Schlechtes Zeugnis — es gibt größere Katastrophen

Nachdenkliche Geschichten, Briefe und Lieder
zu schlechten Zeugnissen für Eltern und Schüler

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Briefe

Überlegter Brief einer Tochter(1)

Eine Mutter kommt ins Zimmer ihrer Tochter und findet dieses leer mit einem Bief auf dem Bett. Das schlimmste ahnend, macht sie ihn auf und liest folgendes:

Liebe Mami.

Es tut mir leid, dir sagen zu müssen, dass ich mit meinem neuen Freund von zuhause weggegangen bin. Ich habe in ihm die wahre Liebe gefunden, du solltest ihn sehen, er ist sooooo süß mit seinen vielen Tatoos und den Piercings und vor allem sein Megateil von Motorrad!

Aber das ist noch nicht alles, Mami, ich bin endlich schwanger, und Abdul sagt, wir werden ein schönes Leben haben in seinem Wohnwagen! Er will noch viele Kinder mit mir, und das ist auch mein Traum. Und da ich draufgekommen bin, dass Mariohanna eigentlich gut tut, werden wir das Gras auch für unsere Freunde anbauen, für den Fall, dass denen das Koks oder Heroin ausgeht.

In der Zwischwenzeit hoffe ich, dass die Wissenschaft endlich ein Mittel gegen Aids findet, damit es Abdul bald besser geht, er verdient es wirkich!

Du brauchst keine Angst zu haben, Mami, ich bin schon 15 und kann gut auf mich selber aufpassen! Ich hoffe ich kann dich bald besuchen kommen, damit du deinen Enkel kennelernst!

Deine geliebte Tochter

PS: Alles Blödsinn, Mami, Ich bin bei den Nachbarn! Wollte dir nur sagen, dass es schlimmere Dinge im Leben gibt als das Zeugnis, das auf dem Nachtkästchen liegt! Hab dich lieb!

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Überlegter Brief einer Tochter(2)

Liebe Mama, lieber Papa,

seit ich von zu Hause fort und im College bin, war ich, was das Briefe schreiben angeht, sehr säumig. Es tut mir leid, dass ich so unachtsam war und nicht schon früher geschrieben habe. Ich will euch nun auf den neusten Stand bringen, aber bevor ihr anfangt zu lesen, nehmt euch bitte einen Stuhl. Ihr lest nicht weiter, bevor ihr euch gesetzt habt! Okay?

Also, es geht mir inzwischen wieder einigermaßen. Der Schädelbruch und die Gehirnerschütterung, die ich mir zugezogen hatte, als ich aus dem Fenster des Wohnheims gesprungen bin, nachdem dort kurz nach meiner Ankunft ein Feuer ausgebrochen war, sind ziemlich ausgeheilt. Ich war nur zwei Wochen im Krankenhaus und kann schon fast wieder normal sehen und habe nur noch einmal am Tag diese wahnsinnigen Kopfschmerzen.

Glücklicherweise hat der Tankwart einer Tankstelle das Feuer im Wohnheim und meinen Sprung aus dem Fenster gesehen und die Feuerwehr sowie Krankenwagen gerufen. Er hat mich auch im Krankenhaus besucht - und da das Wohnheim abgebrannt war, und ich nicht wusste, wo ich unterkommen sollte, hat er mir netterweise angeboten, bei ihm zu wohnen. Eigentlich ist es nur ein Zimmer im 1. Stock, aber es ist doch recht gemütlich.

Er ist ein sehr netter Junge und wir lieben uns sehr und haben vor, zu heiraten. Wir wissen noch nicht genau wann, aber es soll schnell gehen, damit man nicht sieht, dass ich schwanger bin.

Ja, Mama und Papa, ich bin schwanger. Ich weiß; wie sehr ihr euch freut, bald Großeltern zu sein – und ich weiß, ihr werdet das Baby gern haben und ihm die gleiche Liebe, Zuneigung und Fürsorge zukommen lassen, die ihr mir als Kind gegeben habt.

