Gedichte über Worte

Sammlung von Gedichten zum Thema Worte und Wortspiele

Übersicht

Gedichte

Das Wörtlein

Autor: Christian Morgenstern

Kürzlich kam ein Wort zu mir,
staubig wie ein Wedel,
wirr das Haar, das Auge stier,
doch von Bildung edel.

Als ich, wie es hieße, frug,
sprach es leise: „herzlich“.
Und aus seinem Munde schlug
eine Lache schmerzlich.

Wertlos ward ich ganz und gar,
riefs, ein Spiel der Spiele,
Modewort mit Haut und Haar,
Kaviar für zu viele.

Doch ich wusch’s und bot ihm Wein,
gab ihm wieder Würde,
und belud ein Brieflein fein
mit der leichten Bürde.

Schlafend hat’s die ganze Nacht
weit weg reisen müssen.
Als es morgens aufgewacht,
kam ein Mund – es – küssen.


Ein gutes Wort ist wie ein Samenkorn

Autor: Cäsar Flaischlen

Ein gutes Wort ist wie ein Samenkorn;
es schweigt und schläft
und wacht erst auf
und wird zu Sinn erst und zu Sein,
säst du’s in deine Erde ein
und schaffst du dir’s zu eigenem Leben!


Ein schönes Wort

Autor: Ernst von Feuchtersleben

Ein schönes Wort
Gilt hier und dort;
Ein gutes Wort
An jedem Ort;
Ein wahres Wort
Pflanzt sich allmählich fort und fort.


Was ist wichtiger – das Wort oder die Tat?

Autor: Olaf Lüken

Ein ehrlich Wort an rechter Stelle,
hilft dem, der sich mit Worten plagt.
Das Wort ist Himmel oder Hölle.
Ich hab’s gesagt und auch gewagt!

Die Welt, sie giert nach Herzenswärme,
in dieser ach so kalten Welt.
Die Hoffnung sitzt meist im Gedärme.
Die Welt braucht keinen Superheld.

Ein Wort kann Krieg, auch Frieden stiften.
Ein Wort, es ehrt und es verheert.
Mit Worten kann man Lippen liften.
Ein Wort ist heute wenig wert.

Auch Taten tragen der Toten Tafeln.
Vor dem Wort sollte ein Denken stehn.
Mit Worten reden oder schwafeln.
Das Land will endlich Taten sehn!

© Olaf Lüken


Wörterwälder

Autor: Olaf Lüken

Ich wurde betrogen und habe gelogen.
Habe die Wahrheit selten aufgesogen.

Worte sind staubig, wie ein Wedel,
zeugen von Bildung, sind sehr edel.
Mit Worten man deutlich machen will,
wer man heute ist, ein Mensch mit Stil.

Helfen Worte uns wirklich weiter?
Sie sind ehrlich, ironisch, heiter.
Worte verletzen, Worte zerfetzen.
Worte heilen, im Gedächtnis verweilen.

Worte können Felsen zerschmettern,
Worte können Wälder entblättern.
Das Wort glüht und brennt.
Das Wort, es schneidet und trennt.

Worte gehen durch Mark und Bein.
Mit Worten schlägt man Schädel ein.
Das Wort ist Licht im dunklen Tal.
Das Wort wirkt wie ein Sonnenstrahl.

Worte sind Pfeile, treffen ins Herz.
Worte sind Balsam, lindern den Schmerz.
Worte, fragil wie Porzellan,
Worte kündigen Lügen an.

Worte haben oft Gewicht.
Nur den anderen
interessieren sie nicht.

© Olaf Lüken


Wort-wechsel

Autor: unbekannt

Viele Worte folgen ständig
denke ich der falschen Bahn
und es wäre zu aufwendig
kämen sie denn richtig an

So gelangen sie an Stellen
wo sie Fehl am Platze sind
mancher wird in solchen Fällen
dann vor Dummheit taub und blind …


Worte

Autor: Karl Stelter

Die Worte sollen nicht Dornen sein,
Das bange Herz zu verwunden –
Es wird ja doch so selten ein Strauß
Von Rosen dem Leben gebunden.

Und wo so spärlich die Rosen blühn,
Verhüllt nur die Sterne scheinen,
Da darf durch’s spitzige Wort kein Aug’
Eine einzige Träne weinen.

Es sei das Wort fürs klagende Herz
Balsam der Wiederbelebung,
Zu Grabe tragend den herben Schmerz
Mit stillem Trost der Ergebung.


Worte

Autor: unbekannt

Das egoistischste Wort – „Ich“
Vermeide es

Das erfüllendste Wort – „Wir“
Verwende es

Das meist vergiftete Wort – „Ego“
Töte es

Das berührendste Wort – „Liebe“
Bewerte es

Das angenehmste Wort – „Lächeln“
Halte es

Das am schnellsten verbreitete Wort – „Gerücht“
Ignoriere es

Das härteste Arbeitswort – „Erfolg“
Erziele es

Das Neid verursachende Wort – „Eifersucht“
Distanziere dich

Das leistungsfähigste Wort – „Wissen“
Erwerbe es

Das wesentlichste Wort – „Vertrauen“
Vergiss es nie!


Worte die oft Schall und Rauch

Autorin: Heidi Hollmann

Worte die oft Schall und Rauch
Sollte man bei sich behalten
Denk ich mir und meine auch
Alles bleibt ja eh beim alten

Menschen sind seit Menschgedenken
Sich beständig treu geblieben
Wenn sie die Gedanken lenken
Sparen sie auch nicht mit Hieben

Ändern werden sie sich kaum
Haben Hader raufbeschworen
Werden rot bis an die Ohren
Und ihr Mund ist voller Schaum

Üben sich stets im Vergeben
Was weiß Gott nicht einfach ist
Setzen sich auch eine Frist
Fangen wieder an zu leben

Bis sie überschwemmt die Gnade
Und sie zur Besinnung kommen
Sie mutieren zu den Frommen
Auf dem letzten Lebenspfade

© Heidi Hollmann