Gedichte
1284 - Der Rattenfänger in Hameln
Autor: Olaf Lüken
Warum hat er die Ratten ins Haus gelassen?
Sie kommen herein, über Terrassen und Gassen.
Der Keller zieht sie an, zum großen Prassen.
Ich seh’ sie flitzen, kann es kaum noch fassen.
Wer hat den Ratten bloß Einlass gewährt?
Wissen sie nicht, dass sich das nicht gehört?
Von Käse, Speck und Wurst recht wohlgenährt,
hauen sie ab, verlassen Haus, Hof und Herd.
Keller und Haus werden eingerissen.
Die Ratten haben alles zugeschissen.
Jetzt schnarchen sie auf dicken Kissen,
lassen Hameln von ihrer Frechheit wissen.
Die Bürger der Stadt haben sie so satt,
sie suchen Hilfe, hier ist ein Patt.
Ein Rattenfänger vom fernen Kattegat,
will helfen, eilt herbei – über’s Watt.
Befreien soll er die Bürger von Qualen.
Doch niemand will die Rechnung bezahlen.
Er nimmt die Kinder, so die Annalen.
Sie folgen dem Fänger, verlassen Westfalen.
© Olaf Lüken
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Der Ministrant und der Pfaffe
Autor: Olaf Lüken
Im Grund seines Herzens herrscht Dunkelheit.
Versunken ist die Vergangenheit.
Zugemauert all’ die Seelenlast,
dass die Angst nur nicht sein ICH erfasst.
Im Schlaf wiederholt sich stets ein Traum,
glaubt zu ersticken, im dichten Schaum,
der schleichend sich durchs Hirne frisst,
ein Delikt an ihm, das er nicht vergisst.
Die Kindheit endete mit einem Schlag.
Bilder, die man sonst so gerne mag.
Geschändet wurde auch sein Geist,
wenn der Pfaff kam, gebadet in Schweiß.
Die Augen des Jungen bittend flehen:
„Ich habe Angst! Lassen Sie mich gehen!“
Der Pfaffe aber ganz hämisch lacht:
„Ich hab’ an dich und deine Eltern gedacht!“
© Olaf Lüken
Eijeijei
Autor: Olaf Lüken
Ob Einerlei, ob Schweinerei,
am Ende steht ein kleines „ei“.
Erzählt hat es mir die Eierfrau.
Ihr Eierkopf denkt punktgenau.
Eierschale und Eierschnee.
Ein Eiertanz am Eiersee.
Meine Eier sind nicht rund.
Deine Eier sind nicht bunt.
Der Mann am Morgen ist so frei,
er will sein weiches Frühstücksei.
Wer von gekochten Eiern spricht,
ist der ein hartgesottener Wicht?
Ein Mann verließ das Haus, wie aus dem Ei gepellt,
hat später eine Frau um ihr Erspartes geprellt.
Eijeijei, sowas ist keine Kleinigkeit.
Halt Dein Kolumbus-Ei stets bereit!
© Olaf Lüken
Geliebter Luftballon
Autor: Olaf Lüken
Ich schicke meinen Luftballon
auf eine weite Reise.
Der Aufwind trägt dich leicht davon,
fliegst höher als ’ne Meise.
Du kommst ins Land der Eskimos, 1)
landest in meines Freundes Hand!
Er schickt dich weiter nach Davos,
bleibst hängen in der Häuserwand.
Einmal über den Wolken schweben,
auch mal die Adlerwelt erleben.
Fliege über Land, Strand und Meer.
Die Winde schieben dich vor sich her.
Fliege, fliege, lieber Luftballon,
ziehe über meine bunte Welt.
Mache dich nur auf und davon,
bist mir lieber als Gut und Geld.
© Olaf Lüken
1) Eskimos (früher) → Inuit (heute)
Glockengeläut
Autor: Olaf Lüken
Schwerelos im Glockenraum,
sehe ich sie schweben,
oft sehr laut wie’s Leben.
