Einzigartige Tischdekorationen

Ostergeschichten

Geschichten zum Lesen und Vorlesen für Kinder und Erwachsene

Geschichten

Das Schokoladenei

Ein Huhn wollte gerne zu Ostern Schokoladeneier legen können, damit es an dem Osterfest genauso wichtig ist wie der Osterhase. Es versuchte viele Pralinen und viel Schokolade zu fressen. Doch die Schokolade bekam dem Huhn nicht besonders und es musste Bauchschmerzen ertragen.

Nach einigen Monaten, genau zu Ostern gelang es dem Huhn ein Ei mit bräunlicher Schale zu legen, doch das war alles. Als das Huhn bemerkte mit welchen Mühen dieses Ei verbunden war und es trotzdem keine Aufmerksamkeit erfuhr, beschloss es, Huhn zu bleiben und der Osterhase sollte weiterhin die Schokoladeneier bringen.

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Das verlorene Häschen

Autorin: Brigitte Aubrey

Der winzige Bauschball in beige und weiß hopste langsam vorwärts.

Es war das kleinste Häschen, das du je laufen – Oh, hopsen gesehen hast.

Es war noch nicht so lange her, dass er seine Augen geöffnet hatte und schaute sich Gottes Welt voller Wunder an.

Er war ganz wuschelig mit weißen Ohren und großen Füßen. Im Moment aber wollte er eigentlich nur bei seiner Mama sein, da er hungrig war. „Wo sind die alle geblieben“, wunderte sich der kleine Michael. Auf einmal war er ganz alleine. Dabei war doch nur mal ein bisschen vom Nest weggehopst, weil er so einen komischen, großen Hasen gesehen hatte. Der fremde Hase sah ganz anders aus als seine Familie. So hopste er eben hinter her, um sich das Wesen mal näher anzusehen.

Als er es anstarrte, merke er, dass der fremde Hase nur zwei Füße hatte, und die hatten auch eine andere Farbe. „Na so was“, dachte sich Michael. Plötzlich streckte sich die komische Figur und breitete die riesigen Arme aus. Michael war darüber so erschrocken, dass er schnell rückwärts laufen wollte. In seiner Eile überschlug er sich und rollte den Abhang herunter.

„Oh, was war das nur für ein erschreckendes Wesen! Vielleicht ist es ein Ungeheuer!“ Michael hatte noch nie eins gesehen, aber er hatte schon davon gehört.

Aber nun wollte er seine Mama und Geschwister haben. Wo waren die nur? Er lief eine Zeit lang rum, aber konnte niemanden finden. Da er Hunger hatte, fing er an, das saftige, frische Grass zu fressen. Hm, war das gut! Aber bald war er satt und schaute sich um. Inzwischen war es fast ganz dunkel geworden, und er konnte kaum sehen. „Mama, wo bist du?“, rief er. Aber kleine Häschen haben keine laute Stimme und niemand hörte ihn rufen.

Er stolperte im Dunklen und plötzlich fühlte er etwas weiches Warmes. „Oh, hier ist ja mein Nest“, freute er sich und kuschelte sich tief in das warme Nest. Die anderen schienen alle schon zu schlafen und Mama muss wohl weg sein, um Fressen zu holen.

Bald war Michael eingeschlafen. Molly, die kanadische Gans, kam heim und setzte sich gemütlich auf ihr Nest und schloss zufrieden die Augen. Der Mond schien friedlich auf das kleine Wäldchen und fast alle Geschöpfe Gottes schliefen.

„Was kitzelt mich da?“ Michael wunderte sich verschlafen. Er öffnete ein Auge, aber es war noch dunkel draußen. Neben ihm zerbrach einer seiner Geschwister was. Dann stupste ihn einer mit nassen Füßen. Neben ihm schlüpfte ein kleines Gänschen aus einem Ei. Aber da er selbst noch so klein und unerfahren war, verstand er das nicht. „Was ist hier nur los?“, wunderte sich Michael und schaute sich um.

Plötzlich war es hell, und er schaute voller Staunen um sich. Noch ein Ei zerbrach und noch ein sehr hässlicher Hase kam herausgeschlüpft.

Michael schnüffelte daran. „Wo kommen all diese fremden Hasen her?“ dachte er. „Und die sehen so komisch aus.“

Was war das? Oh, da kam doch das erschreckende Wesen direkt auf ihn zu, das er gestern gesehen hatte! Er versuchte, sich tief im Nest zu verstecken.

