Sketche über Beamte

Sammlung von witzigen Bühnenszenen,
Spielbare Sketche über Beamte bei der Arbeit

Sketche für zwei Personen

Sketche für drei oder mehr Personen

Sketche für zwei Personen

Die Mittagspause

Personen: Amtsvorsteher, Angestellte

Requisiten: Büroausstattung oder auch nur Tisch und Stühle, Kaffeekanne, Tasse, Tablett

Amtsvorsteher: liegt mit dem Kopf auf der Tischplatte und schnarcht in allen Tonarten.
Angestellte: kommt von links mit Kaffekanne und Tasse, räuspert sich: Hm! - Hm!
Amtsvorsteher: schnarcht weiter
Angestellte: etwas energischer Herr Amtsvorsteher! Rüttelt an seiner Schulter Herr Amtsvorsteher!!
Amtsvorsteher: Richtet sich schlaftrunken auf, reibt sich die Augen: Jaa! - Was gibts denn?
Angestellte: Herr Amtsvorsteher, ich wollte ihnen nur sagen, es ist 12 Uhr, Mittagspause.
Amtsvorsteher: Ach, lassen sie nur, ich arbeite heute durch. Legt den Kopf wieder auf den Arm und schnarcht weiter.

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Dringender Fall

Personen: Ein Beamter, ein Mann

Dauer: ca. 10 Minuten

Requisiten: Eine angedeutete Amtstube mit Schreibtisch, Schreibunterlagen, Armbanduhr, Etwas zum Frühstücken, Schrank mit Schubfächern

Die Szene spielt in einer Amtsstube. Der Beamte sitzt hinter seinem Schreibtisch und frühstückt. Im Hintergrund ein Schrank mit Schubfächern, in denen Karteikarten sind. Es klopft mehrmals, aber der Beamte lässt sich nicht stören. im Gegenteil. Er schaut auf seine Uhr, dann nimmt er eine Zeitung vor und liest, während er sein Brot langsam verzehrt. Plötzlich öffnet sich die Tür. Der Mann kommt herein und bleibt an der Tür stehen. Er räuspert sich, aber der Beamte reagiert nicht:

Mann: Bitte, entschuldigen Sie, ich …
Beamte: (schaut kurz auf) In einer Minute, mein Herr. Wir sind hier äußerst genau.
Mann: Aber ich …
Beamte: Können Sie denn nicht wenigstens noch 50 Sekunden warten? Ich kann ja Ihretwegen schließlich nicht nochschneller kauen!
Mann: Aber es ist dringend!
Beamte: Nun passen Sie mal auf, ja? - Alles, was ich bearbeite, ist dringend. (Er packt den Rest seines Brotes wieder ein und schiebt das Päckchen unter den Schreibtisch.) Dringend, sage ich! (Er schaut auf die Uhr, dann stößt er plötzlich hervor): Name?
Mann: Sebald. Karl Sebald.
Beamte: Wo wohnen Sie?
Mann: In der Karlstraße 9.
Beamte: Geboren?
Mann: Ja!
Beamte: Ihre Geburt?
Mann: War ´ne Katastrophe?
Beamte: Ja, das kann ich mir vorstellen. Das Datum dieser Katastrophe will ich wissen?
Mann: Am ...19... (Geburtstag je nach Alter des Spielers einsetzen.)
Beamte: Und wo ist diese Katastrophe passiert?
Mann: In Krotzenburg.
Beamte: Schön. Nun warten Sie mal! (Er steht auf und geht zu dem Karteischrank.) Sind Sie hier amtsbekannt?
Mann: (stottert und tritt von einem Fuß auf den anderen) Ja - nein. Ich war schon mal hier. Aber nur kurz. Jetzt - ich wollte …
Beamte: Ruhe doch! Wie soll ich denn da etwas finden können? (Er sucht in der Kartei und dreht sich verblüfft um.) Sie gibt es überhaupt nicht!
Mann: Ich bin doch aber hier!
Beamte: Aber nicht da! (Deutet auf die Kartei.) Das werden wir gleich haben …
Mann: Könnten Sie mir denn nicht, also, ich wollte nur …
Beamte: (hat eine Karteikarte zum Schreibtisch mitgenommen und setzt sich nun wieder) Name?
Mann: Hören Sie!
Beamte: Name?
Mann: Sebald. Karl Sebalt, wohnhaft Karlstraße 9, geboren am …
Beamte: (notiert) Beruf?
Mann: Hausmeister.
Beamte: Wo?
Mann: In der Goetheschule.
Beamte: (hat alles notiert und schaute den Mann an) Sehen Sie? Nun haben wir's schon. Merken Sie sich eins, Herr Sebald. Sie kommen immer sofort dran, wenn Sie hier amtsbekannter sind. Passen Sie mal auf!
Mann: Aber ich wollte doch …
Beamte: (steht wieder auf und legt die Karteikarte zu den übrigen, dann setzt er sich und sagt) Sie wünschen? Sind Sie hier amtsbekannt?
Mann: Aber das wissen Sie doch!
Beamte: Name?
Mann: Sebald. Karl Sebald, geboren am …
Beamte: Halt! Und nun passen Sie auf! (Er sucht nach der Karteikarte, findet sie, nimmt sie mit zum Schreibtisch, setzt sich und liest sie durch.) Sebald, Karl, aha, da haben wir's. Karlstraße 9. Stimmt's?
Mann: Natürlich stimmt's:
Beamte: Dann sind Sie hier amtsbekannt! - Bitte sehr, worum handelt es sich?
Mann: Hören Sie! Ich brauche dringend den Schlüssel für die Toilette! (Licht aus!)