Nicht zu greifen, schöner Traum.
Ernsthaft läuten sie, hoch und tief,
die Glocken meiner Heimatstadt.
Mal bimmelnd hoch, mal etwas schief,
so mancher den Kopf nur geschüttelt hat.
Die Glocke dröhnt, ist laut und stöhnt.
Wo sind die Freuden dieser Welt?
Der Teufel höhnt, ihr Klang versöhnt.
Die Welt spricht nur von Gut und Geld.
Lasst die Glocken alle schwingen.
Kirchenlieder will ich singen.
Kerzen, die so schnell verglühn,
Herzen, die wie Rosen blühn.
Horch! - wie zart und leis’,
hoch oben dort ein Glöcklein singt.
Ich weiß nicht mal, von wo es klingt.
Und weil ich es kaum hören kann,
stehe ich im Glockenbann.
Die Glocke tönt vom Himmel her,
wo alles eine Feier ist.
Die Seele lieber oben wär’,
den Erdenlärm auch nicht vermisst.
© Olaf Lüken
Junger Mann vorm Spiegel
Autor: Olaf Lüken
Junger Mann:
„Du bist kein netter Spiegel heut’.
Bin ich dir vielleicht zu nah?
Bin einer von vielen Sunnboys,
vielleicht ein kommender Superstar.“
Der Spiegel:
„Youngster, es tut mir sehr leid dafür,
dass du so gerne kommst zu mir.
Ich kann dir nur zeigen, wie du bist,
wie das so meine Art es ist.“
Junger Mann:
„Da halt ich mich lieber fern von dir,
bist keine sehr gute Hilfe mir.
Ärgerst du mich, so werd’ ich mich rächen,
dich in tausend Stücke zerbrechen.“
Der Spiegel:
„Ich bin ein Spiegel, ehrlich und rein,
für dich will ich auch wahrhaftig sein.“
© Olaf Lüken
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Leseratten
Autor: Olaf Lüken
Lesen kann die Herzen berühren
und die Augen weit aufreißen.
Lesen kann die Sinne verführen,
mit Worten nur so um sich schmeißen.
In der Kölner Kirchengasse hatten
einst sich versammelt tausend Ratten.
Heute berichtet die Leseratte,
was sich dereinst hier ereignet hatte.
Katzen jagten Nager in den Gassen,
konnten von jenen niemand fassen.
Solche Storys hörten die Fans liebend gern,
machten sich lustig über die Katzenherrn.
Die Erkenntnis daraus sich ergibt,
Leseratten sind äußerst beliebt.
Ergo:
Aus Leseratten werden Bücherstürmer,
Büchernarren oder Bücherwürmer.
© Olaf Lüken
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Lügen haben auch lange Beine
Autor: Olaf Lüken
Lügen sind sehr ungesund.
Mäuler ersetzen keinen Mund.
Doch schön sind auch die Lügen,
so süß, wie das Betrügen!
Nur, wenn ich’s Lügen mir erlaube,
ich an die Wahrheit auch nicht glaube.
Denn, wer ständig lügt und lügt,
sich prompt auch selber stets betrügt.
bei vielen Menschen an Achtung verliert.
Schreit’s Baby "Papa!" aus der Wiege,
intoniert es seine erste Lüge.
Tante Pia log, dass sich die Balken bogen.
Niemand hatte so gut wie sie gelogen.
Und hatte sie mal nichts zu lügen gewusst,
dann log sie allein schon aus Herzenslust.
© Olaf Lüken
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Die Nase, die länger wird, wenn er lügt,
ist Pinocchios berühmtestes Merkmal.
Morgenrasur
Autor: Olaf Lüken
Ist meine Rasur eine Seelenkur
oder ’ne Prozedur, bis zur Tortur?
Pflege, Ruhe, Präzision,
die sanfte Haut als Finderlohn.
Stahl und Seife für’s Gesicht,
bartlose Leute wähnen Gewicht.