Molly die Gans schaute auf ihre schlüpfenden Kinder. „Ach, wie schön. Ich glaube, es wird alles gut gehen“, freute sie sich. „Bald werden alle meine Kleinen hier sein.“ Aber – Halt! Was war das? So ein komisches kleines Gänschen hatte sie noch nie gesehen! Seine Federn waren ganz fusselig und es hatte sehr lange Ohren! Ach, und es hatte sogar vier Füße! Wo kam das bloß her? Das konnte doch nicht ihr Kind sein? Sie versuchte, es zu kämmen, aber die Federn kitzelten sie, und sie musste nießen.

„Was soll ich machen?“ fragte sie sich. Aber sie war eine gute Mutter und würde es versorgen, so gut sie konnte.

Michael wusste nicht, was er machen sollte. Er wollte seine Mama haben! Er hatte schon zweimal versucht, aus dem Nest zu schleichen, aber Molly hatte ihn sofort wieder reingestoßen. „Die denkt wohl, ich bin ihr Baby. Kann sie nicht sehen, dass ich ein großer, kräftiger Hase bin?“, wunderte er sich.

So verging der Tag, und bald schliefen alle wieder. Michael hatte vor, wegzuschleichen, aber er war doch noch so klein und er schlief auch ein.

Am nächsten Morgen piepsten die Kleinen. „Was machen die für einen Krawall? Und was sind das für Töne? So was sagt doch ein vernünftiger Hase nicht“, wunderte sich Michael wieder. Molly steckte was in die offenen Schnäbel, die die Gänschen hoch hielten. „Oh, pfui, wie essen die denn?“

Michael wollte weg! Aber Mama Molly befahl ihnen allen, in einer Reihe zu stehen, und dann führte sie alle. Die Kleinen watschelten schön hinter Molly her und auch Michael hopste hinter her. „Ach, laufen kann der ja auch nicht richtig“, beklagte sich Molly. Michael dachte aber dasselbe, als er seine „Geschwister“ laufen sah.

Sie kamen zu einem See und Molly schwamm majestätisch langsam hin und her. Die Gänschen liefen sofort ins Wasser, als ob sie dafür geboren wären! Dann schauten sie alle Michael an. Der war am Ufer am grasen und störte sich nicht an den Blicken der anderen. Molly kam zu ihm und versuchte, ihn ins Wasser zu stoßen. Das war aber nun doch zu viel für Michael! Er hopste, so schnell er konnte, davon. Sein kleines Herz hämmerte vor Angst.

Molly schaute ihm nach und merkte, dass er bestimmt kein Gänschen war. „Gott sei Dank!“, sagte sie.

Michael rannte, bis er Halt machen musste, um Luft zu schnappen. „Mama, wo bist du bloß? Ich habe mich verirrt und will heim!“ Seine kleine Stimme rief so laut er konnte. Wenn er sein Nest nur finden würde. Er würde immer auf seine Mama hören und nie mehr weglaufen!

Mama Häschen war ganz in der Nähe. War das ihr kleiner Michael?

„Michael, wo bist Du?“ „Mama, Mama, hier bin ich! Hol mich schnell!“

Da kam die Mama um den großen Busch und sah ihn. Sie umarmte ihn und er war so glücklich. „Mama, ich war bei Ungeheuern! Die hatten bloß zwei Füße und die waren sogar gelb. Dann wollten sie, dass ich auf dem Wasser laufen soll.“

„Später, Michael, kannst du uns alles erzählen. Jetzt gehen wir heim.“

Das kleine Häschen war überglücklich, sein Nest und die Geschwister zu sehen. Er erzählte sein Abenteuer. Mama erklärte ihm, dass er bei Gänsen war. „Gänsebabys kommen aus Eiern. Das war es, was du gesehen hast. Sie können schwimmen und sogar fliegen.“ „Aber Mama, was wollen die da oben in der Luft?“

„Es gibt unterschiedliche Lebewesen. Manche können fliegen, manche leben im Wasser und wieder andere leben in den Bäumen. Du lernst noch viele Wunder kennen. Die ganze Welt ist voller Wunder!“

Zufrieden und müde kuschelte sich Michael ins Nest mit seinen Geschwistern. Das Leben war wieder in Ordnung!

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Der Hase und der Igel

Ein Märchen, gesammelt von den Brüdern Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

Es war an einem Sonntagmorgen im Herbst, gerade als der Buchweizen blühte. Die Sonne war am Himmel aufgegangen, und der Wind strich warm über die Stoppeln, die Lerchen sangen hoch in der Luft, und die Bienen summten im Buchweizen. Die Leute gingen in ihrem Sonntagsstaat zur Kirche, und alle Geschöpfe waren vergnügt, auch der Igel.