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Wem Gott ein Amt gibt

Personen: Beamter, Herr

Spieldauer: ca. 6 Minuten

Beamter: .... acht und drei ischt elf und null ischt immer noch elf und drei ischt vierzehn und acht ischt zwoiazwanzig und sieben ischt neunezwanzg - neun hin, zwoi im Sinn - zwoi und oins ischt drei und vier ischt sieben und ... (wendet sich an den Besucher) Send sie scho lang hier?
Herr: Seit vorgestern!
Beamter: (telefoniert) Oberle, hallo, Oberle, saget sie mal, i bin grad ausm Urlaub komme, und da steht ein Herr und sagt, er wart scho seit vorgeschtern. Ja, sagte sie mal, Oberle, warum hend sie denn den Mann net geschtern scho abgfertigt??
Herr: (unterbricht) Aber ich meinte doch ...
Beamter: Moment, Oberle!
Herr: - ich bin seit vorgestern hier in Pfullingen!
Beamter: Ach so! Ischt scho gut, Oberle, ischt scho gut! (hängt ein) Und was wellet sie hier in Pfullingen?
Herr: Ich möchte hier arbeiten, ich bin nämlich hierher versetzt worden, und da möchte ich mich gerne hier niederlassen.
Beamter: Na, dann setzet sie sich halt. Also arbeite wellet sie hier? Und warum kommenet sie dann ausgrechnet zu uns? I hab do selbscht nix zum Tun!
Herr: Ich möchte ja nicht bei ihnen arbeiten, ich möchte von ihnen nur eine Wohnung.
Beamter: Oine Wohnung, oine Wohnung! Und da kommet sie ausgerechnet zu uns!
Herr: Ja
Beamter: Ja, ja, ja, ja, ja, des kann jeder sage, ja, ja. Warum, will i wisse.
Herr: Na schließlich ist hier doch das Wohnungsamt, oder?
Beamter: Wohnungsamt, Wohnungsamt! Wann sie zum Gsundheitsamt gehet, krieget sie denn Gsundheit? Noi. Oder wenn sie zum Finanzamt gehet - krieget sie denn Finanze? Noi, im Gegenteil! Oder wann sie zum Bürgermeisteramt gehet - krieget Sie denn oin Bürgermeister? Noi - aber sie kommet zum Wohnungsamt und wellet oine Wohnung! Send sie sich überhaupt bewußt, was sie von uns verlanget?
Herr: Aber wo soll ich sonst hingehen, wo doch ein Wohnungsamt...
Beamter: Kaufe, kaufe! Sie könnet sich doch eine Wohnung kaufe!
Herr: Aber dazu habe ich kein Geld.
Beamter: Schaffe, schaffe, daß das Geld beikommt.
Herr: Aber ich kann doch erst arbeiten, wenn ich eine Wohnung habe!
Beamter: Da hend sie au wieder recht. - Send sie verheiratet?
Herr: Ja.
Beamter: Au das noch. - Hend sie Kinder?
Herr: Zwei Kinder.