Auch mal mit dem Strich rasieren,
den Vollbart mit der Scher’ riskieren.
Die Rasur ist wahrlich kein Malheur.
Wer kennt nicht einen guten Friseur?
Auch der Barbier rasiert mit Pläsier.
Muss ich alles alleine können,
um Haare von der Haut zu trennen?
Ich nehme Gel, vielleicht nur Schaum.
So werde die Welt auch mir zum Traum!
Während ich ein Liedchen singe,
kreuz und quer springt meine Klinge.
Rauf und runter, runter und rauf,
hier endet gleich der Stoppel Lauf!
Nicht Frust, Lust und Genuss sind ein Muss.
Ich wünsche mir meiner Liebsten Kuss!
Zum Abschluss lockt ein Aftershave,
dann bin ich „Hardcore“, dann bin ich „Brave“!
Ein kleiner Schritt. Igittigit.
Die Backe zeigt Spuren, kein kluger Schritt.
Ich seh’ beim Säubern nur wenig Blut,
die Pfirsichhaut bleibt ein kostbares Gut.
Mein Gesicht, jetzt glatt und nackt.
Die Rasur ist gelungen, das ist Fakt!
© Olaf Lüken
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Nordseedrama
Autor: Olaf Lüken
Es blinkt die Welle, es glänzt das Meer.
Mit günstigem Wind segel ich dahin.
Warum wiegt nur mein Herz so schwer?
Ich weiß nicht zu segeln, wohin?
Jetzt herrscht Stille auf dem Wasser.
Ohne Regung ist das Meer.
Plötzlich werde ich nass und nasser.
Eine Möwe fliegt um mich her.
Ich wende das Boot und suche Land.
Da packt mich spontan ein neues Weh.
Gestoppt wird das Boot, von fremder Hand.
Gebrochen ist mir mein kleiner Zeh.
© Olaf Lüken
Outdoor
Autorin: Heidi Hollmann
„Outdoor“ spielen unsre Kinder,
sollte „Indoor“ nicht gefallen.
Mir missfällt dabei nicht minder,
dass sie Anglizismen lallen.
Müssen wir uns so anpassen?
Bringt uns unser Deutsch nichts mehr?
Für mich ist es kaum zu fassen.
Die Vermischung liegt mir quer.
Früher beim Sechstagerennen
gab es sehr viel Gaudi meist.
Nicht mehr schön, muss ich bekennen,
ist’s, seit’s „Sixdays–Event“ heißt.
Und ich hoffe und vermute,
und ich setze eine Frist;
dass die Sprache, unsre Gute,
wieder „in“ statt „out“ bald ist!
Möge jedem deutschen Kinde,
wert sein, seine Muttersprache.
Auf dass es zu sich selber finde,
aus der Anglizismenbrache.
© Heidi Hollmann
Puls der Jugend
Autor: Johann Wolfgang von Goethe
Rasch schlägt der Puls des jugendlichen Lebens,
Rasch schießt der Pflanze Trieb zum schlanken Kiel;
Die Jugend freut sich nur des Vorwärtsstrebens,
Versucht sich weit umher, versucht sich viel.
Der Kräfte Spielen ist drum nicht vergebens,
So kennt sie bald sich Umfang, Maß und Ziel:
Der Most, der gärend sich vom Schaum geläutert,
Er wird zum Trank, der Geist und Sinn erheitert.
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Sing ein Lied!
Autor: Olaf Lüken
Wahre Freunde lieben Lieder.
Möchte dir zum Singen raten,
und die Träume kehren wieder,
beflügeln deinen Seelengarten.
Beim Singen wirst dich wiederfinden,
und sei's durch eine Melodie.
Kümmernisse, die verschwinden,
zu Gunsten reiner Harmonie!
Lieder, die deine Seele streicheln,
Lieder, die auch den Göttern schmeicheln.
© Olaf Lüken
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Vom Blitz getroffen!