Er stand vor seiner Tür, hatte die Arme verschränkt, er guckte in den Morgenwind hinaus und trällerte ein kleines Liedchen vor sich hin, so gut und so schlecht wie am Sonntagmorgen ein Igel eben zu singen pflegt. Während er nun so vor sich hinsang, fiel ihm plötzlich ein, er könnte doch, während seine Frau die Kinder wusch und ankleidete, ein bisschen im Feld spazieren gehen und nachsehen, wie die Steckrüben standen. Die Steckrüben waren ganz nah bei seinem Haus, und er pflegte sie mit seiner Familie zu essen, darum sah er sie auch als die seinigen an.

Gedacht, getan. Er schloss die Haustür hinter sich und schlug den Weg zum Feld ein. Er war noch nicht sehr weit und wollte gerade um den Schlehenbusch herum, der vor dem Feld stand, als er den Hasen erblickte, der in ähnlichen Geschäften ausgegangen war, nämlich um seinen Kohl zu besehen. Als der Igel den Hasen sah, wünschte er ihm freundlich einen guten Morgen. Der Hase aber, der auf seine Weise ein vornehmer Herr war und grausam hochfahrend noch dazu, antwortete gar nicht auf des Igels Gruß, sondern sagte mit höhnischer Miene: „Wie kommt es, dass du hier schon so am frühen Morgen im Feld herumläufst?“ - „Ich gehe spazieren“, sagte der Igel. - „Spazieren?“ lachte der Hase. „Du könntest deine Beine schon zu besseren Dingen gebrauchen.“

Diese Antwort verdross den Igel sehr. Alles kann er vertragen, aber auf seine Beine lässt er nichts kommen, gerade weil sie von Natur aus krumm sind. - „Du bildest dir wohl ein, du könntest mit deinen Beinen mehr ausrichten?“ sagte er. - „Das will ich meinen“, sagte der Hase. „Nun, das kommt auf einen Versuch an“, meinte der Igel. „Ich wette, wenn wir um die Wette laufen, ich laufe schneller als du.“ - „Du - mit deinen krummen Beinen?“ sagte der Hase. „Das ist ja zum Lachen. Aber wenn du so große Lust hast - was gilt die Wette?“ - „Einen Golddukaten und eine Flasche Wein“, sagte der Igel.

„Angenommen“, sagte der Hase, „schlag ein, und dann kann es gleich losgehen.“ „Nein, so große Eile hat es nicht“, meinte der Igel, „ich hab' noch gar nichts gegessen; erst will ich nach Hause gehen und ein bisschen was frühstücken. In einer Stunde bin ich wieder hier.“ Damit ging er, und der Hase war es zufrieden. Unterwegs aber dachte der Igel bei sich: „Der Hase verlässt sich auf seine langen Beine, aber ich will ihn schon kriegen. Er ist zwar ein vornehmer Herr, aber doch ein dummer Kerl, und das soll er bezahlen.“

Als er nun nach Hause kam, sagte er zu seiner Frau: „Frau, zieh dich rasch an, du musst mit mir ins Feld hinaus.“ „Was gibt es denn so dringendes?“ fragte die Frau. „Ich habe mit dem Hasen um einen Golddukaten und eine Flasche Wein gewettet, dass ich mit ihm um die Wette laufen will. Und da sollst du dabei sein.“ „O mein Gott, Mann“, begann die Frau loszuschreien, „hast du denn ganz den Verstand verloren? Wie willst du mit dem Hasen um die Wette laufen?“ „Halt den Mund, Frau“, sagte der Igel, „das ist meine Sache. Misch dich nicht in Männergeschäfte! Los, zieh dich an und komm mit!“ Was sollte also die Frau des Igels tun? Sie musste gehorchen, ob sie wollte oder nicht. Als sie miteinander unterwegs waren, sprach der Igel zu seiner Frau: „Nun pass auf, was ich dir sage. Dort auf dem langen Acker will ich unseren Wettlauf machen. Der Hase läuft in einer Furche, und ich in der anderen, und dort oben fangen wir an. Du hast nun weiter nichts zu tun, als dass du dich hier unten in die Furche stellst, und wenn der Hase in seiner Furche daherkommt, so rufst du ihm entgegen: „Ich bin schon da!“