Beamter: Au das noch. - Hend sie sonst no was - hend sie a aschteckende Krankheit oder hend sie Haustiere?
Herr: Ja, einen Hund.
Beamter: Au das noch! Ja saget sie mal, was hend sie denn net?
Herr: Eine Wohnung.
Beamter: Da hend sie au wieder recht - Sie send also oin Wohnungssuchender?
Herr: Ja, gewissermaßen.
Beamter: Interessant, fürwahr äußerscht interessant. Aber jetz will i ihne mal was sage: Hier in Pfullingen gibt es 28 Wohnungssuchende, und jetzt kommet sie daher und bringet mir mei ganze Rechnung durcheinander. Jetz kann i grad wieder von vorn afange. Ja gleubet sie denn, i hab mei Zeit gstohle?
Herr: Verzeihen sie, Herr Inspektor ...
Beamter: Oberinpektor, bitte. Aber nennet sie mich bei meinem Namen, das klingt menschlicher. Mein Name ischt Gruber.
Herr: Verzeihung Herr Obergruber - Herr Gruber, aber sie brauchen doch mit ihrer Rechnung nicht von vorn anzufangen.
Beamter: Wiso?
Herr: Na, wenn sie mir eine Wohnung geben, dann bin ich doch kein Wohnungssuchender mehr!
Beamter: Jetz hend sie wieder recht.
Herr: Na, wäre da nichts zu machen?
Beamter: Überlegen, überlegen - halt, i habs! da wär eine Wohnung in der Bismarkstraße 12.
Herr: Aber das ist ja herrlich!
Beamter: Noi! Die Wohnung in der Bismarkstraße darf erscht vergeben werden, wann die Wohnung in der Schillerstraße 9 vergeben ischt.
Herr: Dann geben sie mir doch die Wohnung in der Schillerstraße 9!
Beamter: Noi! Die darf erscht vergeben werden, wann die Wohnung in der Kaiserstraße 20 vergeben ischt, und die Wohung in der Kaiserstraße 20 darf erscht vergeben werden, wenn die Wohnung in der Mozartstraße 38 vergeben ischt.
Herr: Und was ist mit der Wohnung in der Mozartstraße 38?
Beamter: Das ischt eine Zwölf-Zimmer-Wohnung! - Aber passet sie auf, mir machet da jetz oinen kleinen Schwindel! Sie ziehet zuerscht für ein paar Tag in die Wohnung Mozartstraße 38, dann ziehet sie für ein paar Tag in die Wohnung Kaiserstraße 20, dann ziehet sie für ei paar Tag in die Wohnung Schillerstraße 9, und dann ziehet sie endgültig in die Wohnung Bismarkstraße 12. Das ischt nömlich für sie genau das richtige: Verheiratet, zwoi Kinder, oin Hund --- Send sie oinverstonden?
Herr: Gerne. Aber können sie mir darüber vielleicht eine kleine Bescheinigung geben?
Beamter: Noi, i hab jetz Dienstschluß und muß hoim in mei gschäft.
Herr: Ja, haben sie denn noch einen anderen Beruf?
Beamter: Ja, i bin Spediteur.

