Der Pantoffelheld, Büttenrede – Festgestaltung

Der Pantoffelheld

gehalten vor etwa 40 Jahren in Kiel

Ihr könnt Euch freuen!

Für mich is' Feierabend-ich bin verheiratet-ooh, ooh. Als ich nach der Trauung vom Standesamt mit der Straßenbahn nach Hause gefahren bin, halt ich mich oben am Riemchen fest, kommt der Schaffner, klopft auf de' Schulter un saacht zu mir: Bürschchen...".

De Mann hat et jut jemeint! Wär ich doch durchjejange! Verzeicht-Ihr kennt meine Frau nich-Ooh.

Zwei Zentner-ich glaub, die is ja nich auf einmal auf de Welt jekommen-die is in Raten jeboren. Wenn die untersucht wird, muss der Kreisarzt kommen.

Die hat aber was mitjebracht: Ich denk, die bringt Mitjift mit bringt die Jift mit.

Die Schwiejer- ooh - Schwiejermutter - und die is zweieinhalben Zentner schwer. Jetz könnt Ihr Euch ausrechnen, wenn wir drei in de kochnische stehen, komm ich aus dem Kohlenkasten überhaupt nich mehr raus.

Dieser Dach' komm ich nach Haus - während der Winterschluß- verkaufszeit - schließ' die Tür auf, denk ich, schau, schau, schau was erblicken deine Äugelein?

Läuft meine Frau in einem neuen Kleid herum, Schwiejermutter hat ene neue Bluse mit nem Kopduch.

Ich Idiot sage:"Wat seid ihr fein!"

Sacht se: "Seid's ruhich", sacht se, "was Du hier an neuen Sache siehs, haben wir von unserem eijnen Jelde jekauf - Merk Dir das!".

Sach ich: "Mir is alles egal. Eine Fraje, wie kommt Ihr an das eijene Jeld?"

Da sacht die zu mir: "Wir haben Deine joldene Uhr verkauft."

Da übermannte mich der Zorn, ooh, ooh. Nehm' die Pfanne vom Ofen mit de Kartöffelche, mit de pommes de tärres, hähä, pfuit - durchs Fenster.

Wat tut meine Frau? Nimmt die einen Stuhl, schleudert den auch rund, und wirft den hinterher.

Sage:"Muttimaus, was soll das bedeuten?"

"Oh,"sacht sie, "ich dacht, Dir wär es zu warm in de Küche und - Du wolltest was im Freien essen."

Im Verlaufe der Kampfhandlungen hat die Alte mich auf einmal am Halse jeschnappt, hähähä, hält mich mit einer Hand zum Fenster raus und ich Rindvieh saje auch noch: „Willst du wohl loslassen?“ – Das war der erste Wunsch, den Sie mir erfüllte.

Ich habe aber auch schöne Stunden in meiner Ehe - sonnige Stunden. Das sind die Stunden, wenn die zwei verreist sind. Dann bin ich Herr im Hause. Da kann ich de Treppe putzen, wann ich will. Da kann ich auch de Wäsche einsetzen, wann ich will.

Zuletzt sind se auch verreist, hat se mir de Wäsche stehen lassen - von drei Wochen! En Bütchen Bunt und en Bütchen Weiß. Damit ich nun schneller fertig wurde, habe ich das janze Zeuch in einem Kessel jekocht.

Tu ich im Leben nicht mehr, es war ein bunter Nachmittag. Damit ich noch schneller fertisch wurde, habe ich dann n'janzes Paketchen Stärke rein jeschütt. Tu ich auch nich mehr - nee, sowas Steifes ham wir noch nie im Hause jehabt. Die Strümpfe braucht ich jarnicht mehr aufzuhängen, die hab ich in en Schirmständer gestellt. Die kriechste nur noch mit 'nem Schuhanzieher an de Föös.

Kaum war ich mit der Wäsche fertisch, schellt es. Ich denke: Nanu, nanu, es läuten die Glocken? Ich mache die Türe auf, steht die Jemüsefrau vor de Tür, hat en janzes Körbchen Spinat. Ich sach:"Wat is dat dann?" - "Hat Ihre Frau bestellt."

Jetzt stand ich da - mim Spinat, wir hatten noch keene Kirmes, sonst hätt ich en jestreut.

Als ich mir den drei Tag anjesehen hatte, wurde er traurig. Er ließ de köpfe hängen, Ich denk: Das Zeuch muß doch jejessen werden.

