Gedichte über Tränen

Tränengedichte, Gedichte über Tränen

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Gedichte

Aus meinen Tränen sprießen

Autor: Heinrich Heine

Aus meinen Tränen sprießen
Viel blühende Blumen hervor,
Und meine Seufzer werden
Ein Nachtigallenchor.

Und wenn du mich liebhast, Kindchen,
Schenk ich dir die Blumen all,
Und vor deinem Fenster soll klingen
Das Lied der Nachtigall.


Das Tal der Tränen

Autorin: Marie-Luise Wendland

Im Tal, da liegt ein tiefer See.
Ein Wasserfall ist in der Näh.
Es sammeln sich, ich möcht’s erwähnen,
von allen Menschen dort die Tränen.

Die Tränen, die aus Wut geweint,
aus Freude auch, so wie es scheint.
Doch kommen her von Weit und Breit
auch Tränen, die geweint vor Leid.

Die sammeln sich in diesem See,
beim Wasserfall, der in der Näh.
Und jedes Tränchen hat Geschichte
und glitzert in dem Sonnenlichte.

Die Freudentränen glitzern hell
Und hüpfen lustig auf der Stell.
Die Tränen, die geweint aus Wut,
ziehn durch den See wie eine Flut.

Die Tränen, nur aus Leid geweint,
die sind auch hier im Schmerz vereint.
Sie sind sehr dunkel, tauchen unter,
sind nicht, wie alle andern, munter.

Unheimlich ist es nachts am See.
Fühl mich nicht wohl in seiner Näh.
Ich fliehe diesen seltnen Ort,
Geräusche sind da immerfort.

Denn in der Nacht hört man ein Wispern,
ein Schluchzen, Lachen und ein Flüstern,
wenn jede Träne hier erzählt,
was sie einst freute und gequält.

© Marie-Luise Wendland

Tränen
Tränen
Bild von Gordon Johnson auf Pixabay

Die Tränen

Autor: Victor Hugo

Die Tränen stehen selbst dem Glücke gut.
Dein Sang ist schöner in der Tränenflut,
Getrocknet schöner deine Augen.
Ein Sommerregen zieret das Gefild,
Der Himmel glänzt im Sonnenscheine mild,
Durft er den Regen in sich saugen.


Tränen

Autor: Olaf Lüken

Wenn Tränen in die Ozeane fließen,
wenn Tränen aus vielen Wolken schießen,
wenn Tränen entlang der Wangen rinnen,
dann wird es Zeit, sich neu zu besinnen.

Tränen, die unsere Gemüter bewegen,
Tränen, die fallen, wie ein Perlenregen.
Oft hilft ein nachhaltiger Tränenfluss,
weil Anspannung sich entladen muss.

Nimm ein saub'res Taschentuch,
schlag schnell auf dein Liederbuch.
Mit Gesängen kannst du im Stillen
Tränen stoppen mit deinem Willen.

Hinter jedem Tränenband,
ein Mensch ’ne neue Liebe fand.

© Olaf Lüken

Trauriges Mädchen
Trauriges Mädchen
Bild von Kimut auf Pixabay

Trost in Tränen

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

Wie kommt’s, daß du so traurig bist,
Da alles froh erscheint?
Man sieht dir's an den Augen an,
Gewiß, du hast geweint.

„Und hab ich einsam auch geweint,
So ist’s mein eigner Schmerz,
Und Tränen fließen gar so süß,
Erleichtern mir das Herz.“

Die frohen Freunde laden dich,
O komm an unsre Brust!
Und was du auch verloren hast,
Vertraue den Verlust.

„Ihr lärmt und rauscht und ahnet nicht,
Was mich, den Armen, quält.
Ach nein, verloren hab ich's nicht,
Sosehr es mir auch fehlt.“

So raffe denn dich eilig auf,
Du bist ein junges Blut.
In deinen Jahren hat man Kraft
Und zum Erwerben Mut.

„Ach nein, erwerben kann ich’s nicht,
Es steht mir gar zu fern.
Es weilt so hoch, es blinkt so schön,
Wie droben jener Stern.“

Die Sterne, die begehrt man nicht,
Man freut sich ihrer Pracht,
Und mit Entzücken blickt man auf
In jeder heitern Nacht.

„Und mit Entzücken blick ich auf,
So manchen lieben Tag;
Verweinen laßt die Nächte mich,
Solang ich weinen mag.“


Ungeduld

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

Immer wieder in die Weite,
Über Länder an das Meer,
Phantasien, in der Breite
Schwebt am Ufer hin und her!
Neu ist immer die Erfahrung:
Immer ist dem Herzen bang,
Schmerzen sind der Jugend Nahrung,
Tränen seliger Lobgesang.


Waldlied

Autor: Nikolaus Lenau

Durch den Hain mit bangem Stoße
Die Gewitterlüfte streichen;
Tropfen sinken, schwere, große,
Auf die Blätter dieser Eichen.

An ein banges Herzensklopfen
Mahnt mich dieser Bäume Schwanken,
Mahnt mich an Gewittertropfen,
Die aus lieben Augen sanken.

Muss ein großer Schmerz in Zähren
Sich entlasten unaufhaltsam,
Stürzen ihm die großen, schweren
Tropfen plötzlich und gewaltsam.

War die Träne noch zu fassen,
Kam sie nicht hervorgebrochen,
Denn der Schmerz will sie nicht lassen,
Will sie heißer, herber kochen.

O! es waren heiße, herbe,
Die aus ihren Augen quollen;
Und ich werde, bis ich sterbe,
Sehen diese Tränen rollen.