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Sketche für drei oder mehr Personen

Auf dem Postamt

Personen: Postangestellter mit Brille, spießiger Typ, Herr A, Herr B, Herr C, eine Frau

Spieldauer: ca. 12 Minuten

Requisiten: Pappuhr mit beweglichen Zeigern, (Schein-)Telefon, Aktentasche mit Kleinkram, Taschenmesser, belegtes Brötchen, Schere, Personalausweis

Szene: Ein Geldabholschalter mit Uhr darüber; Telefon auf dem Schaltertisch

Postler: (Im Schalter sitzend, sortiert Papiere, dicht darauf sehend)
Herr A: (erscheint mit gefüllter Aktentasche; er sucht in seinen Taschen, bringt einen Zettel hervor, wartet)
Postler: (reagiert nicht)
Herr A: (wartet erst noch geduldig, schiebt dann den Zettel näher zum Postler hin)
Postler: (reagiert nicht)
Herr A: (hält Zettel an die - nicht vorhandene Glasscheibe)
Postler: (reagiert noch immer nicht)
Herr A: (klopft an die Glasscheibe und zeigt den Zettel)
Postler: (schiebt endlich Glasscheibe hoch, legt mit Nachdruck den Zettel wieder vor Herrn A hin und schickt dabei vorwurfsvollen Blick über die Brille, dazu missbilligendes Kopfschütteln)
Herr A: (schiebt den Zettel wieder vor) Ich habe hier eine Benachrichtigung erhalten...
Postler: (spitzt seinen Bleistift liebevoll an) Mo - ment bitte!
Herr A: (wartet wieder, dann hebt er den Zettel dicht vor dem Postler hoch) Ich habe diese Benachrichtigung erhalten, daß...
Postler: (wischt die Holzabfälle zusammen, dabei fällt Bleistift hinunter) Mo - ment bitte, sagte ich! (Er bückt sich nach dem Stift, kommt langsam hoch, betrachtet den Bleistift, ob die Spitze abgebrochen ist)
Herr A: (Auf den Zettel pochend) Ich habe hier eine...
Postler: (Mit prüfendem Blick über die Brille) Sie heißen?
Herr A: Aumüller, August...
Postler: Wieso Au?
Herr A: Nicht Au, sondern Aumüller! August Aumüller!
Postler: Stottern Sie?
Herr A: Nein - warum?
Postler: Tut ihnen etwas weh?
Herr A: Durchaus nicht - weshalb denn?
Postler: Dann brauchen sie doch nicht Au zu sagen! Sie heißen Müller?
Herr A: (schüttelt den Kopf) Au--! Aumüller!
Postler: Was denn nun schon wieder! Sie mit ihrem blöden Au! Wollen sie mich etwa zum besten halten?
Herr A: Aber ich heiße doch so!
Postler: Sie heißen AU?
Herr A: Hören sie schlecht? Ich heiße August Aumüller!
Postler: (abfällig) August Aumüller! Muß ja ein Fehler sein! (Er blättert in den Geldanweisungen) Für Müller ist keine Geldanweisung dabei!
Herr A: (ungeduldig) Aber für Aumüller muß eine da sein - hier ist doch die Benachrichtigung
Postler: (blättert weiter) Für August ist auch keine da
Herr A: Suchen sie doch nach Aumüller, denn so heiße ich.
Postler: das sind sie selber?
Herr A: Na, ja gewiss doch
Postler: Und warum soll ich nach ihnen suchen, wenn sie doch vor mir stehen?
Herr A: (Außer Fassung) Nach der Geldanweisung für Aumüller sollen sie suchen!
Postler: (beleidigt) Hören sie, sie haben mir hier keine Vorschriften zu machen, wie ich meinen Dienst versehen soll - (ereifert sich noch mehr) sie - ich tue meine Dienst schon seit dreißig Jahren - und immer korrekt - immer korrekt!
Herr A: (begütigend) Ja, natürlich! Aber bitte, nun zahlen sie mir doch die Geldanweisung aus. Haben sie sie nun endlich gefunden?
Postler: (hält die Geldanweisung an die Augen) Aumüller August - komisch - also doch Aumüller! Hätte ich wirklich nicht gedacht - (scharf) wohnhaft?
Herr A: Hornbiegelstraße 19.
