Die Qual der Berufswahl, Büttenrede – Festgestaltung

Die Qual der Berufswahl

Büttenrede für 2 Personen – Vater und Sohn

Autor: Otto Kruse

Vater: Hör gut zu, mein Sohn
13 Schuljahre sind es schon.
Jetzt ist das Abitur in Sicht,
Da ist es doch wahrhaftig (verdammig) deine Pflicht,
ernsthaft über die Zukunft nachzudenken,
die Planung gezielt auf einen Beruf zu lenken.
Eine Handwerkslehre –
Ob das für dich was wäre?
Junge sei schlau,
geh zum Bau!
Sohn: … Ich weiß nicht … eher nein … das wär es nicht genau.
Maurer, Fliesenleger, Maler oder Schreiner,
danach strebt nicht unsereiner.
Handwerk ist doch Werk der Hand.
Rechte Hand wie linke Hand – no, I can`t.
Vater: Nun gut. Dann … eine Lehre bei einer Bank.
Den Sparkassenleiter kenn ich gut – Gott sei Dank.
Ein teurer Rat von deinem Vater;
Werde Anlageberater!
Streichst die dicken Boni ein,
lässt alle Sorgen Sorgen sein.
Sohn: (grimmig: )Ach ja, dann treibt mich die wilde Gier
aufs nächste hochrentable Risikopapier.
Vermögen verwalten für die Reichen,
Depot umschichten und Millionen einstreichen,
Zertifikate andrehen, bloß keine Renten.
Und die Kollegen sind nur noch Konkurrenten.
Das kann’s doch nicht sein,
Da sag ich nein.
Vater: Gut gebrüllt, Löwe – das macht mich froh
So denk auch ich – doch sag mir wo
ist dein Ziel, von den vielen Wegen
käme welcher dir gelegen?
Ich höre, bin ganz Ohr.
Sohn: Ein Studium, das schwebt mir vor,
ins freie Studentenleben
möcht’ ich mich begeben.
Stellst du mir Monatswechsel aus,
verlass ich alsbald das Vaterhaus,
schreib mich an einer Uni ein,
bezieh in einer WG ein Kämmerlein.
Vater: Studium? Monatswechsel? Ok, das kannst du haben,
aber nutze Talente und Geistesgaben.
Freies Studentenleben
hat es früher mal gegeben.
Da kommst du heute viel zu spät.
Aber gut. Wähle eine Fakultät!
Sohn: (nachdenklich) Zur Theologie (Pause, Vater schaut erschrocken) kann ich mich nicht bequemen.
Vater Ich kann es dir nicht übel nehmen.
Sohn Zur Juristerei fehlt mir der Draht.
Vater: Gut, gut, das wäre auch nicht mein Rat.
Sohn: Zur … Medizin,
zieht’s mich schon eher hin.
Vater: Schön, schön, über dieses Fach lästert unser größter Dichter.
Sehr ironisch, aber mit einem Quäntchen Wahrheit spricht er:
„Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen,
du studierst die groß’ und kleine Welt,
um es am Ende gehen zu lassen
wie’s dem lieben Gott gefällt.“
Sohn:Mir schwant, Goethe gibt auch guten Rat,
wie man Frauen zu verarzten hat.
Vater: Schon wahr, doch das ist delikat.
Sohn: Egal, wie lautet denn das Zitat?
Vater: „Vor allem, lern die Weiber führen,
es ist ihr ewig Weh und Ach –
so tausendfach,
aus einem Punkte zu kurieren.“
Sohn: Weiter! Es ist hier nicht zu Ende.
Da gibt´s noch was über Doktors Hände.
Vater: „Der Doktortitel wird sie vertraulich machen,
so tappst du gleich nach ihren Siebensachen,
um die ein andrer Jahre streicht.“
Dem Mann im Kittel fällt das leicht.
Sohn: (freudig) Das sieht ja lecker aus. Da sieht man doch wo und wie!
Vater: Grau, mein Sohn, ist alle Theorie.
