April Gedichte

Im April kommt der Frühling so richtig in Gang: Obstbäume blühen, Rotkehlchen singen und die Schwalben kehren zurück. Auch die ersten Schmetterlinge sind im Garten zu entdecken.

Inhaltsverzeichnis

Gedichte

April

Autor: Cäsar Flaischlen

Und wenn du jetzt aufwachst morgens …
ganz leis und fein
spielt um die Dächer
der Sonnenschein,
und du bist nicht mehr müde,
wie sonst, und verzagt:
was soll nun wieder
voll Mühsal und Plag
der ganze lange endlose Tag!?

Froh und munter
geht′s ihm entgegen,
und alles ist so wunderbar
frisch und stark und hell und klar,
das ganze Leben so frei, so leicht,
dass du dich selber drüber wunderst:
von was für töricht dummen Dingen
du das Herz dir ließest zwingen
und kaum begreifst:
mit welch erbärmlichen Kleinigkeiten
die Menschen sich das Leben verleiden …

Kleinigkeiten, ob denen es kaum
der Mühe wert, ein Wort zu verlieren,
geschweige denn tage- und wochenlang
zu quälen sich und zu schikanieren …
und vollends jetzt, da′s Frühling wird
und, wenn du aufwachst morgens,
ganz leis und fein
um die Dächer spielt
der Sonnenschein
und alles rings so wunderbar
frisch und stark und hell und klar …
wozu sich da grämen und betrüben!
nein, weg mit all den Schererei′n!
es lohnt sich da wahrlich nur: zu lieben!
es lohnt sich da wahrlich nur: froh zu sein!

Schmetterling an Lavendelblüte
Schmetterling an Lavendelblüte
Bild von Magdalena Jasinska-vetter auf Pixabay

April – Jacobi

Autor: Johann Georg Jacobi

Was kümmert’s dich in deinen Wolken droben,
Du launischer April,
Ob wir dich tadeln, oder loben?
Ein großer Herr tut meistens, was er will.
Auch halten wir geduldig still,
Und leiden, was wir leiden müssen.
Gib uns zuweilen nur ein wenig Sonnenschein,
Damit wir dessen uns erfreun:
Dann magst du wiederum mit Schnee und Regengüssen,
Mit Sturm und Blitz und Hagel dir
Bei Tag und Nacht die Zeit vertreiben!
In unsrer kleinen Wirtschaft hier
Soll dennoch gutes Wetter bleiben.

Wolkenwand über einer Wiese
Wolkenwand über einer Wiese
Bild von Helga Kattinger auf Pixabay

April

Autor: Detlev von Liliencron

Wie der Südwind pfeift,
In den Dornbusch greift,
Der vor unserm Fenster sprießt.
Wie der Regen stürzt
Und den Garten würzt
Und den ersten Frühling gießt!

Plötzlich säumt der Wind,
Und der Regen rinnt
Spärlich aus dem Wolkensieb.
Und die Mühle dreht
Langsam sich und steht,
Die noch eben mächtig trieb.

Schießt ein Sonnenblick
Über Feld und Knick,
Wie der Blitz vom Goldhelm huscht,
Und auf Baum und Gras
Schnell im Tropfennass
Tausend Silbertüpfel tuscht.

Wieder dann der Süd,
Immer noch nicht müd,
Zornt die Welt gewaltig an.
Und der Regen rauscht,
Und der Garten lauscht
Demütig dem wilden Mann.

Meiner Schulter dicht
Lehnt dein hold Gesicht,
Schaut ins Wetter still hinein.
Kennst das alte Wort,
Ewig treibt es fort:
Regen tauscht und Sonnenschein.

Windmühle in der Dämmerung
Windmühle in der Dämmerung
Bild von Manolo Franco auf Pixabay

April

Autor: Julius Rodenberg

Bald ein raues kaltes Rauschen,
Dass der dunkle Forst erkracht;
Bald ein Flüstern, Kosen, Lauschen,
Wie die stillste Frühlingsnacht.