Postler: (legt die Geldanweisung wieder weg) Dann sind sie's nicht!
Herr A: (ärgerlich) Aber es gibt keinen anderen Aumüller in unserer Straße außer mir!
Postler: (stur) Ja, vielleicht in ihrer Straße!
Herr A: Was soll denn das nun wieder heißen?
Postler: Naja, in ihrer Hirnbiegelstraße
Herr A: Horn - Hornbiegelstraße - nicht Hirn
Postler: Hab ich doch gesagt! Hirnbiegelstraße.
Herr A: Wollen sie mich verspotten? Oder worauf wollen sie überhaupt hinaus?
Postler: (sehr amtlich) Die mir vorliegende Geldanweisung lautet auf August Aumüller in der alten Bahnhofstraße 19 und nicht an sie!
Herr A: Ach so, deshalb! Unsere Straße ist umbenannt - umbenannt von Alte Bahnhofstraße jetzt in Hornbiegelstraße. Es ist dieselbe Straße - hören sie - dieselbe Straße! Und ich bin der Empfänger der Geldanweisung. Hier habe ich doch die Benachrichtigung Ihres Kollegen.
Postler: Also wenn es zuerst die "Alte Bahnhofstraße" war und jetzt die Hirn - eh - die Hornbiegelstraße ist, kann es ja unmöglich dieselbe Straße sein, sonst - (überheblich) wärs nämlich doch noch die "Alte Bahnhofstraße"! Ist doch logisch, oder etwa nicht?
Herr A: (Macht eine verzweifelte Geste)
Postler: (amtlich) Außerdem: Eine Geldsendung geht mindestens zwei bis drei Tage, und in zwei bis drei Tagen wird keine Straße umbenannt.
Herr A: Das Geld habe ich gewonnen - gewonnen bei einem Preisausschreiben.
Postler: Was sie nicht sagen.
Herr A: Bei einem Preisausschreiben vor vier Monaten - na ja, und damals hieß unsere Straße noch "Alte Bahnhofstraße" und darum steht es auch so auf der Geldanweisung, weil es auch so auf meinem Absender gestanden hat - versteh'n sie das?
Postler: Nein.
Herr A: Mein Gott, so glauben sie mir doch!
Postler: Sie reden reichlich wirres Zeug, wissen sie das?
Herr A: (aufgeregt) Und - und das hier - die postalische Benachrichtigung - ein amtliches Papier! Von ihrem Kollegen, der immer unsere Straße bearbeitet!
Postler: Der kann ja versetzt worden sein in ihre Hornbiegelstraße.
Herr A: (entgeistert) Mann - so nehmen sie doch Vernunft an.
Postler: (gekränkt) Wenn einer hier vernünftig ist, dann bestimmt ich! Ich handle nach meinen Vorschriften!
Herr A: Ist ja gut, aber - nun machen sie schon!
Postler: (greift zum Telefon) Das muß ich mir erst amtlich bestätigen lassen, daß die Straße umbenannt ist. Ja?? Bitte den Herrn Vorsteher! Ja, Herr Vorsteher - hier Geldschalter Nr. 1, Stempelmeier am Apparat. Herr Vorsteher - ja, Stempelmeier - ich habe hier einen schwierigen Fall - eine Geldsendung für Müller - nein für August Müller - eh - wollte sagen (studiert den Geldschein) für August Aumüller. Ja so wars: August Aumüller - in der alten Bahnhofstraße 19 - sagt er wenigstens. Bitte, hab ich das Recht die Sendung auszuliefern, so doch die Straße nicht stimmt - ja? Bitte? Ich soll warten? - Ja, Herr Vorsitzender - ja, ich warte.
Herr B: (erscheint)
Herr A: (ungeduldig) Also so etwas! Da freut man sich, daß man einen schönen Gewinn abholen kann - und nun dieser Bürokratismus - diese entsetzliche Umständlichkeit
Herr B: (staunt) Einen Gewinn? Einen schönen Gewinn, sagten sie?
Herr A: (nickt, mit den Fingern trommelnd)
Postler: Ja? Aha, danke - Herr Vorsteher, danke - dasselbe - äh - dieselbe - vielen Dank (legt Hörer auf) Also, sie haben Glück - es ist wahrhaftig die selbe Straße
Herr A: Sagte ich doch!
