Wintergedichte – Hoffmann von Fallersleben

Wintergedichte, Winterlyrik, Winterpoesie – Hoffmann von Fallersleben

Inhaltsverzeichnis

Wintergedichte

Der Eislauf

Autor: Hoffmann von Fallersleben

Der See ist zugefroren
Und hält schon seinen Mann.
Die Bahn ist wie ein Spiegel
Und glänzt uns freundlich an.

Das Wetter ist so heiter,
Die Sonne scheint so hell.
Wer will mit mir ins Freie?
Wer ist mein Mitgesell?

Da ist nicht viel zu fragen:
Wer mit will, macht sich auf.
Wir geh’n hinaus ins Freie,
Hinaus zum Schlittschuhlauf.

Was kümmert uns die Kälte?
Was kümmert uns der Schnee?
Wir wollen Schlittschuh laufen
Wohl auf dem blanken See.

Da sind wir ausgezogen
Zur Eisbahn alsobald,
Und haben uns am Ufer
Die Schlittschuh angeschnallt.

Das war ein lustig Leben
Im hellen Sonnenglanz!
Wir drehten uns und schwebten,
Als wär’s ein Reigentanz.

Schlittschuhlaufen auf einem See
Schlittschuhlaufen auf einem See
Bild von Betidraws auf Pixabay

Der Reif

Autor: Hoffmann von Fallersleben

Der Reif ist ein geschickter Mann:
O seht doch, was er alles kann!
Er haucht nur in den Wald hinein,
Wie ist verzuckert schön und fein
Ein jeder Zweig und Busch und Strauch
Von seinem Hauch!

Wie schnell es ihm von Händen geht!
Kein Zuckerbäcker das versteht.
Und alles fein und silberrein,
Wie glänzt es doch im Sonnenschein!
Wär’ alles doch nur Zucker auch
Von seinem Hauch!

Doch nein, wir sind schon sehr erfreut,
Dass uns der Reif so Schönes beut.
O Winter, deinen Reif auch gib,
Uns ist auch Augenweide lieb,
Und ohne Duft und Frühlingshauch
Freu’n wir uns auch.

Raureif auf Wiese und Bäumen
Raureif auf Wiese und Bäumen
Bild von Albrecht Fietz auf Pixabay

Der Schneemann

Autor: Hoffmann von Fallersleben

Seht, da steht er, unser Schneemann!
Das ist ein Geselle!
Stehet fest und unverzaget,
weicht nicht von der Stelle.

Schaut ihm in die schwarzen Augen!
Wird euch denn nicht bange?
In der linken Hand,
da hat er eine lange Stange.

Einen großen Säbel hält er
fest in seiner Rechten.
Kommt heran! Er wird sich wehren,
wird mit allen fechten.

Über ihn kann nur der Frühling
einen Sieg gewinnen:
Blickt ihn der nur an von ferne,
wird er gleich zerrinnen.

Aber halt dich tapfer, Schneemann!
Lass dir offenbaren:
Stehst du morgen noch,
so wollen wir dich Schlitten fahren.

Schneemann mit Zylinder
Schneemann mit Zylinder
Bild von Brenda Barlow auf Pixabay

Der Winter und die Spatzen

Autor: Hoffmann von Fallersleben

Sie zwitscherten und sangen,
Man hörte kaum sein Wort:
Der Winter ist gegangen
Und alles Leid ist fort!

Ei, wartet nur, ihr Spatzen!
Sollt mich schon wieder seh’n.
Das Zwitschern und das Schwatzen,
Das soll euch bald vergeh’n!

Da kam der Winter wieder,
Er brachte Kält’ und Schnee;
Da gab es keine Lieder,
Kein fröhliches Juchhe.

Die Spatzen aber saßen
Vergnügt in Stall und Haus:
O Winter, lass das Spaßen!
Wir lachen dich doch aus.

So ist es auch ergangen:
Kaum war der Winter fort,
Die Spatzen fröhlich sangen,
Man hörte kaum sein Wort.

Spatzen auf einem Baum im Winter
Spatzen auf einem Baum im Winter
Bild von GLady auf Pixabay

Der Winterabend

Autor: Hoffmann von Fallersleben

Der Winterabend, das ist die Zeit
der Arbeit und der Fröhlichkeit.
Wenn die andern nähen, stricken und spinnen,
dann müssen wir Kinder auch was beginnen;
wir dürfen nicht müßig sitzen und ruhn,
wir haben auch unser Teil zu tun.
Wir müssen zu morgen uns vorbereiten
und vollenden unsere Schularbeiten.
Und sind wir fertig mit Lesen und Schreiben,
dann können wir unsere Kurzweil treiben …
Und ist der Abend auch noch so lang,
wir kürzen ihn mit Spiel und Gesang.
Und wer ein hübsches Rätsel kann,
der sagts, und wir fangen zu raten an.

