Fundbüro, Gedicht – Festgestaltung

Fundbüro

Autorin: Marie-Luise Wendland

Ins Fundbüro des Lebens
kommt niemand je vergebens.
Was mancher so verliert,
liegt in Regalen detailliert.

Was soll ich denn nur machen,
fragt eine junge Frau,
ich hab verlorn mein Lachen.
Mein Leben ist nun grau.

Dort oben im Regale,
gleich in der ersten Reih’,
hört man ganz leis Signale
wie unterdrückten Schrei.

O, sie ist überglücklich,
als sie es hat erkannt.
Bedankte sich ausdrücklich,
dass sie ihr Lachen fand.

Da kommt herein ein junger Mann,
blasiert, sehr übertrieben,
Er schreit, was fange ich nur an,
wo ist Natürlichkeit geblieben.

Im Kästchen, das sehr unscheinbar,
da hat er sie gefunden.
Er fühlt sich jetzt ganz wunderbar,
ist frei und ungebunden.

Es kommt ein altes Mütterlein
ins Fundbüro des Lebens.
Was wird wohl ihr Begehren sein,
kommt sie vielleicht vergebens?

Mit Augen, traurig und betrübt,
schaut sie in die Regale,
als hätt sie Suchen schon geübt,
als wär es das Normale.

Dort findet sie mit spitzem Schrei,
das, was sie hat verloren.
Viel Freude, Hoffnung auch dabei,
fühlt sich wie neu geboren.

Wenn du mal was verloren hast,
so geh ins Fundbüro.
Sei zuversichtlich und gefasst,
dann wirst du wieder froh.

Wirst finden auch nach langer Zeit,
was du schon lang vermisst.
Vielleicht die Unbekümmertheit,
mit der du glücklich bist.

© Marie-Luise Wendland

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