Sommergedichte – Ludwig Thoma

Sommergedichte, Sommerlyrik, Sommerpoesie von Ludwig Thoma

Inhaltsverzeichnis

Sommergedichte

Mondnacht am Chiemsee

Autor: Ludwig Thoma

Gespensterhaft die Berge ragen.
Weit über sie mit bleichem Schein,
Von raschen Wolken tief umzogen,
Schaut silberhell der Mond herein.

Der See erglänzt von seinen Strahlen,
Die spielen glänzend drüber her,
Als tanzten Nixen ihren Reigen
Auf leichtbewegtem Wellenmeer.

Am Ufer durch die hohe Buche
Mit leisem Hauch der Nachtwind zieht,
Und in den Zweigen tönt ein Flüstern
Geheimnisvoll, fast wie ein Lied.

Ich bin allein. Und wonnetrunken
Ergeb ich mich der stillen Pracht
Und meine Brust durchbebt der Zauber
Der feierlichen Sommernacht.

Nachthimmel am See
Nachthimmel am See
Bild von John auf Pixabay

Sommernacht

Autor: Ludwig Thoma

Laue, stille Sommernacht,
Rings ein feierliches Schweigen,
Und am mondbeglänzten See
Tanzen Elfen ihren Reigen.

Unnennbares Sehnen schwillt
Mir das Herz. In jungen Jahren
Hab ich nie der Liebe Lust,
Nie der Liebe Glück erfahren.

Schmeichelnd spielt die linde Luft
Um die Stirne, um die Wangen.
Und es faßt mit Allgewalt
Mich ein selig-süßes Bangen.

Blaue Augen, blondes Haar
Soll ich bald mein eigen nennen?
Und der Ehe Hochgefühl
Soll ich aus Erfahrung kennen.

In der lauen Sommernacht
Wird sie dann im Bette sitzen,
„Männchen“, fragt sie, „sag mir doch,
Musst du auch so gräßlich schwitzen?“

Sommernacht (August 1909)
Sommernacht (August 1909)
Ölgemälde von George Wesley Bellows
Public domain, via Wikimedia Commons

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August