Autor: Olaf Lüken
Wohlig warm die Mittagssonne,
sie liefert Wärme für die Haut,
verspüre eine große Wonne,
bei mir hat sie kaum vorbeigeschaut.
Und die Sonne scheint wie Gold,
hör', dass laut der Donner grollt.
Ich seh' die Sonne zügig wandern.
Der Himmel graut. Eins kommt zum andern.
Vorbei die Sonne, das ist kein Witz.
Beim Pinkeln seh' ich schwarze Wolken.
Es raucht und zischt. Ist das ein Blitz?
Ich brenne wie ein trockner Balken.
Mich trifft ein Schlag in Dur und Moll.
Ein Blitz,der nur mich treffen soll?
Ich starb - nicht mal als Zeitungsknüller,
als Schadensgruß1 von Nachbar Müller.
© Olaf Lüken
1 Schadensgruß → auch Schadenszauber
Vor der Kirche steht ein Kirschbaum
Autor: Olaf Lüken
Man glaubt es kaum,
ich sitze im Baum,
mit meinen sechzehn Jahren,
glücklich, doch unerfahren.
Dunkle Kirschen in der Hand.
Die Früchte sind voller Saft.
Die Kerne spuck ich an die Wand
und strotze nur vor lauter Kraft.
Lieber im Mund ´ne dicke Kirsche
und die Backen voller Kerne,
als auf Knien in der Kirche,
faul sein unterm Glanz der Sterne.
© Olaf Lüken
Wenn die Erde bebt
Autor: Olaf Lüken
Eingestürzt sind alle Träume.
Unbill kommt mit Paukenschlag.
Tränen rinnen schnell hinunter.
Sinnlos scheinen Müh’ und Plag’.
Leere schaut aus vielen Augen.
Menschen starren fassungslos.
And’re sehen nur das Unheil.
Was sind das für Zeiten bloß?
Machtlos stehen sie vor Trümmern.
Wirkungslos sind Wut und Pein.
Menschen unter Häusern wimmern.
Gott! - wo wirst du morgen sein?
Hilft die Welt, wie schnell versprochen?
Frage ich - nicht ohne Grund.
Zweifel spür’ ich in den Köpfen.
Die Erde bebt auf dem Erdenrund.
Vernichtet werden Existenzen.
Verlor’n ist deren Hab und Gut.
Es beten auch die Eminenzen.
Bis alle Unbill wieder ruht.
© Olaf Lüken
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Wenn Glocken locken
Autor: Olaf Lüken
Kirchenglocken erdschwer stöhnen,
sie von Nahem tönen, dröhnen.
Glocken haben auch ein Gemüt,
spielen dem Herrn das Hohelied.
Glockenblumen: Kennen Sie Fräulein Violett?
Schüchtern ist sie, wie ihr Geläut.
Ach! - wenn ich sie nur hören tät?
Ich knippste sie, mit Polaroid.
Kuhglocken können häufig stören,
sind oft almenweit zu hören.
Hörner haben sie, die sie zieren,
lautstark aber nicht funktionieren!
© Olaf Lüken
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Zwei Heimgekehrte
Autor: Anastasius Grün
Zwei Wanderer zogen hinaus zum Tor
Zur herrlichen Alpenwelt empor;
Der eine ging, weil's Mode just,
Den andern trieb der Drang in der Brust.
Und als daheim nun wieder die zwei,
Da rückte die ganze Sippe herbei,
Da wirbelt's von Fragen ohne Zahl:
„Was habt ihr gesehen? Erzählt einmal!“
Der eine drauf mit Gähnen spricht:
„Was wir gesehen? Viel war es nicht!
Ach, Bäume, Wiesen, Bach und Hain,
Und blauen Himmel und Sonnenschein!"
Der andere lächelnd dasselbe spricht,
Doch leuchtenden Blicks, mit verklärtem Gesicht:
„Ei, Bäume, Wiesen, Bach und Hain,
Und blauen Himmel und Sonnenschein!“
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