Der Grund, warum wir nicht sofort heiraten, ist, dass mein Freund Aids hat, daher ist es uns nicht möglich, eine voreheliche Blutuntersuchung durchzuführen, denn auch ich habe mich angesteckt. Ich weiß, ihr werdet ihn mit offenen Armen in unserer Familie aufnehmen. Er ist nett und ehrgeizig, wenn schulisch auch nicht besonders ausgebildet. Auch wenn er eine andere Hautfarbe und Religion hat als wir, wird euch das sicherlich nicht stören.

Jetzt, da ich euch das Neueste mitgeteilt habe, möchte ich euch sagen, dass es im Wohnheim nicht gebrannt hat, ich keine Gehirnerschütterung oder Schädelbruch hatte, ich nicht im Krankenhaus war, nicht schwanger bin, nicht verlobt bin, mich nicht angesteckt habe und auch keinen Freund habe.

Allerdings bekomme ich eine sechs in Geschichte und eine fünf in Chemie, und ich möchte, dass ihr diese Noten in der richtigen Relation seht!

Eure Tochter Sarah

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Geschichten

Sie hat doch gute Noten

Autorin: Ginny le Fay

Sie ist vierzehn, ihr fünfzehnter steht kurz bevor. Sie ist Klassenbeste, hat immer alle Hausaufgaben, ist immer glücklich, hat ein geordnetes Leben. Sie hat nicht sonderlich viele Freunde, aber man kann mit ihr klarkommen, denn sie ist freundlich und gibt großzügig die Hausaufgaben ab, wenn sie danach gefragt wird. Man muss nicht bitte oder danke sagen, man nimmt es einfach, das ist ein ungeschriebenes Gesetz. So rettet man sich vor einem Strich, einer Fünf, einer Sechs.

Wenn man etwas nicht versteht, fragt man sie. Sie erklärt es. Man kann sie ärgern, das macht ihr nichts, solange man es nicht zu regelmäßig macht, denn sonst könnte sie die Hausaufgaben streichen, dann bekäme man eine Fünf, eine Sechs. Sie hat keine Probleme, wenn man sie fragt „Wie geht es dir?“ so antwortet sie fast immer mit „Gut“. Wenn sie einen traurigen Eindruck macht und man fragt „Was ist denn los?“ so lächelt sie und antwortet „Ich bin nur müde.“ Dann ist man zufrieden, denn man muss nicht nachhaken oder großzügig Mitleid verstreuen, wie bei anderen Mädchen in ihrem Alter.

Wünschen wir uns nicht alle, ein so wunderbares Leben zu führen? Wünschen wir uns nicht alle, immer gute Noten zu haben und immer Klassenbeste zu sein? Wünschen wir uns nicht alle ein Leben ohne Probleme?

Sie ist ein glückliches Mädchen, das finden wir toll. Wir würden nicht verstehen, wenn es ihr schlecht ginge. Wenn man gute Noten hat, kann es einem nicht schlecht gehen, dann geht es einem gut und man hat keine Probleme.

Warum aber steht sie dann hier? Auf dem Dach, im Regen, rundum nass, frierend. Warum laufen ihr die Tränen über die Wangen? Warum geht sie nicht rein, in ihr warmes Zimmer, ihr geht es doch gut, sie hat doch keine Probleme, sie hat doch gute Noten.

Warum springt sie jetzt, einen zerknüllten Brief in der Faust?

Warum will sie so früh sterben?

Sie hat doch gute Noten.

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Lieder

Zeugnistag

Text und Melodie: Reinhard Mey, Veröffentlicht 1979, Video

Ich denke, ich muss so zwölf Jahre alt gewesen sein,
und wieder einmal war es Zeugnistag.
Nur diesmal, dacht’ ich, bricht das Schulhaus samt Dachgestühl ein,
als meines weiß und hässlich vor mir lag.
Dabei war’n meine Hoffnungen keineswegs hoch geschraubt.
Ich war ein fauler Hund und obendrein
höchst eigenwillig. Doch trotzdem hätte ich nie geglaubt,
so ein totaler Versager zu sein.