So kamen sie zu dem Acker, der Igel wies seiner Frau ihren Platz an und ging den Acker hinauf. Als er oben ankam, war der Hase schon da. „Kann es losgehen?“ fragte er. „Jawohl“, erwiderte der Igel. „Dann los.“ Damit stellte sich jeder in seine Furche. Der Hase zählte: „Eins, zwei, drei“, und los ging er wie ein Sturmwind den Acker hinunter. Der Igel aber lief nur etwa drei Schritte, dann duckte er sich in die Furche hinein und blieb ruhig sitzen. Und als der Hase im vollen Lauf am Ziel unten am Acker ankam, rief ihm die Frau des Igels entgegen: „Ich bin schon da!“ Der Hase war nicht wenig erstaunt, glaubte er doch nichts anderes, als dass er den Igel selbst vor sich hatte. Bekanntlich sieht die Frau Igel genauso aus wie ihr Mann. „Das geht nicht mit rechten Dingen zu“, rief er. „Noch einmal gelaufen, in die andere Richtung!“ Und fort ging es wieder wie der Sturmwind, dass ihm die Ohren am Kopf flogen. Die Frau des Igels aber blieb ruhig an ihrem Platz sitzen, und als der Hase oben ankam, rief ihm der Herr Igel entgegen: „Ich bin schon da!“ Der Hase war ganz außer sich vor ärger und schrie: „Noch einmal gelaufen, noch einmal herum!“

„Meinetwegen“, gab der Igel zurück. „Sooft du Lust hast.“ So lief der Hase dreiundneunzigmal, und der Igel hielt immer mit. Und jedes Mal, wenn der Hase oben oder unten am Ziel ankam, sagten der Igel oder seine Frau: „Ich bin schon da.“

Beim vierundneunzigsten Mal aber kam der Hase nicht mehr ans Ziel. Mitten auf dem Acker fiel er zu Boden. Er war viel zu erschöpft zum weiter laufen. Der Igel aber nahm seinen gewonnenen Golddukaten und die Flasche Wein, holte seine Frau von ihrem Platz am Ende der Furche, und vergnügt gingen beide nach Hause. Der Hase aber hatte seine Lektion gelernt: Nie wieder unterschätzte er ein Tier, nur weil dieses ihm unterlegen schien.

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Der Osterhase

nach Alexander Roda Roda

Es sprach einst der Hahn zum Hasen höflich doch ein wenig gereizt: „Sie sind ja wieder einmal unglaublich populär. Ich möchte endlich das Jahr erleben, wo nicht Millionen von Osterkarten mit ihrem Bild verschenkt werden.“

Dem Hasen traten Zornestränen in die Augen. Er antwortete: „Ich danke für diese Popularität. Ja, ich pfeife auf die Popularität. Wie stehe ich da vor den anderen Waldbewohnern, mit einem Nest voll bunter Ostereier? Du Hahn, ich bin nur ein bescheidener Feld- und Waldbewohner und beliebt bei vielen Tieren. Doch ich habe meine Mission in der Natur und zwar die Fortpflanzung meiner Art. Da erfindet irgendein Mensch, das Märchen vom Osterhasen, Sie wissen doch, dass daran kein Wort wahr ist. Doch mein Ansehen ist dahin und ich bin für ewig lächerlich gemacht. Mein Leben wird nicht ernst genommen, sondern jeder bringt in Verbindung mit meinem Namen, das Märchen mit dem Osterhasen und dem buntem Osterei.“

Doch der Hahn sagte: „Was wollen Sie? Die Menschen sind nun einmal oberflächlich. Die Sarah ist nicht durch ihre Kunst berühmt geworden, sondern durch ihre Magerkeit und wird heute noch als Urbild der Magerkeit verstanden. Gorbatschow ist ein Schnaps und kein russischer Staatsmann, oder Henry Clay ist eine Zigarre. Durch das Ei ist Kolumbus berühmter als durch seine Entdeckungen. Denken Sie daran, lieber Hase, es hat was Gutes, missverstanden oder beschimpft zu sein, denn es ist besser, als vergessen zu werden“.

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Mit eigenen Augen

Als Stefan aufwachte, musste er blinzeln, weil bereits hell und freundlich die Sonne in sein Zimmer schien. Er stand auf und ging ans Fenster. Bunte Krokusse und Osterglocken blühten im Garten, und bald würden die Weiden ihre Blüten öffnen. Die Vögel zwitscherten, und während ihres Morgenkonzerts trällerte eine Meise ihm zu „Ich bin hier“, und eine Amsel flötete „Du bist da.“ Stefan presste seine Nase an die Scheibe. Sie beschlug zwar nicht, aber trotzdem fühlte sie sich ganz schön kühl an.