Glückliche Kinder beim Spielen
Glückliche Kinder beim Spielen
Bild von Евгения auf Pixabay

Die Schlittenfahrt mit dem Schneemann

Autor: Hoffmann von Fallersleben

Wir kommen mit Trommel- und Pfeifenklang,
Mit Schellengeläut’ und mit Lustgesang.

Der Schneemann ist unser König jetzt,
Wir haben ihn heut auf den Thron gesetzt.

Wir zieh’n ihn mit Jubel durch Stadt und Land,
Wir zieh’n ihn aus Liebe mit eigner Hand.

Ihr Leute, so schaut aus den Fenstern heraus!
Schneekönig der kommet in Saus und Braus.

Ihr Leute, so ziehet die Kappen ab!
Schneekönig der kommet mit Kron’ und Stab.

Ihr Leute, begrüßt ihn mit Hurrahgeschrei!
Schneekönig der ziehet anjetzt[1] vorbei.

Schneemann auf einem Schlitten im Winterwald
Schneemann auf einem Schlitten im Winterwald
Bild von Victoria auf Pixabay

[1]anjetzt → veraltet: in diesem Moment, im gegenwärtigen Augenblick, „jetzt“ wird durch das Präfix „an-“ verstärkt.


Fliegenbitte

Autor: Hoffmann von Fallersleben

Gönnt doch dem kleinen Wintergast
Im warmen Zimmer Ruh und Rast.
Da draußen ist gar schlimme Zeit,
Es stürmt und regnet, friert und schneit.

Ach, mein Begehren ist nur klein,
Ich nehme wenig Raum nur ein!
Im Blumenbusch am Fenster hier,
Da such’ ich mir ein Nachtquartier.

Und wird es mir darin zu kalt,
So ist mein liebster Aufenthalt
Beim alten Fritzen auf dem Hut,
Da sitz’ ich sicher, warm und gut.

Und kommt der heil’ge Christ heran,
Dann freu’ ich mich wie Jedermann,
Weihnachten soll’s für mich auch sein,
Ein Kuchenkrümchen wird schon mein.

Drum lass die arme Flieg’ in Ruh,
Sie hat ein Recht zu sein wie du.
Nun, liebes Kind, nun freue dich
Und sei noch lustiger als ich!

Gemeine Florfliege
Gemeine Florfliege
Bild von unbekannt auf Pixabay
Florfliegen gehören zu den Nützlingen im Garten.
Bis zu 500 Blattläuse frisst eine einzelne Larve,
bevor sie sich in eine ausgewachsene Fliege verwandelt.
Zum Überwintern suchen die Fliegen frostfreie Stellen
im Freien auf oder wandern in Gebäude.

Im Winter

Autor: Hoffmann von Fallersleben

Wohl ist der Winter die schlimmste Zeit
Der Frühling, er ist so weit, so weit!
Von Grünen und Blühen keine Spur,
Am Fenster gefrorene Blumen nur.

Und dennoch tröst’ ich mich: mir blüht
Ein ewiger Frühling im Gemüt.
Ich kann in Gedanken dem Winter entschweben
Und trotz dem Winter im Frühling leben.

Schneebedeckte Winterlandschaft
Schneebedeckte Winterlandschaft
Bild von katerinavulcova auf Pixabay

Sehnsucht nach dem Frühling

Autor: Hoffmann von Fallersleben

O, wie ist es kalt geworden
Und so traurig, öd’ und leer!
Raue Winde weh’n von Norden
Und die Sonne scheint nicht mehr.

Auf die Berge möcht’ ich fliegen,
Möchte seh’n ein grünes Tal,
Möcht’ in Gras und Blumen liegen
Und mich freu’n am Sonnenstrahl;

Möchte hören die Schalmeien
Und der Herden Glockenklang,
Möchte freuen mich im Freien
An der Vögel süßem Sang.

Schöner Frühling, komm doch wieder,
Lieber Frühling, komm doch bald,
Bring’ uns Blumen, Laub und Lieder,
Schmücke wieder Feld und Wald!

Ja, du bist uns treu geblieben,
Kommst nun bald in Pracht und Glanz,
Bringst nun bald all deinen Lieben
Sang und Freude, Spiel und Tanz.

Schneeglöckchen als Vorbote des Frühlings
Schneeglöckchen als Vorbote des Frühlings
Bild von Dominik Rheinheimer auf Pixabay

Winternacht

Autor: Hoffmann von Fallersleben

Wie ist so herrlich die Winternacht!
Es glänzt der Mond in voller Pracht
Mit den silbernen Sternen am Himmelszelt.

Es zieht der Frost durch Wald und Feld
Und überspinnet jedes Reis
Und alle Halme silberweiß.

Er hauchet über den See, und im Nu
Noch eh´ wir´s denken, friert er zu.

So hat der Winter auch unser gedacht
Und über Nacht uns Freude gebracht.
Nun wollen wir auch dem „Winter nicht grollen
Und ihm auch Lieder des Dankes zollen.

Winternacht im Schnee
Winternacht im Schnee
Bild von günter auf Pixabay