Bald der Himmel, bald die Sonne,
Bald die Wolken, bald der Schnee –
Wie der Liebe erste Wonne,
Wie der Liebe erstes Weh.

Bald das Jauchzen, bald die Trauer
In der aufgeregten Brust –
Und noch halb in Winterschauer,
Und schon halb in Frühlingslust.

Bald ein ungestümes Ringen,
Bald ein Frieden sonntagsstill –
O, was wirst du mir noch bringen
Schöner, stürmischer April?

Blühende Zierjohnnisbeere im Schnee
Blühende Zierjohnnisbeere im Schnee
Bild von Frauke Riether auf Pixabay

April

Autor: Heinrich Seidel

April! April!
Der weiß nicht, was er will.
Bald lacht der Himmel klar und rein,
bald schaun die Wolken düster drein,
bald Regen und bald Sonnenschein!
Was sind mir das für Sachen,
mit Weinen und mit Lachen
ein solch Gesaus zu machen!
April! April!
Der weiß nicht, was er will.

O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee
und schneit mir in den Blütenbaum,
in all den Frühlingswiegentraum!
Ganz greulich ist's, man glaubt es kaum:
Heut Frost und gestern Hitze,
heut Reif und morgen Blitze,
das sind so seine Witze.
O weh! O weh!
Nun kommt er gar mit Schnee!

Hurra! Hurra!
Der Frühling ist doch da!
Und treibt der rauhe Wintersmann
auch seinen Freund, den Nordwind, an
und wehrt er sich, so gut er kann –
es soll ihm nicht gelingen:
Denn alle Knospen springen,
Und alle Vögel singen.
Hurra! Hurra!
Der Frühling ist doch da!

Buschwindröschen, Anemone
Buschwindröschen, Anemone
Bild von Albrecht Fietz auf Pixabay
Die mehrjährige Pflanze gedeiht gut unter Bäumen und Sträuchern. Sie blüht von März bis Mai meist reinweiß, zeigt gelegentlich aber auch leicht rosa überhauchte Blütenblätter.

April

Autor: Theodor Storm

Das ist die Drossel, die da schlägt,
Der Frühling, der mein Herz bewegt;
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
Die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fließet wie ein Traum –
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.

Amsel auf Lorbeerhecke
Amsel auf Lorbeerhecke
Bild von Matteo Baronti auf Pixabay
Heimische Drosselarten sind Amsel, Ringdrossel, Misteldrossel, Singdrossel, Wacholderdrossel und Rotdrossel , zu beobachten vor allem in Parks, offenen Wäldern und an Waldrändern.

April, April

Autor: Olaf Lüken

Es regnet mal laut und mal ganz still.
Es regnet zu wenig oder viel zu viel.
Beginnt der April mit Sonnenschein,
fällt ihm nach Stunden Neues ein!

Was zum Donner schreibe ich nur?
Erst Regenschauer, dann Hitze pur.
Sturm und Hagel, die uns quälen:
„Welche Kleidung soll ich wählen?“

Mal sind die Tage schön, mal schlecht.
Der Monat macht es keinem recht.

Es klagt der König, das Volk, der Knecht:
„Der Monat April ist doch nicht echt?“

Wenn der Schnee auf Blüten rieselt,
Petrus auf die Erde pieselt1
Wenn Natur - doll wie ein Kind,
weiß die Welt: "Der April, der spinnt!"

Ob Schneefall oder Graupelschauer,
der Mensch sucht Wärme, nicht die Trauer.
Doch lacht der April den Mai mal an,
weiß die Welt, was der Mai viel besser kann!

© Olaf Lüken

1 Pieseln → pinkeln (umgangssprachlich)

Blütenblatt einer Azalee
Blütenblatt einer Azalee
Bild von 👀 Mabel Amber, who will one day auf Pixabay
Rhododendron und Azaleen gelten als eine der beliebtesten Sträucher im Garten. Sie bestechen mit kräftigen Farben und spannenden Blüten.