Er sah, wie Bello um die Ecke bog, nein: schlenderte, den Schwanz hoch in der Luft, die Nase am Boden. Plötzlich stutzte er, spitzte seine Dackelohren, so gut es ging, und pirschte sich vorsichtig an die mächtige Tanne heran, die am Nachmittag ihren Schatten bis in Stefans Zimmer werfen würde. Seinerzeit war Bello ein gefürchteter Jäger gewesen, aber naja … Das war lange her. Laut bellend stürzte er sich auf die Tanne. Etwas Braunes, Behaartes schoß unter den dichten Zweigen hervor, schlug einen blitzschnellen Haken und war auch schon verschwunden. Ein Hase. Stefan sah ihn ganz deutlich. „Der Osterhase“, dachte er und war auf einmal ganz aufgeregt.

Verdutzt ob seines schnellen Sieges schüttelte Bello sich, kläffte noch einmal lustlos und neigte den Kopf zur Seite, als er die Stimme seines Herrn hörte. Stefans Großvater rief: „Bello!“ Bello ignorierte den Befehl hochmütig, trottete zu seinem Lieblingsbusch, umrundete ihn, so dass er nicht mehr zu sehen war – außer für Stefan, der ja am Fenster stand – und hob das Bein, was ihm an dieser Stelle absolut verboten war. Nach getaner Verrichtung machte er kehrt, und gerade in dem Augenblick, als sein Herrchen zum zweiten Mal Bello!“ rief, stand er vor ihm, als ob nichts gewesen wäre, mit treuem Hundeblick und zaghaft mit dem Schwanz wedelnd. „Brav“, sagte Stefans Großvater und beugte sich in die Knie, um dem Dackel über den Kopf zu streicheln.

Stefan wandte sich vom Fenster ab. Er bekam nicht mit, wie der alte Mann über den Rasen ging und sich an der Tanne zu schaffen machte. Umso verwunderlicher war er, als Stefan später, beim Ostereiersuchen, gar nicht lange brauchte, bis er sein Nest fand. Zielstrebig ging er zu dem Baum und sah unter den dichten Zweigen nach. Verlegen kratzte sein Großvater sich am Ohr, als Stefan ihm stolz das Nest mit den bunten Eiern präsentierte. „Im nächsten Jahr muss ich mir etwas Besseres einfallen lassen“, dachte er. Aber Stefan dachte nur daran, dass dort der Osterhase gesessen hatte, bis Bello ihn aufscheuchte. Er hatte ihn schließlich mit eigenen Augen gesehen.

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Warum die Ostereier bunt sind

Vor langer, langer Zeit gab es noch keine bunten Ostereier. Sie waren so weiß, wie die Hühner sie gelegt hatten. Die Osterhasen kochten sie ab und versteckten sie in der Osternacht in den Garten und auf den Wiesen. Aber da passierte es einmal, dass es in der Osternacht schneite. Es schneite und schneite und wollte gar nicht mehr aufhören. Als die Kinder am Ostermorgen aus dem Fenster sahen, war alles weiß. Und als sie draußen überall nach den Ostereiern suchten und suchten, sie fanden kein einziges. Wie sollten sie auch im Schnee weiße Eier entdecken? Mit rot gefrorenen Nasen und kalten Füßen kamen die Kinder zurück. Sie waren sehr enttäuscht und sehr traurig.

Ein kleiner Hase saß am Wegrand und dachte: „Wir sollten die Eier bunt färben, damit man sie auch im Schnee finden kann!“ Er lief nach Hause und berichtete von seinem Einfall. „Das ist eine gute Idee!“, sagte der Hase Kaspar, der ein begeisterter Landschaftsmaler war. Und er malte gleich ein paar Mustereier. Die Hasenkinder wollten auch Pinsel und Farben haben. Sie übten und übten. Als es Sommer war, stöhnte die Hasenmutter: „Ich kann keine Rühreier und Pfannkuchen mehr sehen! Und die Backen tun mir schon weh vom Eierausblasen.“ Denn selbstverständlich übten die Hasen an ausgeblasenen Eiern.

Die schönsten hängten sie an die Bäume. Dort schaukelten sie lustig im Wind. Alle, die vorbeikamen und es sahen, freuten sich daran. Noch heute findet man in manchen Gegenden solche bunt geschmückten Osterbäume. Die Hasenkinder aber konnten es gar nicht erwarten, bis endlich wieder Ostern war und sie ihre Kunst an echten Eiern ausprobieren konnten. Seitdem gibt es bunte Ostereier! Uns seitdem finden die Kinder alle Ostereier. Auch wenn es mal an Ostern geschneit hat.

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