Postler: Gut, also das stimmt - nun bitte ihren Ausweis - ihren gültigen Personalausweis!
Herr A: Meinen - ja ja, natürlich - meinen Personalausweis - (sucht in seinen Taschen) - na, wo ist er denn - (sehr nervös) - zum Donnerwetter - ich hatte ihn doch eingesteckt.
Herr B: Vielleicht in ihrer Aktentasche?
Herr A: (durchsucht seine Aktentasche, es wird alles einzeln herausgenommen, manches fällt herunter, alles sehr schnell und aufgeregt)
Postler: (schaut gelangweilt zu)
Herr C: (erscheint, blickt verwundert)
Herr B: (zu ihm vertraulich) Der Mann hat einen großen Lottogewinn gemacht und will ihn hier abholen - aber er findet seinen Personalausweis nicht.
Herr C: (eifrig zu A) Wenn ich ihnen behilflich sein kann?
Herr A: Aber ich weiß - ich habe ihn mitgenommen - ich kann es beschwören - (sucht wieder in seinen Taschen)
Herr C: Vielleicht ist er doch noch bei ihnen zu Hause - ich habe meinen Wagen draußen, ich könnte sie schnell hinfahren!
Herr A: Ach, danke - nein, er muß hier sein - (alle suchen auf dem Schalterbrett, auf dem Boden, wieder wird die Aktentasche durchwühlt)
Herr A: (durchsucht seine Hosenaufschläge, seine Schuhe, seine Ärmel)
Postler: (packt sein Brötchen aus und ißt teilnahmslos)
Frau: (erscheint) Nanu, was ist denn hier los?
Herr C: (zu ihr) Der Herr da hat einen riesigen Lottogewinn gemacht, aber er hat seinen Personalausweis hier irgendwo verloren.
Frau: (abseits, pfiffig) Klar, da muß man helfen - und dann wird er sich erkenntlich zeigen! (Resolut zu Herrn A) Na, guter Mann, wo haben wir noch nicht gesucht?
Herr A: (Ziemlich erschöpft) Überall - überall gesucht - und dabei weiß ich ganz genau, daß ich ihn eingesteckt habe!
Frau: (faßt mit schneller Bewegung in die Innentasche Herrn A's)
Herr A: (empört) Aber sie, was erlauben sie sich! (Alles horcht auf)
Postler: (dreht kauend langsam den Kopf)
Frau: (triumphierend) Sehen Sie, das dachte ich mir! Ein Loch, ein Loch in ihrer Innentasche! (Sie tastet an dem schockierten A herunter, alle sehen gespannt zu) Da - da - da ist er! Warten sie - das haben wir gleich! Im Futter ganz unten sitzt er - das Futter müssen wir natürlich auftrennen! (Sie kramt in ihrer Handtasche, bringt eine Schere zum Vorschein. Herr B und Herr C ziehen dem Herrn A die Jacke aus)
Frau: Gut, daß ich immer eine Schere bei mir habe, sehen sie, Herr Lottokönig, so kann ich ihnen helfen! (sie schiebt die Jacke auf das Schalterbrett, um aufzutrennen, dabei fällt erneut die Aktentasche herunter und alles heraus - niemand achtet darauf, denn die Frau bringt den Ausweis zutage) Hier mein Herr, bitte - ihr Personalausweis, na, wie habe ich das gemacht?
Herr A: (erleichtert, aber fertig) - Ja, ja, vielen Dank! (nimmt den Ausweis, drängt sich durch die anderen zum Schalter, alle drängen nach, recken die Hälse)
Herr A: (seinen Ausweis offen hinhaltend) Sie - also hier - bitte schwarz auf weiß, August Aumüller, Hornbiegelstraße 19 - ehemals "Alte Bahnhofstraße" 19 - alles in Ordnung.
Postler: (legt langsam sein Brotpapier zusammen)
Herr A: Und nun - (die Uhr über dem Schalter rückt auf 18 Uhr)
Postler: und nun ist's 18 Uhr - Schalterschluß für heute! (Er läßt das Innenrolleau herab) Licht aus.

(NB: Die Uhr kann natürlich auch im Hintergrund sein und dort deutlich ertönen)

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Seite zuletzt geändert: 07.08.2015