Sommergedichte – Christian Morgenstern

Sommergedichte, Sommerlyrik, Sommerpoesie von Christian Morgenstern

Inhaltsverzeichnis

Sommergedichte

Butterblumengelbe Wiesen

Autor: Christian Morgenstern

Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt -
wie das Aug’ dich nie gewöhnt!
o du überreiches Spriessen,

Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift -
ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.

Butterblumen auf einer Wiese
Butterblumen auf einer Wiese
Bild von Michaela 💗 auf Pixabay

Der vergessene Donner

Autor: Christian Morgenstern

Ein Gewitter, im Vergehn,
ließ einst einen Donner stehn.

Schwarz in einer Felsenscharte
stand der Donner da und harrte –

scharrte dumpf mit Hals und Hufe,
dass man ihn nach Hause rufe.

Doch das dunkle Donnerfohlen –
niemand kams nach Hause holen.

Sein Gewölk, im Arm des Windes,
dachte nimmer seines Kindes –

flog dahin zum Erdensaum
und verschwand dort wie ein Traum.

Grollend und ins Herz getroffen
lässt der Donner Wunsch und Hoffen,

richtet sich im Felsgestein,
wie ein Bergzentaure ein.

Als die nächste Frühe blaut,
ist sein pechschwarz Fell ergraut.

Traurig sieht er sich im See
fahl, wie alten Gletscherschnee.

Stumm verkriecht er sich, verhärmt;
nur wenn Menschheit kommt und lärmt,

äfft er schaurig ihren Schall,
bringt Geröll und Schutt zu Fall …

Mancher Hirt und mancher Hund
schläft zu Füßen ihm im Schrund.

Donner und Blitz am Nachthimmel
Donner und Blitz am Nachthimmel
Bild von diegotankograd auf Pixabay

Sommernacht im Hochwald

Autor: Christian Morgenstern

Im Hochwald sonngesegnet
hat's lange nicht geregnet.

Doch schaffen sich die Bäume
dort ihre Regenträume.

Die Espen und die Erlen -
sie prickeln und sie perlen.

Das ist ein Sprühn und Klopfen
als wie von tausend Tropfen.

Die Lärchen und die Birken -
sie fühlen flugs es wirken.

Die Fichten und die Föhren -
sie lassen sich betören!

Der Wind weht kühl und leise.
Die Sterne stehn im Kreise.

Die Espen und die Erlen:
sie schaudern tausend Perlen …

Baumsilhouetten in der Dämmerung
Baumsilhouetten in der Dämmerung
Bild von Dimitris Vetsikas auf Pixabay

Vormittag am Strand

Autor: Christian Morgenstern

Es war ein solcher Vormittag,
wo man die Fische singen hörte;
kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis
dicht unter dem durchsonnten Spiegel.

Sonnenaufgang auf Sardinien
Sonnenaufgang auf Sardinien
Bild von fradellafra auf Pixabay

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Juli