Der betrübte Amor, Gedicht – Festgestaltung

Der betrübte Amor

(Junge Dame mit Köcher, Pfeil und Bogen, weinerlicher Tonfall)

O weh, o weh, ich armer Wicht,
von dem die Welt nichts Gutes spricht;
Vor dem sich manches Menschlein bangt,
ein anderer nach mir verlangt.
Ich hab auf meiner letzten Jagd
verschossen mich, Gott sei’s geklagt.

Seht her, mein Köcher ist ganz leer,
kein einz’gen Pfeil besitz ich mehr;
Und täglich, stündlich kann’s geschehen,
dass ich seh zwei ins Grüne gehen,
auf die ich möchte den Bogen spannen.
Nun laufen die mir so von dannen.

Was hab’ für Tränen ich vergossen,
als ich den letzten Pfeil verschossen
so halb und halb im Übermut;
Und … ach … das tut ja niemals gut!
Dass ich mich nicht entsinnen kann,
auf wen ich den zuletzt legt’ an!

(Erblickt den Frischverlobten)

Was seh ich! Der … Der muss es sein,
auf den ich schoss im Dämmerschein
den letzten Pfeil! … (Flehend) Ach, sei so lieb,
den letzten Pfeil mir wiedergib,
sonst geht mein Posten mir verloren,
und alles nimmt mich bei den Ohren!

Du meinst, das dürfte nicht geschehen?
Hab’ ich bei dir wohl aus Versehen
zu gut getroffen sicherlich,
nun sitzt zu tief, das merke ich,
mein Pfeil … und ist nicht mehr zu fassen …

(weinerlich)

Da muss ich ihn schon sitzenlassen
und ohne ihn von hier jetzt gehen.
So lebt denn wohl! … Auf Wiedersehen!

(Zu den Gästen)

Ich sehe schon, es wird nichts nützen,
ich muss mir neue Pfeile schnitzen,
denn wer von mir nicht wird getroffen,
hat in der Liebe nichts zu hoffen.

Da würd’ das Leben allen sauer
und ringsum wäre große Trauer.
Drum wer gute Pfeile schnitzen kann,
der melde sich bei mir schnell an.
Er soll ins Herz den schönsten kriegen
und nun wünsch’ ich recht viel Vergnügen!

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