April, April (2025)!

Autor: Olaf Lüken

Ist es die Drossel, die dort schlägt?
Ist es der Monat, der mich bewegt?
Es blüht und wächst, der ganze Reigen.
Die Düfte aus der Erde steigen.
April schafft sich im Frühling Raum.
Die Börse crasht. O alper Traum!

© Olaf Lüken

Börsencrash nach Trumps Zöllen
Börsencrash nach Trumps Zöllen
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Aprilabend

Liebesgedicht
Autorin: Annie Vivanti

's war im April. Schon neigte sich der Tag,
Doch war der Himmel noch ganz klar zu schauen,
Tiefes Orange unter sanftem Blauen,
Und drunterhin mit raschem Flügelschlag
Ein Schwarm von braunen Schwalben.

Wir hörten, wie einander in der Luft
Anriefen trauervoll die Turteltauben,
Und der Glycinie junge Blütentrauben
Vereinten ihren Hauch dem Balsamduft
Der Veilchen und Narcissen.

Wir spähten, eng beisammen, ob wir nicht
Rosen und bunte Anemonen fänden,
Und hielten fest, so fest uns an den Händen,
Doch Keines sah dem Andern ins Gesicht
Und wagt' ein Wort zu sprechen.

Da plötzlich bleibt er stehn, drückt mich ans Herz,
Das Antlitz bleich, die Augen wie zwei Flammen.
Wie oft er mich geküßt, wer zählt's zusammen?
Doch alle Blumen fielen erdenwärts -
Keins hat sie aufgehoben.

Glycinie, Wisteria, Blauregen
Glycinie, Japanischer Blauregen (Wisteria floribunda)
Fotograf: KENPEI, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Japanischer Blauregen ist eine wüchsige Kletterpflanze, die bis zehn Meter hoch werden kann. Atemberaubend ist das Blütenmeer während der Blütezeit im Mai und Juni.

Aprilmorgen

Autor: Josef Leitgeb

Der Mond erlischt, der Wind regt sich nicht wieder.
O Erde, öffne dich mit Wald und Tal!
Der Himmel rauscht mit vollen Güssen nieder,
und, selig Schluchzende, mit einem Mal
strömt über dich ein Meer von weißem Flieder
und junge Drosseln schlagen ohne Zahl.

Unendlich öffnet sich der Himmelsbogen,
aus brauner Krume schwillt das feuchte Grün,
durchs offene Fenster kommt sein Duft gezogen
aus Wiesen, die in Freudentränen glühn
und die, von Vogelliedern überflogen,
in meine ausgespannten Arme blühn.

Weiße Fliederblüte im April
Weiße Fliederblüte im April
Bild von Wolfgang Eckert auf Pixabay

Aus einem April

Autor: Rainer Maria Rilke

Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.

Wiese nach einem Aprilregen
Wiese nach einem Aprilregen
Bild von Joe auf Pixabay

Erster April

Autor: Albert Sergel

Unterm Windstoß rauscht der Regen
schärfer in die grünen Blätter;
auf den aufgeweichten Wegen,
Kragen hoch, ins tollste Wetter
spring ich mit verwegenem Mute.
Und der Segen will nicht enden,
und mit Munde und mit Händen
hasch’ ich nach den Himmelsspenden.

Sorglos pfeif’ ich, frechvermessen,
eine Schelmenweis; indessen
lacht die helle Sonne wieder
warmen Gruß, die Liebe, Gute,
von dem blauen Himmel nieder,
trocknet schnell die nassen Kleider,
Hut und Mantel und so weiter,
lässt an Gras und Blätterspitzen
tausend Diamanten blitzen,
und ich fühle mich so reich:
Bin ich nicht dem König gleich?

