monat wurde ich zur Nacht,
von Kegelschwestern schwer blau nach Hause gebracht.
Sie schleppten zu sechsen die Treppe mich rauf:
Pst, Vorsicht, sonst wacht der Alte noch auf.
Da hört man von oben den Männe schon schreien:
Da ist ja mein armes Engelein!
Was haben sie denn bloß wieder mit dir gemacht?
Komm Liebling, jetzt wirst du ins Bettchen gebracht.
Dann zog er mich aus, löste Knöpfchen um Knöpfchen,
strich mir behutsam über das Köpfchen,
und sprach dann: Nun musst du Heierli machen,
dann wirst du frisch gestärkt wieder erwachen.
Für die Kegelschwestern hat er noch Kaffee gekocht,
die haben ihn alle sehr gerne gemocht,
denn sie haben zum Abschied ins Ohr mir gelacht:
Mensch, ____________, was hast du für einen Fang gemacht!

Darauf schlief ich ein, mir war gar nicht mehr mies.
Ich kam mir fast vor wie im Paradies.
Auf einmal, da gab’s einen furchtbaren Krach,
der Wecker, der rappelt, ich wurde wach —
ich hatte geträumt nur die ganze Nacht,
aus und vorbei die ganze Pracht! —
Neben mir schnarchte mein Männe und schreit:
„Steh auf, Mensch, mach’ Frühstück, es wird höchste Zeit!“
Da habe ich erinnerungsvoll mir gesagt:
Ach, wäre das schön, hättest du so einen Fang gemacht!
Denn dann möchte ich noch hundert Jahre leben,
würde es solche Männer geben!

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