Sommergedichte – Johann Wolfgang von Goethe

Sommergedichte, Sommerlyrik, Sommerpoesie von Johann Wolfgang von Goethe

Inhaltsverzeichnis

Sommergedichte

Blumen sehet ruhig sprießen

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

Blumen sehet ruhig sprießen,
Reizend eurer Haupt umzieren;
Früchte wollen nicht verführen,
Kostend mag man sie genießen.

Bieten bräunliche Gesichter
Kirschen, Pfirschen, Königspflaumen,
Kauft! Denn gegen Zung’ und Gaumen
Hält sich Auge schlecht als Richter.

Kommt, von allerreifsten Früchten
Mit Geschmack und Lust zu speisen!
Über Rosen läßt sich dichten,
In die Äpfel muß man beißen.

Sei’s erlaubt, uns anzupaaren
Eurem reichen Jugendflor,
Und wir putzen reifer Waren
Fülle nachbarlich empor.

Unter lustigen Gewinden,
in geschmückter Lauben Bucht,
Alles ist zugleich zu finden:
Knospe, Blätter, Blume Frucht.

Zinnie, Blumen
Zinnie, Blumen
Bild von Alicja auf Pixabay

Sommer

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
und von den Auen dränget uns die Glut;
doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.

Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,
die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,
dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;
doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.

Gewitter über Dordrecht
Gewitter über Dordrecht
Gemälde von Aelbert Cuyp, Öl auf Leinwand
Public domain, via Wikimedia Commons