Das sind meine Kronjuwelen,
und die kann kein Diebesvolk stehlen.
Alle schenk ich meinem Schatze,
der soll sie am Busenlatze,
soll am Hals, im Haar sie tragen,
wenn ich in den nächsten Tagen
sie als holde Königin
führe durch mein Reich dahin.

Ach! was wird sie lustig lachen,
tausend tolle Sachen machen!
Wird die schönsten Brillanten,
die im Sonnenlichte glühen,
Kronrubine und Demanten,
mit den kecken Fingerspitzen
– dieses Glitzern! dieses Sprühen! –
juchzend in die Lüfte spritzen;
wird an allen Zweigen rütteln,
die Smaragde und Topase
kichernd von den Bäumen schütteln
und ein süßes Mäulchen ziehen,
pitscht ihr einer auf die Nase.

Und an einem abgelegnen
mir und einzig meinem Schätzchen,
meinem wilden Schmeichelkätzchen,
wohlvertrauten stillen Plätzchen
wird es Küsse, Küsse regnen,
und ich halte duldsam still …
Aus dem Wald wie süße Geigen
wird ein seltsam Flüstern steigen,
und man weiß nicht, was es will …

Ssst …! Da plirrt es in den Zweigen,
Regentropfen fallen dichter;
durch des Waldes Dämmerschweigen
plustert elfisches Gelächter,
dass sich alle Büsche neigen,
und es lacht: „Verliebter Dichter!“
Ferner noch: „April! April!“

Glitzernde Regentropfen an einem Baum
Glitzernde Regentropfen an einem Baum
Bild von dustfox auf Pixabay

Im April

Autor: Emanuel Geibel

Du feuchter Frühlingsabend,
Wie hab’ ich dich so gern!
Der Himmel wolkenverhangen,
Nur hie und da ein Stern.

Wie leiser Liebesodem
Hauchet so lau die Luft,
Es steigt aus allen Talen
Ein warmer Veilchenduft.

Ich möcht’ ein Lied ersinnen,
Das diesem Abend gleich,
Und kann den Klang nicht finden,
So dunkel, mild und weich.

Stiefmütterchen mit violett-weißen Blüten
Stiefmütterchen mit violett-weißen Blüten
Bild von Manfred Richter auf Pixabay

Zitronenfalter im April

Autor: Eduard Mörike

Grausame Frühlingssonne,
Du weckst mich vor der Zeit,
Dem nur in Maienwonne
Die zarte Kost gedeiht!
Ist nicht ein liebes Mädchen hier,
Das auf der Rosenlippe mir
Ein Tröpfchen Honig beut,
So muss ich jämmerlich vergehn
Und wird der Mai mich nimmer sehn
In meinem gelben Kleid.

Zitronenfalter an Hornveichen
Zitronenfalter an Hornveichen
Bild von Willgard Krause auf Pixabay

Zum Tag der Erde

Info:
Zum Tag der Erde, der alljährlich am 22. April in über 175 Ländern begangen wird. Er soll die Wertschätzung für die natürliche Umwelt stärken, aber auch dazu anregen, das Konsumverhalten zu überdenken.

Großer Geist

Indianische Weisheit, Autor unbekannt

Großer Geist,
gib uns Herzen, die verstehen:
nie von der Schöpfung mehr zu nehmen als wir geben,
nie mutwillig zu zerstören zur Stillung unserer Gier,
nie zu verweigern unsere Hand,
wo es gilt, der Erde Schönheit aufzubauen,
nie von ihr zu nehmen,
wes wir nicht bedürfen.

Erde in der Schraubzwinge
Erde in der Schraubzwinge
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Wir verdrecken den Bach

Graffito, Autor unbekannt

Wir verdrecken den Bach,
der Bach fließt in den Fluß,
der Fluß fließt in das Meer,
das Meer fließt über die Erde.
Frage: Was verdrecken wir?

Grüner und grauer, felsiger Berg am Fluss
Grüner und grauer, felsiger Berg am Fluss
Foto von Pavol Svantner auf Unsplash