Jetz' hab' ich mir im Haus en Kochbuch jeliehen, steht da drin, Seite 22 "Gemüse - bereitet man auf foljende Art - zum Beispiel Spinat: Man entferne die Stiele von den Zarten Blättern, wasch den Spinat sehr sauber bis das es schäumt.

Den hab' ich jewaschen. Ich bin in der Schwimmhos' durch die Küche jesaust. Der hatte schon jar kein Fassong mehr, der sah aus wie Pfeffermünztee. Er hat auch nich jeschäumt. Was en Glück, das ich noch en Paketchen Seifenpulver gefunden hab.

Nee, ich esse so jerne Frikadellchen, is wahr, da hab' ich mir jesacht:"Du bis de Herr im Hause, ran anne Frikadellche." Jetz' hab' ich wieder nachjeblättert, steht da Seite 80, "Fleischgerichte - zum Beispiel 'Falsche Haase' oder 'Frikadellen' bereitet man auf folgende Art:Man kaufe ein Stück altjeschlachtetes Fleisch und treibe es durch einen Wolf."

Wie soll ich an en Wolf kommen?

Drei Dache lang hab' ich en Wolfjesucht - im Lääve nicht mehr - ich han mir einen jelaufen.

Dann heißt es immer. "Eßt mehr Fisch un ihr bleibt jesund."

Denk ich, jetz is Feierabend, jetzt bleibste jesund. Jetz' hab' ich mir fünf jrüne heringe jekauft - fünf Stück. Habe wieder im Märchenbuch nachjesehen. Steht da folgendes:"Fische - es ist wesentlich, daß man zunächst die Schuppen säuberlich entfernt. Hat man das getan, trockne man den Fisch gut ab, setze einen Kessel Wasser auf, bringe ihn zum Sieden un denn schrecke man den Fisch ab."

Da hab' ich de Wut jekrich. Da hab' ich jesacht: "So, Spinat war nichts, Frikadellen sin an de Nase vorbeijejangen, aber die Heringe können was erleben."

Dennen hab ich de Schuppen entfernt, die hatten kein Fell mehr auf dem Leib. - Ich habe zwei Fläschchen Haarwasser jebraucht.

Jetz hab ich's mit em Frottierhandtuch abjezockt, auf'n Tisch jelegt mit 'm Kopp zum Fenster zu.

Denk ich: So, jetz jets los. Jetz' bin ich janz leis raus jejange, habe das Licht ausjedreht, habe mich im Schlafzimmer schwarz jemacht, hab mir en Bettuch überjezoge, wieder janz leise rein vor die Fische und habe "Buh" jemacht.

Meinen Sie, die hätten sich erschreckt?

Die haben jestunke!

Nee, ich war froh, das die von de Reise wieder zurück warn, aber das tollste Ding erlaubte sich meine Schwiejermutter mit mir - dieses alte Raubtier.

Kommt se un sacht:"Schwiejersohn, komm mal her!" Ich sach: "Bitte?" Sacht se: "Du ziehs Dich sofort an, Du brings mich zur Bahn, ich reise ab."

Ich sach: "Schwiejermutter, Schwiejermütterlein, is es auch war?" So schnell hab ich mich im Lääve no nie anjezoge. Die Alte hat sich anjezogn, wir renne zum Bahnhof, das Unjlück schreitet schnell, kommt en Wolkenbruch - un de Alte - den janzen regen auf ihren neuen Hut! Da hat die mir einen Film jedreht.

Hat mich anjeschauzt: "Verdammte Schwiejersohn, häs keen Schirm bei Dir? Mein neuer Hut total versaut! Sach ich: "Ich kann do nicht rieche, das 's rejen jivt."

Jetz' hat die Selbstschutz jeübt, man soll es nicht für möchlich halte, hat die de Röcke jenomme, un hat die von de - ooh - es war wie 'ne Denkmalsenthüllung.

Ja Ihr lacht, ich stand da mit der, ne.

Ich saje:"Schwiejermutter, SOS! - Die Röcke herunteeer, Du krist en Keuchhuste. Merkste nich, du wirs je janz nass." Wissen Se, was die mir antwortet? – "Laß es das werden, das is jo alt jenuch, dä Hut is janz neu!"

Un darum möcht' ich mit dem Wort eines Dichters schließen, der sacht: „Es prüfe, wer sich ewich bindet, ob sich nich doch noch etwas besseres findet!“

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