Pfingsten – Esser

Pfingsten

Autorin: Anna Esser

 

Es läuten die Glocken das Pfingstfest ein,
Nun schmücken mit Kränzen sich Felder und Hain,
Es flicht sich die Ähre in’s goldene Haar,
Des Mohns rote Blüte, die Kornblume klar.

In rosigem Prangen der Dornbusch erblüht,
In lodernden Gluten die Nelke entsprüht,
Still schmückt sich die Lilie mit Atlasweiß,
Mit silbernen Dolden das Fliederreis.

Es rauschet der Wälder gewaltiger Chor,
Es duften die Felder Weihrauch empor,
Und jubelnder Hymnen flutender Schall, —
Ein Friedensklang, — wogt er durch’s feiernde All.

Ob Täler und Höhen, auf üppiger Flur
Des schaffenden Geistes segnende Spur,
Im sprossenden Drange sein Walten webt,
Aus blühendem Leben sein Hauch entschwebt.

O Geist, du der Zweien entstuthender Quell[1],
So schickst du von neuem die segnende Well[2];
Die Fluren, sie schlürfen verlangend sie auf, —
Du lenkst auch zur Menschheit des Gnadenstroms Lauf.

Doch wehe, sie raffen nur irdischen Tand,
Sie jagen und schaffen mit gieriger Hand.
Sie bieten Jehova hochmütigen Spott
Und lachen und höhnen: „Wer ist dieser Gott?“

O Mächt’ger! Dein Werde, ach, send’ es auf’s neu
Herab deiner Erde zur Neugeburt Weih’,
Und öffne die Herzen weit, weit deiner Macht,
Auf dass sie erstehen aus sündiger Nacht.

Ach, wie einst dein Brausen den Völkern erscholl,
Deiner Fittige Rauschen das Weltall durchquoll,
So zieh’ auf den Flügeln der Lieb’ bei uns ein
Und lass uns in Frieden ein Tempel dir sein!

[1]entstuthender Quell → veraltete poetische Formulierung für einen Ursprung oder eine Quelle, die aus etwas hervorgeht. Hier beschreibt sie den Heiligen Geist als die Kraft, die aus Gottvater und Sohn hervorgeht.

[2]Segnende Well → Die „segnende Welle“ ist ein poetisches Bild in geistlicher Literatur, das Gottes Gnade und Segen metaphorisch als wohlwollende Flut darstellt.

Klatschmohn in einem Gerstenfeld
Klatschmohn in einem Gerstenfeld
Bild von congerdesign auf Pixabay
Die leuchtend roten Blüten verwandeln viele Wiesen und Wegränder in ein echtes Farbenmeer.

Orientalischer Riesenmohn
Orientalischer Riesenmohn
Foto: © Winfried Seiler
Ein besonderes Merkmal dieser beliebten Gartenstaude ist, dass sie nach der Blüte im Frühsommer komplett ihre Blätter einzieht (Sommerpause) und erst im Herbst wieder frisches Grün austreibt.

Ihre Meinung zum Beitrag

Schreiben Sie einen Kommentar. Ihre Meinung ist uns und den Autoren wichtig! Schenken Sie Lesern des Artikels mit Ihrem Kommentar einen „Mehrwert“, indem Sie konstruktive Kritik äußern, Ihre Erfahrungen, Anregungen und Gedanken weitergeben oder weitere Informationen mitteilen.


Kommentar hinzufügen

* Pflichtfeld
1000
Drag & drop Bilder (max 3)
Wie lautet der letzte Buchstabe des Wortes „Telefon“?

Kommentare

Noch keine Kommentare, sei der erste Poster!