Abendstern
Autor: Clemens Brentano
Schlaf nur ein geliebtes Leben,
Schlaf, ich will ja gern zufrieden sein,
Deine lieben Augen geben
Dennoch deinem Diener hellen Schein.
Hast du dich verschlossen,
Will ich unverdrossen
Liebend doch vor deiner Türe stehn;
Dass sie Liebe quäle,
Jauchzet meine Seele,
Darf ich liebend doch an deiner Türe stehn.
Schlaf nur ein, dein Sternenschimmer
Lässt mich nie zu meinem Bette gehn,
Meine müden Augen sehn dich immer,
Bis sie vor den deinen untergehn,
Wie die Blätter fallen,
Also werd ich fallen,
Unter deinem Fuße rauschen hin,
Mild bist du den Armen,
Trage mir Erbarmen,
Unter deinem Fuße rausch ich hin.
Schlaf nur ein, und heiß mich wachend gehen,
Herz und Seele bleibet doch bei dir,
Will mir mit dem Tag die Sonne untergehen,
Ist ein Liebeshimmel doch in mir,
Denn da seh ich immer
Deiner Sterne Schimmer,
Wie sie flüchtig auf mein Herze gehn,
Säh ich dich doch morgen,
Ließ ich alle Sorgen
Also flüchtig durch mein Herze gehn.
Bild von Bruno auf Pixabay
Mond und Venus im Nachthimmel
Was faszinierte die Romantiker so sehr an der Nacht? In seinem berühmten Gedicht zeigt der Autor, wie aus Dunkelheit, Einsamkeit und schmerzhafter Liebesdistanz ein tröstlicher, kosmischer Zufluchtsort wird. Begleiten Sie uns auf eine Reise in das Innere eines lyrischen Ichs, das in der Stille der Nacht Trost und unendliche Treue findet.

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