So, jetzt ist es passiert, dacht’ ich mir, jetzt ist alles aus,
nicht einmal eine 4 in Religion.
Oh Mann, mit diesem Zeugnis kommst du besser nicht nach Haus,
sondern allenfalls zur Fremdenlegion.
Ich zeigt’ es meinen Eltern nicht und unterschrieb für sie,
schön bunt, sah nicht schlecht aus, ohne zu prahl’n!
Ich war vielleicht ’ne Niete in Deutsch und Biologie.
Dafür konnt’ ich schon immer ganz gut mal’n!

Der Zauber kam natürlich schon am nächsten Morgen raus,
die Fälschung war wohl doch nicht so geschickt.
Der Rektor kam, holte mich schnaubend aus der Klasse raus.
So stand ich da, allein, stumm und geknickt.
Dann ließ er meine Eltern kommen, lehnte sich zurück,
voll Selbstgerechtigkeit genoss er schon
die Maulschellen für den Betrüger, das missrat’ne Stück,
diesen Urkundenfälscher, ihren Sohn.

Mein Vater nahm das Zeugnis in die Hand und sah mich an
und sagte ruhig: „Was mich anbetrifft,
so gibt es nicht die kleinste Spur eines Zweifels daran,
das ist tatsächlich meine Unterschrift.“
Auch meine Mutter sagte, ja, das sei ihr Namenszug.
Gekritzelt zwar, doch müsse man versteh’n,
dass sie vorher zwei große, schwere Einkaufstaschen trug.
Dann sagte sie: „Komm, Junge, lass uns geh’n.“
Ich hab’ noch manches langes Jahr auf Schulbänken verlor’n
und lernte widerspruchslos vor mich hin
Namen, Tabellen, Theorien von hinten und von vorn,
dass ich dabei nicht ganz verblödet bin!
Nur eine Lektion hat sich in den Jahr’n herausgesiebt,
die eine nur aus dem Haufen Ballast:
Wie gut es tut, zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt,
ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!

Ich weiß nicht, ob es Rechtens war, dass meine Eltern mich
da rausholten, und wo bleibt die Moral?
Die Schlauen diskutier’n, die Besserwisser streiten sich,
ich weiß es nicht, es ist mir auch egal.
Ich weiß nur eins, ich wünsche allen Kindern auf der Welt,
und nicht zuletzt natürlich dir, mein Kind,
wenns brenzlig wird, wenns schiefgeht, wenn die Welt zusammenfällt,
Eltern, die aus diesem Holze sind –
Eltern, die aus diesem Holz geschnitten sind!

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Zeugniswitze

Im Singen eine Zwei

Es hat Zeugnisse gegeben. Der kleine Peter hat in allen Fächern Fünfen, nur im Singen eine Zwei. Der Vater ist fassungslos: „Dass du bei so vielen Fünfen noch singen kannst?!“

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In Sexualkunde eine Eins

„Na, Britta, wie haben deine Eltern denn dein miserables Zeugnis aufgenommen?“ - „Bei den Fünfen sind sie ganz kühl geblieben, aber über die Eins in Sexualkunde haben sie sich schrecklich aufgeregt!“

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Vertragsverlängerung

Jonathan, Sohn eines Profi-Fußballers, kommt mit dem Zeugnis nach Hause und verkündet: „Papa, mein Vertrag in der dritten Klasse ist um ein Jahr verlängert worden …”

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Wo ist dein Zeugnis?

Mutter: „Wo ist dein Zeugnis?”

Fritzchen: „Das hab ich einem Freund geborgt. Der will damit seinen Vater erschrecken.”

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Zeugnis unter aller Sau

Kommt Fritzchen am letzten Schultag nach Hause: „Papa, schau dir bitte mal dieses Zeugnis an.”

Vater: „Das ist ja unter aller Sau, schämst du dich nicht dafür?”

Fritzchen: „Wieso ich? Das habe ich auf dem Dachboden gefunden. Es ist ein Altes von dir.”

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Seite zuletzt geändert: 16.05.2017