Tapezieren ist schwer, Gedicht – Festgestaltung

Tapezieren ist schwer

Requisiten: Malerhut z.B. aus Zeitungspapier und Malerkittel

Ihr lieben Leute, es ist passiert,
ich hab die Wohnung tapeziert!
Was hab ich geschwitzt und geschimpft wie ein Bär,
und ich kann euch verraten Tapezieren ist schwer!

Neulich spricht meine Adelheid:
„Die alte Tapete, die bin ich leid!“
Wir renovieren, morgen geht's los!
Und diesen Gedanken fand sie famos.

Beim aller ersten Hahnenschrei
fingen wir dann an mit der Kleisterpanscherei.
Als erstes, so dachten wir beiden,
muss man die Tapete schneiden.
Nun standen wir da, zum Rechnen bereit
- 10 Rollen Tapete, je 50 breit -
das macht - fast - genau - ungefähr -
ich hab's ja geahnt: Tapezieren ist schwer.

„Hör auf“, sagt meine Frau „du Rechengenie,
sonst schaffen wir die Sache nie!“"
Sie drückt mir einen Eimer mit Leim in die Hand.
„Das verteilst du jetzt akkurat auf die Wand.
Dann nimmst du die Rolle und ziehst sie schön knapp,
was unten zuviel ist, schneiden wir ab.“

Gesagt, getan wir fingen an!
Grad waren wir bei der siebten Bahn,
da wurde die erste wieder munter
und rutscht ganz langsam die Wand hinunter -
die zweite und die dritte hinterher …
Was hab ich gesagt: Tapezieren ist schwer!

Meine Frau sprang auf und wollt´ sie noch fangen,
schon hat sie im Eimer mit Kleister gehangen!
Ich rufe "pass auf!" Doch es war schon zu spät,
sie lag in der Brühe, obendrauf die Tapet´.
Mit blieb fast das Herz stehen, ich kann fast nicht mehr
und sage und seufze: Tapezieren ist schwer!

Obwohl völlig schuldlos trifft mich die Mahnung,
ich wäre ungeschickt, ich hätte keine Ahnung.
Sie guckt die Tapete an und sagt ganz verhagelt:
„So, jetzt geht’s rund, jetzt wird genagelt!“
Sie nimmt den Hammer und peilt an die Wand,
dabei hält sie den Nagel verkehrt in der Hand.

„Da guck mal“, sagt sie „jetzt kommt die Pleite,
der hat ja den Kopf auf der falschen Seite!“
Ich sage: "Du hast zuwenig Verstand!
Das ist die Spitze, die gehört in die Wand!
Lass mich mal probieren, gib den Hammer her,
du bist zu dumm dazu. Tapezieren ist schwer!“

Dann hab ich gehämmert, gekloppt wie ein Schuster,
Nagel auf Nagel, Muster auf Muster.
Nach dreieinhalb Stunden, da war ich es satt,
der Hammer war glühend, der Daumen war platt.
Drei Kilo Nägel hab ich verschlissen,
die Wand sah aus wie von Fliegen beschissen.
Die Bahnen hingen kreuz und quer,
ein paar waren zerrissen … Tapezieren ist schwer!

Nun hat meine Adelheid einen praktischen Sinn
und hängt an jeden Nagel ein Bildchen hin,
links der alte Kalender, das sieht ein Blinder,
rechts die Oma, die Tante, die Kinder.
Die Wohnung, die wirkt jetzt enorm familiär,
nur die Tapete, die sieht man nicht mehr.

Zum Schluss haben wir noch die Fenster lackiert
und dabei ist dann ein Malheurchen passiert.
Fenster streichen ist ja kein Problem,
nur die Rahmen von außen, das ist unangenehm.
Ich spreche: „Ich will nicht, ich habe keine Courage,
das schmale Brettchen, die erste Etage!“

„Nun mach keinen Ärger“, flötete sie,
„ich werde dir helfen, ich weiß auch schon wie!
Wir nehmen die Tür vom Schlafzimmerschrank
und legen sie quer auf die Fensterbank.
Streich du ruhig draußen und fürchte dich nicht,
ich halte ja drinnen das Gegengewicht.“

In der einen Hand den Pinsel und vom Lack den Rest,
mit der anderen Hand hielt ich mich krampfhaft fest.
Mit der einen wollt´ ich - da wurde mir flau -
unten gähnte der Abgrund und drinnen meine Frau.
Da keift sie von drinnen raus:
„Sag bist du bald fertig, wie sieht es denn aus?“
Ich sage: „Prima, mir gefällt es!“
… da schellt es!

Meine Frau springt auf, um zu sehn, wer da ist,
da ging es mit mir abwärts mit Lack und Gerüst.
Ich landete genau mit der Rückseite vom Bauch
neben der Haustür im Rosenstrauch.
Mir wurde es vor Augen ganz himmelblau,
da erscheint in der Tür der Kopf meiner Frau.
Sie fragt mit dem dümmsten Gesicht von der Welt:
„Was machst du denn hier? Hast du geschellt?“

Aber jetzt sind wir fertig, so ungefähr -
nur ein gelernter Tapezierer, der muss noch mal her.
Und wenn ihr mich fragt, ich sag es frei heraus:
Tapezieren ist einfach - probiert es doch mal aus.

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