Das gibt´s doch nur in Goethes Phantasie.
In der Praxis-Realität
Es um ganz ernste Dinge geht.
Viel Fleiss und Büffelei
Ist schon im Studium dabei.
Sohn: Das schreckt mich nicht.
Ich nehme selbst mich in die Pflicht.
Vater: Da Anatomie, da Physicum,
auch schnippelst du an Leichen rum.
Und nach dem erlangten Doktor
stell dir die Zeit nicht rosig vor.
Sohn: Das Assistenzarzt-Dasein, das weiß ich auch,
ist – so hört man stets – der reinste Schlauch.
Die Freizeit kannst du vergessen,
das Gehalt zudem nur knapp bemessen.
Vater: Trotz allem – der Beruf ist sehr begehrt,
auch wird der Doktor hoch verehrt.
Hast du dich erst niedergelassen,
versorgen dich die Krankenkassen,
ab und zu auch ein Privater –
das bringt richtig Geld, sagt dir dein Vater.
Sohn: Alles richtig, doch weil das Studium so begehrt,
wird mir der Zugang wohl verwehrt,
mit einem Notenschnitt von zwei Komma sieben
kann ich nicht wählen nach Belieben.
Vater: Dann musst du halt was andres wählen …
Sohn: Ach, warum soll ich groß mich quälen,
wie der Vater, so der Sohn.
Seit längerem ahn ich schon,
dass ein Lehramtsstudium,
wär für mich gar nicht so dumm.
Ich weiß, dass ich wohl unterrichten kann.
Vater: Glaub ich auch, ja mach das dann.
Mit Freude hab ich es vernommen.
Die Gene hast du ja von mir bekommen.
Der Beruf nährt auch seinen Mann.
Sohn: Was man an dir gut sehen kann.
Was man dir an Gehalt gegeben,
davon konnten wir doch prima leben.
Die Arbeit konnt dich nicht bedrücken,
nicht im Kopfe, nicht im Rücken.
Fuhrst zur Schule im bequemen Wagen,
ließest die Schüler sich plagen.
Jedenfalls muss ich gestehn,
mit einem schweißnassen Hemd hab ich dich nie gesehn.
Vater: Stimmt, deine Mutter hielt mir stets den Rücken frei,
für mich war auch Hausarbeit fast nie dabei.
Mittags konnt ich genüsslich ruhn,
danach war nicht mehr viel zu tun.
Und Ferienzeiten, wunderschön,
da konnten wir oft auf Reisen gehen.
Doch Vorsicht! Schule kann auch anders sein.
Manch Lehrer ist ein armes Schwein.
Arbeitet oft bis in die Nacht,
was ihn ausgebrannt und verdrießlich macht.
Sohn: Ich weiß aus meinem Schülerleben,
manch Pauker will zwar alles geben,
doch fehlt pädagogisches Geschick,
hat nur den Stoff, die Schüler nicht im Blick.
Schwierige Rabaukenklassen
kriegt so einer disziplinarisch nicht zu fassen.
Manchem fehlt auch Nervenkraft
und ist nach jedem Unterricht geschafft.
Ich glaube, solches wird mir nicht passieren.
Vater: Gut. Aber zunächst einmal muss du studieren.
Die ersten Semester kannst du nach Münster fahren.
Mit einem Bahnticket lässt sich mancher Euro sparen. (Sohn macht süßsaures Gesicht)
Sohn: Ach ja, Münster ist recht schön,
doch würd ich lieber nach Kölle gehen.
Vater: Hm. Passt mir nicht so ganz, doch muss ich recht dir geben,
in Köln, da pulsiert das Leben.
Sohn: Und Jahr für Jahr im Karneval
bin ich Kölscher Jeck dann jedes Mal.
Da krieg ich 3 Tage keinen Schlaf.
Beide: Na denn: alaaf, alaaf, alaaf.

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